So war der Rhine Clean Up am Rhein in Düsseldorf-Oberkassel

Umweltschutz : So war der Rhine Clean Up am Rhein in Oberkassel

Bei dem Aktionstag Rhine Clean Up reinigten deutlich mehr Freiwillige das Flussufer. Wir haben Nele Ulber, Ann-Christin Lehnert und Gabriel Reichart begleitet.

Nele Ulber wird wütend, wenn sie Müll mitten in der Natur herumliegen sieht. Wenn sie zum Baden an einen See fährt, hat sie daher meist eine Tüte dabei, um gleich noch ein wenig sauber zu machen. Dass sie am Samstag beim Rhine Clean Up dabei ist, stand für sie daher außer Frage. Die 22-Jährige kommt aus Kleve und nutzte die Zeit ihres Besuchs in Düsseldorf, um mit Freundin Ann-Christin Lehnert, mit dem Krefelder Gabriel Reichart und Hund Yoda rund um die Rheinkniebrücke in Oberkassel loszulegen. Helfer vor ihnen hatten schon die Wiesen intensiv durchkämmt, doch fanden sie auf Schritt und Tritt noch jede Menge.

Deutlich mehr Gruppen waren diesmal unterwegs, das Thema Müll interessiert mehr Menschen als noch im Vorjahr. Die Veranstalter der Aktion Rhine Clean Up sprechen Städte und Kommunen von der Quelle bis zur Mündung des Rheins an, rufen einen Tag zum Sammeln auf. Über 20 000 Tausend Helfer und somit doppelt so viele wie im Vorjahr waren am gesamten Fluss aktiv. Die Müllmenge lag in diesem Jahr bei rund 170 Tonnen, das sind in Relation zu 2018 etwa 100 Tonnen weniger – doch das sieht der Veranstalter als Erfolg: Denn das Rheinufer sei in diesem Jahr schon deutlich sauber als noch vor einem Jahr gewesen. Und der Müll sei in diesem Jahr wesentlich kleinteiliger gewesen.

Vom Fingernagel bis zum Los findet sich alles Mögliche

Bei Ulber, Lehnert und Reichert sehen die Tüten noch ziemlich leer aus, doch das täuscht. Darin fanden sich schnell Hunderte von winzigen Überresten. Mit geschärftem Blick gingen die Helfer los, um zwischen Gras, Kieseln, Disteln und den Hinterlassenschaften von Schafen und Hunden zu entdecken, was dort nicht hingehört. Da glitzerte es beispielsweise hell in der Sonne – kein Stein, sondern ein künstlicher Fingernagel, wie sich schnell herausstellt. Oft finden sich jedoch Glasscherben oder auch Reste eines kaputten Spiegel.

Von den Gegenständen her schließen die drei auf die Geschichten dahinter. „Konfetti, Reste von Losen und Kabelbinder, die könnten von der Kirmes stammen“, sagt Reichert. Plastikbesteck, Kronkorken und Alufolie verweisen auf Grillpartys. Manche Plastikreste führen sie auch auf die Feuerwerke am Rhein zurück.

Vieles lässt sich aber auch gar nicht mehr zuordnen: Stofffetzen, Fasern und Schnipsel in allen möglichen Farben, mal grell glänzend, mal wegen gedeckt grüner oder brauner Farbe kaum von der Natur zu unterscheiden. Manchmal haben sich Scherben schon fest in der Erde zwischen Gräsern und Wurzeln vergraben, sind mit den behandschuhten Händen gar nicht mehr zu greifen. Dann ziehen sie lieber weiter, um nicht unnötig Zeit zu verlieren, kümmern sich mit Elan um das, was mit dem Wind schnell in den Fluss fliegen könnte – und damit langfristig auch ins Meer.

Die Helfer setzen darauf, viel Aufmerksamkeit zu erregen

„Alles, was nicht in den Rhein und somit auch nicht ins Meer gelangt, ist wichtig“, sagt Reichert. Von Kleve und Krefeld kennen die Freunde noch ganz andere Ausmaße, mit Fernsehern, kaputten Luftmatratzen, Einkaufswägen an Kanälen und Seen – doch dass die Meere nicht noch mehr vermüllen, das zählt für sie ganz besonders. Deswegen finden sie die Aktion am Rhein auch gut – insbesondere mitten in der Stadt. Von der Brücke aus fallen die vielen Menschen mit ihren Tüten, die mit Handschuhen und vielfach auch mit Greifzangen unterwegs sind, sofort auf. „Das ist ein Statement, macht auf die Situation aufmerksam, bringt vielleicht zum Nachdenken“, sagt Ulber.

Sie stört sich daran, dass viele so achtlos seien, sich gar nicht dafür interessieren, was mit dem passiert, was sie in die Natur werfen. Die vielen Teilnehmer sind für sie ein gutes Zeichen.

Den dreien gefällt daher, dass das Rhine Clean Up nicht nur in Düsseldorf, sondern den ganzen Rhein entlang stattfindet, um so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen, und zwar bei allen Altersstufen. Dass auch Kinder mithelfen, finden sie gut. Für sie kann man gar nicht früh genug lernen, dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll. Und sie selbst sind bei der nächsten Aktion auf jeden Fall wieder dabei.