Sönke Wortmann: "Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist wieder ein Zentrum der Stadt"

Sönke Wortmann: "Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist wieder ein Zentrum der Stadt"

Den Filmregisseur zieht es wieder auf die Bretter. Im Schauspielhaus inszeniert er Vicki Baums Roman „Menschen im Hotel“.

Düsseldorf. Als Filmregisseur zählt Sönke Wortmann seit vielen Jahren zu den Großen der Nation. Man denke nur an berühmt gewordene Werke wie „Das Wunder von Bern“ (2003) oder an die historische TV-Serie „Charité“ über das Berliner Kult-Hospital, die im vergangenen Jahr zu einem Quotenknüller wurde. Ab und zu zieht es den Regisseur, der mit Frau und drei Kindern seit 15 Jahren in Düsseldorf lebt, auch auf die Bretter. Bereits 1996 landete er einen wahren Coup und Kassenschlager mit „Bullets over Broadway“ am Gründgens-Platz, damals unter Intendantin Anna Badora. Und in der ersten Saison der Ära Schulz mit „Willkommen“ (von Lutz Hübner und Sarah Nemitz). Bereits über 40 Mal wurde seine pointensichere Inszenierung im Central vor vollem Haus gezeigt und wegen der großen Nachfrage von der Kleinen Bühne auf die Große Bühne übernommen.

Foto: Thomas Rabsch

Auf diesen Erfolg hofft Wortmann auch im Fall von „Menschen im Hotel“ nach dem gleichnamigen Roman von Vicki Baum. Am 14. September ist Premiere im Großen Haus am Gustaf-Gründgens-Platz, ein Ort, an den Wortmann als Regisseur gerne zurückkehrt. Die WZ traf ihn während der Proben.

Herr Wortmann, wohnen Sie gerne in Hotels?

Sönke Wortmann: Sehr gerne sogar — aber nicht zu lange. Nach einer Woche möchte ich auch wieder nach Hause. Dann kennt man das Zimmer und das Frühstück. Grundsätzlich bin ich überwiegend beruflich in Hotels, privat eher selten.

Kennen Sie das Berliner Hotel Savoy, in dem der Roman spielt?

Wortmann: Das Savoy kenne ich, für ihren Roman hat sich Vicky Baum aber vom Bristol auf dem Kurfürstendamm inspirieren lassen, wo sie eine Zeit lang als Zimmermädchen gearbeitet hat.

Wie kamen Sie auf den Roman von Vicki Baum?

Wortmann: Ich habe „Liebe und Tod auf Bali“ ebendort im Urlaub gelesen und war von ihrem Stil so begeistert, dass ich danach sofort alles andere von ihr haben wollte — so auch „Menschen im Hotel“.

Was ist der Reiz an diesem Roman von 1929, in dem bizarre und gescheiterte Existenzen in einem Berliner Hotel aufeinandertreffen?

Wortmann: Es ist ein Reigen, ein Kaleidoskop von zeitlosen Figuren: eine alternde Balletttänzerin, eine junge Begleiterin, ein Firmenchef, ein kranker Buchhalter, ein Hochstapler und viele mehr. Zufällig trifft man sich und geht wieder auseinander. Für kurze Zeit streifen sich Lebenswege im Mikrokosmos Hotel. Es geht um Liebe, Tod und Leidenschaft.

Es gibt also keine Hauptfiguren?

Wortmann: Es ist eher ein Ensemble-Stück, technisch anspruchsvoll und mit vielen guten Schauspielern. Ich freue mich schon auf all die Möglichkeiten, die uns die Bühne im Großen Haus bietet. Die Handlung bleibt im Berlin der späten 20er Jahre.

Es ist für Sie also ein historischer Stoff?

Wortmann: Ja. In diesem Genre arbeite ich ganz gerne auch im Filmbereich, wie bei „Die Päpstin“ oder der Serie „Charité“. Ausstattung und Kostüme vermitteln gleich eine sehr besondere Atmosphäre.

Warum machen Sie denn keinen Film aus Vicki Baums Roman?

Wortmann: Theater interessiert mich bei dieser Geschichte mehr, außerdem gibt es ja schon zwei Filmfassungen, eine von 1932 mit Greta Garbo, die andere von 1959 mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe.

Was halten Sie vom Medium Film auf der Theaterbühne?

Wortmann: Das versuche ich, wenn es geht, zu vermeiden. Furchtbar finde ich, wenn Videokamera-Männer über die Bühne laufen und die Live-Handlung auf eine Leinwand projizieren. . .

Werden Sie demnächst häufiger Theaterregie führen?

Wortmann: Mal gucken, ob mich einer fragt. Jetzt arbeite ich sehr gerne hier in Düsseldorf, auch weil sich das Haus nach langer Krise wieder gefangen hat. Es ist unglaublich, wie Intendant Wilfried Schulz und seine Leute das Schauspielhaus wieder zu einem Zentrum der Stadt gemacht haben.

Sie leben seit 15 Jahren mit Ihrer Familie in Düsseldorf. Warum zogen Sie hierhin?

Wortmann: Die Stadt ist nicht zu klein und nicht zu groß und bietet mir alles, was ich brauche: einen Fluss, einen Flughafen, einen Bundesliga-Verein, viel Kultur, die Oper, tolle Museen und auch die Nähe zu Holland.

Wann haben Sie Ihren letzten Film gedreht?

Wortmann: Vergangenes Jahr. „Der Vorname“ ist die deutsche Adaptation der französischen Komödie von Alexandre De La Palettière und Matthieu Delaporte, unter anderem mit Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz und Caroline Peters. Kinostart ist Mitte Oktober.