Stadt-Teilchen Das Rheingärtchen ist der Gegenentwurf zu einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.

Stadt-Teilchen Das Rheingärtchen ist der Gegenentwurf zu einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.

Stadt-Teilchen Das Rheingärtchen ist der Gegenentwurf zu einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.

redakton.duesseldorf@wz.de

Es liegt ein Rauschen in der Luft. Es kommt vom Joseph-Beuys-Ufer, wo sich Blechungetüme in alle Richtungen bewegen und die üblichen Schleif- und Laufgeräusche von sich geben. Aber die verschwinden, wenn man sich nur ein paar Meter von ihnen entfernt hinhockt. Im Rheingärtchen herrscht Ruhe. Also, es herrscht nicht wirklich Ruhe, aber auf sehr besondere Weise beruhigt sich das Empfinden, wenn man sich dort auf einer der 23 Bänke niederlässt. Plötzlich lernt der Geist, unerwünschtes Gelärme auszublenden, sich zu konzentrieren auf das, was er sieht, die optische Ruhe einzusaugen, die sich vor dem Auge auftut.

Das mag an der Übersichtlichkeit dieser putzigen Grünanlage liegen, die sich zwischen Ulanen-Denkmal und Rheinterrasse erstreckt. Oder soll man besser sagen wegduckt? Ein bisschen wirkt es, als sei dieses Gärtchen, das die Verkleinerung ja schon im Namen trägt, da irgendwie zufällig hingeraten, eingequetscht zwischen Rennstrecke und Rhein, zwischen Feierstätte und Fortuna-Büdchen.

Es liegt ein besonderer Zauber über diesem Minipark, der 1928 entstand und gerade mal 5000 Quadratmeter vorzuweisen hat. Das Rheingärtchen hat drei Eingänge und zwei Skulpturen. Blickt man in der Mitte einmal nach rechts und dann nach links, hat man schon alles gesehen. Aber noch nicht alles gefühlt.

Man muss sich setzen, wenn man dieses Zaubergärtchen genießen will. Am beliebtesten sind natürlich die Bänke entlang der Rheinfront, von denen man einen atemberaubenden Blick aufs Wasser, auf die Oberkasseler Brücke und das andere Ufer hat. Aber die eigentliche Magie eröffnet sich erst, wenn man den Blick nach innen wendet und sich den Strukturen des Gärtchens widmet. Alles hier ist klar geordnet. Akkurate Winkel und feine Symmetrie bestimmen hier die Ansicht. Rechtecke und Quadrate ordnen die kleine Welt, und sie ordnen auch den Geist.

Auf einmal herrscht Ruhe im Hirn. Trotz des Getöses drumherum. Böse Zungen könnten dem Gelände eine gewisse Kleinkariertheit unterstellen, aber das trifft es nicht. Es ist diese beruhigende Ordnung, die den Passanten zum Verweilen einlädt und sein Gemüt mit Übersichtlichkeit sediert.

Auf seine sehr besondere Art ist das Rheingärtchen der Gegenentwurf zu einer immer unübersichtlicher werdenden Welt. Wo man am Schlautelefon immerzu erfährt, dass gerade irgendwo im Asiatischen ein Schmetterling mit dem Flügel geschlagen hat und dadurch ein Sack Reis ins Wanken gekommen ist, funktioniert hier die Beschränkung auf die Welt, die man mit bloßem Auge erfassen kann.

Aber natürlich wäre das Rheingärtchen nicht solch eine wundervolle Stätte, würde sie dem Betrachter nicht auch einen feinen Kniff offenbaren. An ihrem nördlichen Ende nämlich gibt sie das Rechteckige kurz auf und protzt mit dem rundlichen Rund eines Brunnens, in dessen Mitte eine grünlich gefärbte Wasserkrugträgerin zur Betrachtung lädt. Sie sagt dem Geist, dass er auch mal spielen darf, dass Ordnung nicht alles ist.

Und dann noch die vielen Blüten, die Blumen, die optische Vielfalt, die den Besucher rasch abkoppelt vom Rest des Universums. Hier ist gut verweilen, hier ist gut sein. Mag das hektische Düsseldorf da draußen eine wirre Blechwüste sein, im Rheingärtchen lockt eine Oase mit optischer Erfrischung. Hier darf der Geist vom ewigen Streben ablassen, hier darf er ganz bescheiden zufrieden sein. Zufrieden mitten in der Stadt, wo geht das schon? Die Antwort ist klar: Im Rheingärtchen. Bitte besuchen. Aber nicht alle auf einmal.

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