Düsseldorf Stadt will den Carlsplatz umkrempeln

Die Stadt bittet alle Händler an einen Tisch. Ziel ist eine „Neuausrichtung“ des Marktes. Aber in welche Richtung, das bleibt unklar.

Düsseldorf: Stadt will den Carlsplatz umkrempeln
Foto: Bernd Schaller

Düsseldorf. Die Carlsplatz-Händler sind schwer in Sorge. Vor einigen Tagen flatterte ihnen eine Einladung der Stadt ins Haus: Ordnungsdezernent Stefan Keller bittet darin alle am 18. August zum Gespräch ins Rathaus. Thema: „die zukünftige Neuausrichtung des Wochenmarktes“. Das lässt bei einigen Händlern die Alarmglocken läuten.

Sie fragen sich, was für eine Neuausrichtung das sein soll — und ob sie in Zukunft noch einen Platz haben werden. „Einige Händler haben regelrecht Existenzangst“, sagt Geschäftsführer Heiner Röckrath. Tatsächlich gibt es offenbar Gedankenspiele, die Organisationsstruktur des Wochenmarktes zu ändern — bis hin zu einer Übernahme durch die Stadt selbst oder durch eine Stadttochter.

Grund ist, dass Dezernent Stefan Keller eine Reihe von Problemen sieht, die er auf diese Weise lösen möchte. Dabei geht es insbesondere um Fragen der Geschäftsführung. Heiner Röckrath sieht sich gleich mit mehreren Vorwürfen konfrontiert, die er als unfair oder unzutreffend empfindet.

Als der Carlsplatz neu hergerichtet wurde (Dach etc.), haben die Händler einen Teil der Kosten selbst getragen. Neue Händler wurden danach nicht automatisch in den Marktverein aufgenommen. Das Stimmrecht wollten sich die vorbehalten, die gezahlt hatten. Ganz sauber war diese Begründung freilich nicht: Ein Großteil der Kosten wurde ohnehin auf die Standgebühren umgelegt. Und auf Dauer kann der Markt nicht als Zwei-Klassen-Gesellschaft funktionieren.

Das weiß auch Röckrath. Er sagt: „Wir haben allen Händlern, die seit mindestens zwei Jahren auf dem Carlsplatz sind, und hier keine Schulden haben, eine Mitgliedschaft angeboten.“ Erst im April wurde die Satzung in diesem Punkt neu gefasst, demnach entscheidet über die Aufnahme die Hauptversammlung „mit einfacher Mehrheit“. Die Aufnahmegebühr beträgt 2000 Euro und kann in Raten gezahlt werden. Dezernent Keller reicht das nicht — er hat die Bildung einer Genossenschaft vorgeschlagen.

Unterschiedliche Mieten Einige langjährige Händler zahlen angeblich nur ein Viertel der Miete, die neue Händler zahlen müssen. Vorwurf an Röckrath: Er habe versprochen daran etwas zu ändern, aber nichts getan. Er selbst weist das zurück: „Wir haben die alteingesessenen Händler dazu gebracht, auf freiwilliger Basis 60 Prozent mehr Standmiete zu zahlen. Bei der Neuvermietung sind wir auch etwas runter, so dass sich die Mieten schon zu einem Gutteil angeglichen haben. Diesen Weg wollen wir weitergehen.“

Geschäftsführer Auch Röckrath — der seinen Blumenstand vor gut einem Jahr an seine Tochter abgegeben hat — wird angegriffen: Er sei befangen, versuche andere Blumenhändler vom Markt fernzuhalten. Er kontert: „Über solche Fragen entscheidet der zehnköpfige Beirat — und nicht ich allein.“

Der Streit Röckrath wähnt 90 Prozent der 60 Händler hinter sich. Aber er hat auch Gegner. Unlängst wurden Fischhändler Erik Fehling (verkauft Frischfisch und Fisch-Mittagsgerichte) und Christian Dauser (Gulaschkanone) in einem Zeitungsbericht als Kritiker gehandelt, sie fordern demnach ein „professionelles Management“ — das geht gegen Röckrath — und „keine weiteren Imbisse“.

Vermittelt die Stadt in diesem Streit? Oder ergreift sie Partei? Mit dieser bangen Frage im Kopf gehen einige Händler am 18. August ins Rathaus.

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