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Stadt berät über Entwicklung der ehemaligen Stahlhaussiedlung in Wersten Süd-Ost

Schwieriges Wohnviertel in Wersten : Werstener wehren sich gegen Müll, Vandalismus und Dealer

Ein Runder Tisch hat Ideen für die Problemsiedlung gesammelt. Erste Erfolge sind bereits sichtbar, es gibt aber noch viel zu tun.

Müll auf den Straßen, Vandalismus, Drogendeals: Im Quartier Wersten Süd-Ost, der ehemaligen Stahlhaussiedlung, gibt es seit Jahren viele Probleme. Mitte Mai haben sich Anwohner in einem offenen Brief an Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Graf (CDU) gewandt und ihn gebeten, etwas gegen die Zustände zu unternehmen. Die Lokalpolitik hat daraufhin die Stadtverwaltung um einen Zustandsbericht gebeten: Ordnungsamt, Amt für Soziales und Jugendamt sowie Polizei sollten Stellung zur Lage vor Ort nehmen und mögliche Wege für die Zukunft des schwierigen Wohngebietes aufzeigen. Erste Einschätzungen erhielten die Bezirksvertreter jetzt vom Jugendamt und vom Amt für Soziales.

Klaus Ringleb (CDU), Mitglied der Bezirksvertretung 9, vermisst noch die Stellungnahmen von Polizei und Ordnungsamt. Hier werde seitens der Bezirksvertretung aber nachgehakt. „Bei vereinzelten Gesprächen mit Anwohnern wurde bestätigt, dass die Vermüllung nachgelassen habe; es wurde aber auch berichtet, dass die Polizei deutlich seltener präsent sei. Weiterhin gibt es das Problem der Dealerei“, so Ringleb.

In dem Zwischenbericht umreißt das Amt für Soziales die Lage und Struktur des Quartiers: „Es handelt sich um einen Sozialraum mit sehr hohem sozialen Handlungsbedarf“, heißt es. Einige sozioökonomische Daten unterscheiden sich deutlich vom Stadtdurchschnitt: das jüngere Durchschnittsalter, der deutlich erhöhte Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund, die geringere Schulbildung und eine erhöhte Transferleitungsquote. Der Außendienst der Grundsicherungsstelle Süd unterstütze mit Hausbesuchen vor allem bei der ergänzenden Grundsicherung im Alter. Durch die Coronaregelungen war dieses Angebot für mehrere Monate ausgesetzt. Jetzt wurde die Hilfe wieder aufgenommen.

Das Jugendamt weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass in den vergangenen Jahren im Bereich Wersten Süd-Ost erhebliche Verbesserungen im Wohnumfeld und vielfältige Aktivitäten für die Nachbarschaft initiiert wurden. „Zum Beispiel hat der AWO-Aktivtreff neue Räumlichkeiten erhalten“, heißt es. Streetwork ist fest etabliert. Beim „Runden Tisch Wersten-Süd-Ost“ wurden im Juni Optionen besprochen. Dass der Dialog mit den Jugendlichen wichtig sei, hob ein Streetworker hervor. Die Angebote der Jugendeinrichtungen und die Sozialarbeit auf der Straße finden seit Anfang Juni wieder nach statt, zuvor hatte es auch hier eine Zwangspause wegen Corona gegeben.

Eine Beruhigung hinsichtlich Drogenkriminalität und Vandalismus sieht das Amt für Soziales auch im Zusammenhang mit der Arbeit der 2018 eingesetzten Quatiersmanagerin und der bereits im Jahr 2017 eingeführten Polizeisprechstunde sowie der engen Kooperation mit den örtlich tätigen Wohnungsgesellschaften.

Mit den Anwohnern steht Quartiersmanagerin Dorothee Linneweber häufig in Kontakt. Durch ihre regelmäßigen Sprechstunden in ihrem Büro auf der Dabringhauser Straße 24 motiviert sie Menschen aus dem Quartier, sich für den Raum vor der eigenen Haustür einzusetzen.

Gemeinsam mit Anwohnern nahm sie schon den Müll in der Siedlung in Angriff. „Wir sind gegen Sperrmüll vorgegangen, haben Blumenkübel aufgestellt bei der Aktion Bienenblumen statt Sperrmüll“, sagt Linneweber. Außerdem gibt es das Team Müll-Offensive, das regelmäßig diskutiert und Lösungen sucht. Eine ehrenamtliche Spielplatzpatin kümmert sich um eine Spielfläche, es gibt einen Anwohner, der freiwillig eine Fläche säubert. „Jetzt kam die Anregung, kleine Mietergärten auf einer Grünfläche zu starten, die zum Haus gehört.“