Sozialpädagogin hilft im Verein, um Konflikte zu schlichten

Sport : Sozialpädagogin hilft jetzt im Verein, um Konflikte zu schlichten

Im Sportverein Tusa 06 mit knapp 1500 Mitgliedern kümmert sich eine Sozialpädagogin um Eltern und Trainer.

Der Sportverein DJK Tusa 06 in Flehe geht neue Wege. Er will Sozialarbeit im Verein etablieren — ähnlich wie in Schulen die Schulsozialarbeit. Eine Sozialpädagogin steht aktuell ehrenamtlich Trainern und Eltern als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Sie berät bei Konflikten zwischen Eltern und Trainern, hilft aber  auch mit Fachwissen weiter, wenn Trainer Auffälligkeiten bei Kindern wahrnehmen, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. In Planung ist eine verpflichtende Fortbildung für Trainer, bei der sie unter anderem für Möglichkeiten der Konfliktbewältigung, den richtigen Umgang mit sozialen Medien oder  auch für das Thema sexuelle Grenzüberschreitungen sensibilisiert werden sollen. Bisher gab es das in Düsseldorf noch nicht.

Wieso ist Sozialarbeit im Sportverein notwendig?

Der Sportverein DJK Tusa 06 zählt mehr als 1500 Mitglieder, darunter knapp 950 Kinder und Jugendliche. Sie haben mehrmals die Woche mit Trainern Kontakt, von denen sie teilweise schon mehrere Jahre begleitet werden. „Die Trainer haben noch mal einen ganz anderen Blick auf die Kinder als beispielsweise Lehrer in der Schule. Sie betreuen das Kind in der Freizeit“, sagt Gunter Bliss-Müller, zweiter Vorsitzender des Vereins. So seien sie auch nah genug dran, um Verhaltensauffälligkeiten beim Kind  frühzeitig zu bemerken. „Wenn das Kind teilnahmslos oder verstört wirkt beispielsweise“, sagt Bliss-Müller. Mit einem für solche Themen sensibilisierten Trainer könnten Probleme frühzeitig erkannt werden. Dieses Potenzial der Trainer werde aktuell aber nicht genutzt.  „Das wollen wir ändern und Vereinssozialarbeit etablieren“, sagt Bliss-Müller.

Bei welchen Problemen kann die Sozialpädagogin helfen?

Sozialpädagogin Anita Winkels hat den Vereinsvorstand auf das Thema gebracht. Ihr Mann und ihre Kinder sind im Verein aktiv. Oftmals beobachtete sie Konflikte zwischen Eltern und Trainern. „Sie werden mit ihren Missverständnissen und Konflikten allein gelassen“, sagt sie.  Auch sie selbst ärgerte sich vor einigen Jahren, dass ein Trainer  in ihren Augen zu ruppig mit einer Gruppe Bambinis umging. Gunter Bliss-Müller kennt auch die andere Seite: „Die Anspruchshaltung der Eltern ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Teilweise in einer Intensität, die unverschämt ist.“ Nicht selten ärgern sich Eltern über Trainer, die das Kind nicht spielen lassen. „Dann wird in den sozialen Medien eingefordert, mit dem gesamten Vorstand über diese Entscheidung zu diskutieren und sich über den Trainer zu beschweren. Das sind Situationen, bei denen wir jemanden brauchen, der den Druck aus dem Kessel nimmt. Eine Fachkraft“, sagt Bliss-Müller. „Meist steckt hinter solch einem Verhalten nämlich ein ganz anderes Problem“, ergänzt Sozialpädagogin Winkels.

Warum ist es nötig, die Trainer zu schulen?

Im Amateurverein erklären sich meist Eltern als Trainer bereit, weil ihr Kind Sport machen will, aber kein Trainer da ist. „So kommen viele zur Trainerlizenz“, sagt Bliss-Müller. Bei der Trainerausbildung stehe dann Taktik und Technik im Vordergrund, Themen wie Konfliktbewältigung oder Prävention kommen laut Anita Winkels nicht vor. Allein das sensible Thema Duschen stellt sie dann vor eine große Herausforderung: „Ab der D-Jugend gibt es die Ansage, dass nach dem Training geduscht werden soll. Einzelne weigern sich aber. Die Trainer wissen dann nicht, wie sie reagieren sollen“, sagt Bliss-Müller. Auch das Thema sexualisierte Gewalt ist einigen Trainern komplett fremd. „Da werden manchmal einfach ohne nachzudenken Sprüche rausgehauen“, sagt Winkels.

Wie wird das Konzept konkret umgesetzt?

Sozialpädagogin Anita Winkels steht zurzeit ehrenamtlich als Ansprechpartnerin bereit. Im Februar wird es eine verpflichtende Auftaktveranstaltung für alle Trainer geben, bei der sie sich noch einmal vorstellt und in das Thema Sozialarbeit einführt.  Danach sollen alle sechs Monate Dozenten zu verschiedenen Themen eingeladen werden. „Dafür brauchen  wir  finanzielle Unterstützung, schließlich müssen wir die Dozenten bezahlen“, sagt Bliss-Müller. Das Ziel sei es, irgendwann einen festangestellten Sozialarbeiter zu haben. „Auch die Schulsozialarbeit musste sich erst etablieren. Heute ist es völlig normal, dass eine pädagogische Fachkraft vor Ort ist“, sagt Anita Winkels. Gunter Bliss-Müller hofft auf die Hilfe der Stadt. „Wir glauben, dass die Vereinssozialarbeit Modellcharakter hat und auch andere Vereine oder Städte davon profitieren könnten.“