So waren die drei Fragezeichen im Rather Dome in Düsseldorf

Live-Hörspiel : Begeisterung bei den drei Fragezeichen im Rather Dome in Düsseldorf

Die Sprecher, die die Hörspiele seit 40 Jahren vertonen, gastierten im Rather Dome.

Als drei Männer mittleren Alters die Bühne im ausverkauften Rather Dome betreten und die bekannte Intromelodie erklingt, könnte die Begeisterung größer nicht sein. 9500 Zuschauer vom Kindesalter bis Mitte 50 tragen Fanshirts, halten CDs in der Hand und wirken mitunter aufgeregt. Auf der Bühne begrüßen sie nicht etwa eine Boyband oder einen umschwärmten Singer/Songwriter, sondern nicht weniger als die Idole vieler Kinder und mittlerweile Erwachsener: die drei Fragezeichen.

Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sprechen die drei Hobbydetektive der beliebten Jugendkrimiserie seit nunmehr 40 Jahren. Bekannt sind die Geschichten aus Büchern, aber fast noch bekannter sind die Hörspiele, von denen bis heute über 50 Millionen verkauft wurden. Zum Jubiläum luden die Hörsprecher am Donnerstag zum Live-Hörspiel in den Rather Dome ein. Die Folge „Die drei ??? und der dunkle Taipan“ ist die mittlerweile fünfte Tour und wurde eigens für die Bühne geschrieben.

In der neusten Geschichte um das Detektivtrio lässt ein Fall zunächst auf sich warten. Während Justus Jonas schon beginnt, sich Sorgen zu machen und mit der Langeweile kämpft, werden die drei von einer alten Bekannten um einen Gefallen gebeten. Als dann auch noch ein anonymer Anrufer aus dem Gefängnis um Hilfe bittet und den Fragezeichen ein Rätsel aufgibt, ist der Auftakt zum Fall perfekt, an dessen Ende für Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews Lebensgefahr besteht.

Neben den drei Hauptfiguren gibt es noch weitere Sprecher, Musik und Geräusche kommen teilweise vom Pult des Sounddesigners, teilweise vom Geräuschemacher Jörg Klinkenberg. So wird etwa das Schreiben mit einem Stift durch das Kratzen von Kreide auf einem Stück Plastikrohr hergestellt. Schritte auf Sand vertont Klinkenberg, indem er in rhythmischen Bewegungen auf einen gefüllten Stoffbeutel tritt, und Telefongeräusche funktionieren – ganz klassisch – über die Betätigung eines Drehscheibentelefons.

Dass das Team bereits Erfahrung auf der Bühne hat, wird auch in der Show deutlich. Neben der Musik wird durch verschiedene Lichteffekte und Nebel Spannung erzeugt. „Ich hatte erwartet, da würden drei Männer unter einem Lichtkegel an Mikrofonen stehen und eine Geschichte erzählen“, sagt Zuschauer Thorben Südstein (27) verwundert. Die Geschichte ist spannend, humorvoll und mitunter gruselig. Für jüngere oder ängstliche Zuschauer möglicherweise etwas zu sehr.

Das Publikum bekommt auch einen Eindruck, wie die Arbeit hinter den Kulissen im Tonstudio aussehen muss. So sprechen Rohrbeck, Fröhlich und Wawczeck nicht einfach ihren Text, sie gestikulieren dabei, sehen sich an und reagieren auf das Gesagte der anderen Figuren. Wenn verdeutlicht werden soll, dass eine Figur den Raum verlässt, wechselt sie zu einem Mikrofon an anderer Stelle der Bühne. Sehr gut einstudiert scheint die Zusammenarbeit mit dem Geräuschemacher. Wenn Rohrbeck alias Justus Jonas ankündigt, auf sein Fahrrad zu steigen, ertönen sofort Pedalgeräusche und Fahrradklingeln, und wenn Sprecherin Katrin Fröhlich als wütende Kuratorin den „Raum“ verlässt, ist das Geräusch ihrer Schritte exakt synchron mit dem der Steppschuhe auf einer Steinfliese von Jörg Klinkenberg.

Und zum großen Finale bewegen sich die Sprecher sogar komplett von ihrem statischen Platz weg und zeigen spätestens jetzt, dass die Berufsbezeichnung Synchronsprecher zu kurz gefasst ist. Sie sind ebenso Schauspieler. Und sie agieren mit großer Spielfreude.

Immer wieder gibt es Anspielungen auf vergangene Folgen und bekannte Figuren. Zuschauer ohne Vorerfahrungen können der Handlung aber beinahe ebenso gut folgen. Außerdem wird die vierte Wand durchbrochen, als sich die Detektive darüber beschweren, in einem Computerspiel der Kultreihe von fremden Sprechern gesprochen worden zu sein. Und auf die Frage „Wie alt seid ihr eigentlich?“ antwortet Bob-Sprecher Fröhlich: „Wir sind 16. Und das seit 40 Jahren.“ Dass die Fans auf ihre Kosten kommen, ist unübersehbar. Wenn ein Rätsel gelöst wird, bricht enthusiastischer Applaus aus und wenn die Sprecher einen besonders schweren Satz gemeistert haben, wird auch dies anerkannt.

Durch die große Nachfrage gibt es einen Zusatztermin in Düsseldorf, am 28. März 2020 im Rather Dome. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.