Stadt im Wandel: Düsseldorf ist nicht, Düsseldorf wird

Stadt-Teilchen : Stadt im Wandel: Düsseldorf ist nicht, Düsseldorf wird

Wenn Geschäftsideen nicht aufgehen, wird der Laden eben dichtgemacht und Zeitungspapier in die Fenster gehängt.

Es wird viel Geld verbrannt in Düsseldorf. Am helllichten Tag fackeln sie Geld ab. Immer wieder. Manchmal mehr, manchmal weniger. Natürlich lungert niemand mit brennenden Scheinen in der Hand herum, auch steht da keine Tonne voller Geld, aus der die Flammen schlagen und winterkalten Gestalten die Hände wärmen. Vielmehr geht es um die Summen, die regelmäßig fällig werden, wenn jemand ein neues Geschäft aufmacht, einen Verkaufsladen oder ein Gastronomieangebot.

Immer wieder passiert das. Dann sind plötzlich die Scheiben mit undurchsichtiger Folie oder Packpapier verklebt, und fleißige Handwerker schleppen Zementsäcke oder andere unhandliche Sachen hinein und jede Menge Schutt hinaus.

WZ-Kolumnist. Foto: NN

Sie reagieren damit auf den Zustand, der in den Monaten vorher herrschte. Da hat ein Geschäft ganz offensichtlich nicht funktioniert. Erst lief es ja ganz gut mit den Nahrungsergänzungsprodukten oder mit den Tapas oder den Wraps oder der Änderungsschneiderei. Sogar ein lobendes Artikelchen hier und da in den örtlichen Blättern und bei Facebook oder Instagram war drin. In dem stand dann stets etwas vom Enthusiasmus der neuen Betreiber, die nun aber mit frischem Wind die Konjunkturflaute vertreiben wollten und beteuerten, dafür bis zu sechsstellige Beträge investiert zu haben.

Dazu hatten sie sich manchmal ein neues Konzept in einer anderen Stadt oder gar in Amerika oder Japan abgeschaut und hofften nun, in Düsseldorf diesem neuen Trend nacheifern zu können. Kurze Zeit hat das auch funktioniert. Da strömten die Neugierigen herbei, und für ein paar Wochen war der Laden der hippe Platz, an dem man unbedingt sein musste, wenn man in dieser Stadt wer zum Mitreden sein wollte.

Danach lief es dann noch gut, aber nicht mehr berauschend. Das konnte man aber meist prima auf irgendeinen Einfluss von da draußen schieben. Immer gab es da jemanden, der ein attraktiveres Angebot hatte, irgendein Fußballspiel, ein Stadtfest oder etwas Netflixiges im Strömungsfernsehen.

Manchmal kam danach dann noch einmal ein kleines Zwischenhoch, und die Kasse klingelte wieder. Zu oft aber flauten die Umsätze nachhaltig ab. Kluge Geschäftsleute zogen dann nach einem klaren Blick in die Kasse frühzeitig Bilanz, und kurz danach schmückten schon wieder Folien die Fenster, und Handwerker trugen erneut Zementsäcke oder andere unhandliche Sachen hinein. Man muss da keine Namen nennen, das kennt ein jeder aus seinem Viertel.

Ein paar Monate danach kreuzten dann wieder neue Betreiber auf, die nun aber mit richtig frischem Wind die Konjunkturflaute vertreiben wollten und manchmal beteuerten, dafür bis zu sechsstellige Beträge investiert zu haben.
Auch sie erzählten von einem neuen Konzept, das sie sich in einer anderen Stadt oder gar in Amerika oder Japan abgeschaut hatten. Nun hofften sie, in Düsseldorf diesem neuen Trend nacheifern zu können. Und natürlich hatten auch sie wieder kräftig investiert. Natürlich wollten sie nicht sagen, wie viel. Aber wenn man „sechsstellig“ mit Fragezeichen in die Diskussion warf, sagten sie auch nicht nein.

Es kam dann, wie es kommen musste. Das klingt traurig, aber es ist letztlich wohl auch der Lauf der wirtschaftlichen Dinge. Wo etwas wird, muss etwas vergehen. Aus gutem Grund werfen ja die Bäume im Herbst ihre Blätter ab. Damit im Frühling Platz ist für neue. Was geschähe wohl, wenn dies nicht passierte. Das Gedränge an den Ästen mag man sich nicht ausmalen.

Dazu gehört auch die Tatsache, dass man meist nur von den Gewinnern liest, dass die Verlierer des alltäglichen Wettbewerbs um die Publikumsgunst in der Regel unerwähnt bleiben, weil ja auch wieder Platz sein muss für die Porträts der nächsten Start-ups, die sich um Nahrungsergänzungsprodukte, Tapas, Wraps oder irgendeine hippe Nudel kümmern.Die Verlierer sind nur Thema, wenn es sich um Traditionsgeschäfte handelt, die sehr lange da waren, nun aber erkannt haben, dass sie im Strudel des ständigen Wandels keinen Platz mehr finden.

Man sollte deshalb mal ein Lichtlein anzünden für all jene, die es nicht geschafft haben. Man muss die Flamme ja nicht gleich mit einem Geldschein füttern.
Und danach gehen wir zu diesem neuen Laden, wo sie gerade die Folien von den Schaufenstern gezogen haben und nun dieses hippe Trend-Food anbieten.
Dort stoßen wir dann an auf die Tatsache, dass Düsseldorf eine Stadt im Wandel ist. Düsseldorf ist nicht, Düsseldorf wird. Nur wer sich wandelt, bleibt sich treu.