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Sommerwetter 2007: Sieger und Verlierer

Sommerwetter 2007: Sieger und Verlierer

Die Sonne lässt auf sich warten. Die meisten Leute jammern. Es gibt aber Menschen, denen das schlechte Wetter durchaus entgegen kommt.

Düsseldorf. Tristesse - dieses Wort trifft es wohl am besten, wenn man derzeit aus dem Fenster schaut. Der Sommer zeigt sich von seiner kühlen, nassen und grauen Seite. Alle Menschen sind deprimiert und wünschen sich endlich Sonne satt. Wirklich alle Menschen? Nein, die WZ hat mit Leuten gesprochen, die vom schlechten Wetter profitieren.

"Bei uns ist die Hölle los", sagt Norbert Kamp, Leiter der Stadtbücherei. Im Vergleich zum Vorjahr haben die städtischen Bibliotheken 20 Prozent mehr Medien verliehen. "Im Juni sind fast 400 000 Medien über die Theke gegangen."

Auch Birgit Rückwardt hat gute Laune. Sie arbeitet im Bobbolino-Indoorspielplatz in Flingern: "Bei uns ist doppelt so viel los wie sonst in den Ferien." Statt in den Zoo zu gehen, besuchten viele Familien das überdachte Spielparadies.

"Es ist schon so, dass der Regen die Leute kurzfristig in den Urlaub treibt", sagt Flughafensprecherin Sonja Schröder. Ihre Kollegin Daria Ezazi von der LTU ergänzt: "Genaue Zahlen haben wir nicht, aber es gibt mehr Buchungen. Vor allem Mallorca ist gefragt."

Im Regen hat sich mancher erkältet, was auch bei den Apotheken zu einem leichten Umsatz-Plus führt. Ulrike Müller von der Apotheke St. Martin sagt: "Grippetabletten, Hustensäfte und Nasentropfen werden zurzeit nachgefragt wie im Winter." Christina Jacobi von der Apotheke Zum Dreieck bestätigt: "Wir verkaufen mehr Erkältungsmedikamente als üblich."

"Schlechtes Wetter und gute Filme - das ist die ideale Kombination fürs Kino", findet Stephan Rottels, Theaterleiter der UCI Kinowelt. Darum freue er sich beruflich über jeden verregneten Abend.

Beim Schmuddelwetter zieht es die Leute in die warme Sauna. "Sieben Prozent mehr Besucher als im Vorjahr", sagt Ralf Merzig, stellvertretender Chef der Bädergesellschaft. Gleiches gilt für die Hallenbäder mit einem Anstieg von 8,2 Prozent.

"Sie sehen ja, es ist einfach scheußlich", meint eine traurige Kellnerin des Eiscafés Pia an der Kasernenstraße. Wo sich sonst die Leute in die Schlange einreihen, stehen sich nur die Mitarbeiter die Beine in den Bauch.

Frank Engel, Betreiber der Kasematten am Rheinufer, übt sich in Galgenhumor: "Der Regen ist doch schön, da werden meine Stühle sauber." Ernsthaft betrachtet, sei das Wetter aber schlimm für das Geschäft. "Wir haben etwa einen Umsatzrückgang um 50 Prozent. Die Leute setzen sich halt nicht in den Regen."

Schlechte Aussichten auch für den Start des Open Air Kinos in Lörick am Freitag. "Für einen Euro bieten wir Regen-Ponchos", sagt Organisator Udo Heimansberg. Außerdem gebe es auch einige überdachte Plätze. Gespielt werde bei jedem Wetter.