Sportliches Engagement für Flüchtlinge

Sportliches Engagement für Flüchtlinge

Beim Freundschaftsspiel der Sportfreunde Gerresheim am Samstag stand die Integration im Vordergrund.

Düsseldorf. So viele Flüchtlinge haben sich gemeldet, dass nicht alle gleichzeitig auf dem Platz stehen können. Die Jungs, die gerade nicht spielen, stehen am Rand und feiern ausgelassen jedes Tor und jeden guten Pass, egal von welcher Mannschaft. Auf den unterschiedlichsten Sprachen wird hier angefeuert und gesungen. Dabei wird deutlich: die Sprache und Herkunft der Spieler sind egal. Man versteht sich einfach.

Mit einem symbolischen 4:4 endet das Spiel zwischen der altersgemischten Mannschaft der Sportfreunde Gerresheim und den Spielern der Flüchtlingsheime an der Heyestraße und Manthenstraße in Gerresheim und als Ralf Borufka, Initiator des Freundschaftsspiels und Geschäftsführer der „Sportfreunde Gerresheim“, dann noch Fußbälle an die Flüchtlinge verteilt, fangen die Spieler gleich wieder an zu kicken.

„Die sind alle heiß darauf zu spielen. Und das können sie in Zukunft auch weiterhin eigenständig auf unserem Platz“, so Borufka, der bei seiner Anfrage für das Freundschaftsspiel in den Flüchtlingsheimen auf großes Interesse stieß.

Einer, der ganz besonders für den Fußball brennt, ist Enzu Conde. Der 17-Jährige aus Guinea in Westafrika ist seit acht Monaten in Düsseldorf und wartet seitdem im Flüchtlingsheim in Gerresheim auf die Genehmigung seines Asylantrags. Auf die Frage, was er sich für seine Zukunft in Deutschland wünscht, antwortet er auf französisch: „Auf jeden Fall Fußball spielen.“ Er hat Glück und kann bald voraussichtlich in einer der Jugendmannschaften der Sportfreunde Gerresheim mittrainieren.

Die Lust am Fußball ist bei den jungen Flüchtlingen kaum eine Überraschung. Zwar wird bei Diskussionen zur Flüchtlingsproblematik zunächst vorwiegend über Kapazitäten und Unterbringungsmöglichkeiten gesprochen, aber auch die Perspektive der Flüchtlinge sollte bedacht werden. Mehrere Monate bis hin zu Jahren kann die Abwicklung eines Asylantrags dauern. Etwa 60 Prozent der Anträge in Düsseldorf werden dabei genehmigt. Das Warten und die Ungewissheit einer Abschiebung können verzweifelnd sein.

Auch Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, war für die erste Halbzeit des Spiels zur Sportanlage der Sportfreunde nach Gerresheim gekommen. „Fast die Hälfte der Flüchtlinge und Asylbewerber in Düsseldorf sind minderjährig. Dabei ist doch das Schlimmste für junge Leute die Untätigkeit“, so Koch. Auch die Sportvereine könnten ihrer Meinung nach vom Potential und Talent der jungen Leute profitieren.

Vereine, die sich engagieren wollen, finden in der Flüchtlingshilfe der Diakonie eine Anlaufstelle. Oliver Targas ist zurzeit hierfür Ansprechpartner und Vermittler.

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