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Stadt-Teilchen: Kommunikation mit einem Kommunikations-Konzern: „Rufen Sie die Hotline an!“

Stadt-Teilchen : Kommunikation mit einem Kommunikations-Konzern: „Rufen Sie die Hotline an!“

Düsseldorf. Es gibt ja kaum noch Telefonzellen in Düsseldorf. Ganze zehn sind im Internet aufgezeichnet, beispielsweise an der Luegallee, der Tußmannstraße oder auf dem Fürstenplatz.

Und die sind auch nicht alle ganz, sondern nicht selten von schwerbeschädigt. Besonders die alten gelben Häuschen, weniger die neueren grau-magenta-farbenen, die mit einem Internet-Terminal kombiniert sind. Aber auch die werden vielerorts abgebaut. Die Telekom verkauft sie ab 450 Euro. Die gelben Telefonzellen sind allerdings komplett vergriffen.

Foto: Zanin/dpa

Manchmal wünscht man sich noch so ein Telefonhäuschen vor der Haustür mit dem Slogan: „Fasse dich kurz“, nicht nur aus nostalgischen Gründen. Trotz Handy. Besonders, wenn der eigene Anschluss gestört oder gar tot ist. Wie neulich. Vorab: Dies ist keine Exklusiv-Geschichte. Wetten, dass (fast) jeder eine solche oder ähnliche erzählen könnte? Weil sie tagtäglich in jedem Stadt-Teilchen passiert, von Angermund bis Zooviertel. Zum Thema Telefon.

Foto: Zanin/dpa

Diese Story dreht sich um den haltlosen Typ eines schnurlosen Telefons. Was streng genommen gar keines ist. Das Ding steckt ja — wenigstens noch die meisten — in einer Station, und die hat eine Schnur, die wiederum fest in einer entsprechenden Steckdose steckt. Daher der Name Festanschluss. Wenn der gestört ist, hat man in der Regel noch sein Handy. Nicht im Urlaub. Da hatte ich meines weggeschlossen. Von wegen Digital Detox.

Foto: Zanin/dpa

Zuhause aber brauchte ich es sofort wieder, für einen Hilferuf. Als Telekom-Kunde. Klingelt es? Dazu fällt doch jedem eine Geschichte ein! Wie diese: Ich hebe den Hörer ab und lausche. Rauschen. Wie im Urlaub. Meeresrauschen. Mehr nicht. Ich schließe die Augen und bin gefühlt wieder am Strand. Nur nicht mehr so entspannt.

Meine Oma hielt mir als Kind manchmal so eine Muschel ans Ohr und erklärte mir dazu, das sei das Rauschen des Meeres, der Heimat der Muschel. Damals war ich fasziniert. Jetzt nervt mich das Rauschen am Ohr, das nur ich hören kann. Anrufer bekommen nicht mit, dass ich gestört bin: Sie hören das normale Freizeichen und wundern sich, dass keiner dran geht. Weil — natürlich — auch der Anrufbeantworter im Meeresrauschen untergegangen ist.

Nun habe ich hier kein Meer vor der Tür, sondern eine frische neue Baugrube. Vor dem Küchenfenster fliegen keine Möwen, da pendelt eine lose Leitung für den festen Anschluss. Lauter Störfelder der Kommunikation. Was tun? Störungsstelle anrufen: Telekom-Hotline! Hach! Haben Sie das mal versucht? Wählen Sie 800. . . und schon ist man gestrandet. Und wieder reif für die Insel. Um mit dem rosaroten Kommunikationskonzern zu kommunizieren, bräuchte man zusätzliche Urlaubstage. Oder eine Selbsteinweisung in eine geschlossene Telefonzelle.

Nun bin ich generell für Direktkontakt, deshalb auch nicht bei Facebook, sondern — wenn überhaupt — eine Face-to-Face-Freundin. Warum nicht auch für meinen Anbieter? Schließlich suche ich ja tatsächlich Anschluss, sogar einen festen. Also auf zum verbrauchernahen T-Punkt in der Altstadt.

Dort schaut mich ein junger Mann mitleidig zweifelnd an. Ich glaube, er glaubt, ich hätte einen Hörsturz. Ob ich schon mal den Stecker gezogen hätte? Und dies gemacht hätte, und das, lauter so toxisches Digitaldeutsch. Und überhaupt: ein neuer Vertrag müsste her. „Hören Sie“, höre ich mich sagen und setze mein Pokerface auf: „Bevor Sie mir helfen, helfe ich Ihnen, verrate Ihnen nicht nur meine Nummer, sondern auch zu welcher ihrer Zielgruppen ich zähle: ADDA - alte-digitaldoofe-Analphabeten.“

Um es auf den Punkt zu bringen: Auch dieser junge Mann kannte nur den Königsweg seiner Konzern-Kommunikation: „Rufen Sie die Hotline an.“ In Indien? In Polen? Oder sonst wo? Aber vielleicht hat er ja eine Geheimnummer? Traurig schüttelte er den Kopf. Und seufzte. Ich solle es mal nach 19 Uhr versuchen, da seien die Leitungen nicht mehr so überlastet. Von wegen!

Ich entschied mich für ein anderes Zeitfenster: wenn Deutschland duscht. So zwischen 6.30 und 7.30 Uhr. Die Freaks pennen dann noch, Normalbürger machen sich fertig für den Weg zur Arbeit mit Dienstanschluss. Bingo! Bereits nach dem ersten Klingeln habe ich Kontakt zu einer Maschine, die mich nach meiner Nummer fragt und ob ich ein technisches Problem hätte? „Ja!“ Ob ich mit einem Mitarbeiter sprechen möchte? „Ja!!!“

Habe ich dann auch. Sie klang wie ein Mensch, konnte das Problem jedoch auch nicht lösen, verdächtigte mein Telefon als Übeltäter: „Haben Sie schon mal den Stecker gezogen?“ Ich zog ihn zum x-ten Mal. Es rauschte. Ich wurde weiter verbunden in eine höhere technische Abteilung: „Ziehen Sie mal den Stecker!“ Ohne Erfolg.

Jetzt musste der Techniker kommen! Am übernächsten Tag. Zeitfenster: 10 bis 16 Uhr. Aber der kam nicht. Er rief einfach irgendwann an und sagte: „Ihre Leitung ist wieder in Ordnung!“ Und? Wie das? Was war? Fröhliche Antwort: „Die war komplett gestört.“