Sofort heißt bei der Rheinbahn jetzt wirklich sofort

Verkehr : Sofort heißt bei der Rheinbahn jetzt wirklich sofort

Das Unternehmen rechnet anders und zeigt nun kurzfristiger an, dass ein Bus oder eine Bahn kommt.

Die Zeit der Wortwitze ist vorbei. Wer in Düsseldorf bisher gewohnt war, beim Anblick des Wortes „Sofort“ auf einer Infotafel der Rheinbahn „Ach, dann haben wir ja noch drei Minuten“ zu sagen, wird dies in der Praxis nur noch im Ausnahmefall können. Die Rheinbahn hat die Berechnungen für die digitalen Anzeigetafeln verändert. Dadurch erscheint das Sofort später als bisher, der Bus oder die Bahn taucht kurzfristiger an der Station auf. „Wir haben das vor gut drei Wochen umgestellt. An einigen Stellen haben wir noch nachgeschärft, seit eineinhalb Wochen läuft es so, wie wir uns das vorstellen“, sagte Reinhard Renja, bei der Rheinbahn der Systemverantwortliche für die Fahrgastinformationsanlagen.

Um zu verstehen, wie die Rheinbahn nun rechnet, muss man zunächst ein Stück in die Vergangenheit gehen. Die Daten zu den Bussen und Bahnen sind ursprünglich mit einem analogen Funksystem übertragen worden. In diesem System gab es eine Reihe von Funklöchern. Lief es gut, übertrug das System die Daten alle 30 Sekunden, gab es ein Loch, dann wurde erst nach 60 Sekunden aktualisiert. Damit dadurch auf den Anzeigen nicht zu große Sprünge geschahen, schob das Informationssystem die Fahrzeuge virtuell weiter. Das wiederum konnte aber dazu führen, dass die Anzeige etwas anzeigte, dass sich nicht einhalten ließ, weil auf der Strecke etwas passiert war.

Das digitale Funksystem, das es inzwischen bei der Rheinbahn gibt, liefert deutlich mehr Daten in deutlich kürzeren Abständen. Für jeden Bus und jede Bahn alle 15 Sekunden plus eine Information, wenn ein Fahrzeug eine Haltestelle verlässt. Dadurch werden die Prognosen präziser.

In der Qualitätsoffensive, die der Rheinbahn-Vorstand ausgegeben hatte, war die Fahrgast-Information eines der Handlungsfelder. Die zuständige Arbeitsgruppe hat sich deshalb mit der Frage beschäftigt, welche Information die Fahrgäste an der Haltestelle erwarten. Dabei stellten die Beteiligten fest, dass sich der bis dahin angezeigte Zeitpunkt auf die Abfahrt einer Bahn oder eines Busses bezog. Die Kunden erwarten aber, dass sie erfahren, wann ein Fahrzeug ankommt. Dadurch hat sich die dargestellte Zeit zusätzlich verändert.

Und es gab noch eine dritte Änderung, die zum neuen Zeitgefühl beigetragen hat: Der Sprung von „1 Minute“ auf „Sofort“ setzt nicht 60 Sekunden vor dem errechneten Zeitpunkt ein, sondern 40 Sekunden. Dann ist das Fahrzeug entweder schon zu sehen oder kommt sehr bald ins Blickfeld. Ähnliches gilt beim Sprung von „2 Minuten“ auf „1 Minute. Dieser erfolgt 1:40 Minuten vor Eintreffen eines Fahrzeugs.

Im Ergebnis könnte der Rheinbahn damit ein psychologisch günstiger Trick gelingen. Bisher war es so, dass eine Bahn zwar pünktlich eintraf, durch die Anzeigen aber oft das Gefühl entstand, dass der Zug sich verspäte. Da die Bahn nun kurz nach dem Erscheinen von „Sofort“ tatsächlich eintrifft, wirkt die Rheinbahn plötzlich schneller oder mindestens subjektiv pünktlich.

Die Rheinbahn baut zu den neuen Informationen in den kommenden Wochen neue Anzeigetafeln an folgenden Haltestellen auf:

Hauptbahnhof (vier Bushaltestellen)

Werstener Dorfstraße (Bus)

Venloer Straße (Bus und Bahn)

Uniklinik (Bus)

Schlesische Straße (Bus)

Spichernplatz (Bahn)

Marienhospital (Bus und Bahn)

Ellerstraße (Bus)