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Düsseldorf braucht das Mutter-Ey-Café am Stadtmuseum

Stadt-Teilchen : Düsseldorf braucht das Mutter-Ey-Café am Stadtmuseum zurück

Am Stadtmuseum in der Carlstadt gibt es einen besonderen Ort, der seit einem Jahrzehnt ungenutzt ist. Er wäre ideal für ein Café.

Günstige Immobilie in guter Lage zum günstigen Preis gesucht? Wie wär’s mit einem schmucken weißen Reihenhaus, 136 Quadratmeter auf 289 Quadratmetern Grundstück für: 385 000 Euro! Provisionsfrei! Wo? Mutter Ey-Straße, flimmert es auf meinem Smartphone. Augenwischerei!? Doch nicht etwa das schmucke Schmela-Haus, das die Stadt gerade verkaufen will?

Die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten. Schon einige Zeilen tiefer geht dem atemberaubenden Angebot die Luft aus. Die offerierte „moderne Doppelhaushälfte“ liegt nicht etwa im klopfenden Herzen der Düsseldorfer Altstadt, auf diesem Stückchen Straße, das noch kürzer ist als die Kurze Straße kurz dahinter, sondern eine halbe Autostunde entfernt, unweit eines Barock-Schlosses, in Mönchengladbachs beschaulichem Stadt-Teilchen Wickrath.

Nicht von ungefähr. In besagter Mutter Ey-Straße war die 1864 in Wickrath geborene Johanna Stocken zu Hause. Aber schon mit 19 kam sie nach Düsseldorf, heiratete hier den Braumeister Robert Ey, von dem sie zwölf Kinder bekam, die nicht alle überlebten.

Der Blick auf den Teich und die Insel. Foto: ja/Inge Hufschlag

Mutter Ey eröffnete mitten in der Altstadt eine Kaffeebude, eine Art Vorläufer von Starbucks, die schnell zum Künstlertreff wurde. Für die resolute Wirtin keine brotlose Kunst, sondern ein mutiges Start up als Galeristin und Mäzenin Die wäre im Immobiliengeschäft sicher auch erfolgreich gewesen. Vielleicht war sie’s sogar, ist aber nicht überliefert.  

Wohnen wie bei Muttern im Schoss der Stadt. Zwei Jahrzehnte habe ich unter den Augen von Mutter Ey in der Andreasstraße gelebt - in der Straße, nicht etwa im Andreas-Quartier, das gab’s noch nicht. Am Ende der Straße hoch oben am Dachgiebel, hat Mutter Ey immer ein Auge auf mich gehabt. Als Kind der Stadt fühlte ich mich von ihr behütet, habe mir Geschichten über sie ausgedacht, noch bevor ich sie gelesen hatte.

Als die Altstadt für mich immer unbewohnbarer wurde, bin ich weggezogen. Nicht weit. Ironie des Schicksals: An meiner neuen Adresse fühlte ich mich vom großen Ey bedroht. Glutrot wie ein Teufelsauge schien es in mein Schlafzimmer. Das hatte so gar nichts Mütterliches, eher etwas Teuflisches. Dieses EY prangt als Kürzel am Firmensitz Unternehmensberatung Ernst & Young am Graf-Adolf-Platz. Inzwischen ist es nicht mehr rot, sondern schwarz.

Großes Ey wir loben Dich“, dichtete Max Ernst 1929 zum 65. Geburtstag von Düsseldorfs mütterlicher Mäzenin, der angeblich meistgemalten Frau Deutschlands. Man kann die Mutter Courage der Düsseldorfer Malerschule ja auch gar nicht genug ehren. Immerhin: Ein Hotel hat einen Tagungsraum nach ihr benannt. Der Heimatverein Düsseldorfer Weiter verleiht an couragierte Düsseldorferinnen Mutter Ey-Medaillen. Sie ist verdientermaßen die Patronin der Altstadt, wo man ihr im neuen Andreasviertel ein weiteres Denkmal gesetzt hat. Bert Gerresheim hat es geschaffen. Dort kann man ihr jetzt auf Augenhöhe begegnen. Und es gibt dort ihr zu Ehren auch ein Café Mutter Ey, direkt am Ey-Platz an der Neubrückstraße, gar nicht weit von ihrem ersten Ausschank.

WZ-Kolumnistin Inge Hufschlag Foto: NN

Dagegen ist bestimmt nichts einzuwenden. Trotzdem stimmt es mich wehmütig beim Gedanken an das ursprüngliche Café Ey zurück, und zwar schon seit fast zehn Jahren. So lange ist das einst beliebte Café am Stadtmuseum in der Berger Straße schon geschlossen. Unfassbar: Dieses Kleinod mit Blick ins Grüne und aufs Wasser und auf eine kleine Insel. Wo sonst gibt es in der Stadt noch so einen idyllischen Ort?

In dem wunderschönen Spee’schen Rosengarten hinter dem Museum mache ich der Mutter-Ey-Skulptur von Hannelore Köhler stumme Vorwürfe, wie sie denn so tatenlos hier rum stehen und im Museum rum hängen könne, während vor ihrer Nase das einst nach ihr benannte Café vergammelt, statt in ihrem Geiste Kunst- und Künstlerfreunde zusammentrommeln zu lassen. Großes Ey, wir brauchen Dich!