1. NRW
  2. Düsseldorf

So war der Auftritt von Ute Lemper in der Düsseldorfer Tonhalle

Liederabend : Ute Lemper nahm sich in der Tonhalle Düsseldorf viel vor

Auch Kurt Weills eher sperrige „Sieben Todsünden“ kamen beim Liederabend auf die Bühne.

Einiges hatte sich Ute Lemper am Freitagabend in der Tonhalle vorgenommen. Eine Reise zurück in die 1930er Jahre und die Nachkriegszeit sollte es werden. Begleitet wurde die seit vielen Jahren in New York lebende Sängerin und Tänzerin dabei von der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Antonella Manacorda.

Die Lemper lies den Musikern Raum, sich dem Publikum mit der „Kleinen Sinfonie op. 29“ von Hanns Eisler vorzustellen. Erst nach einer guten halben Stunde betrat sie dann selbst die Bühne.

Zwei Drittel des rund dreistündigen Abends widmete sich die gebürtige Münsteranerin Kompositionen und Liedern, die – wie sie es beschrieb – „zwischen den Zeiten, zwischen den Welten, auf der Suche nach Identität und neuer Heimat“ entstanden sind. Darunter Kurt Tucholskys Anti-Kriegs-Poem „Der Graben“ und Friedrich Hollaenders „Wenn ich mir was wünschen durfte“.

Es blieb eine gewisse Distanz zwischen Sängerin und Publikum

Obgleich Ute Lemper zwei Anekdoten über Marlene Dietrich einstreute – etwa wie Regisseur Billy Wilder die Diva nach Kriegsende überredete, mit ihm von Hollywood in ihre alte Heimat zu reisen, um Drehorte für seinen neuen Film zu finden und die beiden über das zerstörte Berlin flogen, was wiederum Hollaender zu seinem „Ruins of Berlin“ inspirierte – blieb zwischen Künstlerin und Publikum eine gewisse Distanz, die sich einfach nicht überbrücken lies. Vielleicht lag es auch daran, dass Ute Lemper die Menschen unten im Saal nicht einmal über den ganzen Abend hinweg direkt ansprach, sondern die kurz gehaltenen Ansagen nur vortrug. Das wirkte irgendwie aus der Zeit gefallen, wie auch ihre theatralische Darbietung von Kurt Weills „Die sieben Todsünden“. Den ersten Teil ihres Programms erweitere die 56-Jährige anders als angekündigt um Chansons von Jacques Brel. Hätte sie es dabei belassen, wäre der Abend eine runde Sache geblieben.

Doch es sollte ja auch eine Aufführung der „Sieben Todsünden“ geben. Ursprünglich als Ballett angelegt, beließen es Ute Lemper und die Kammerakademie Potsdam, unterstützt durch den Männerchor Hudson Shad, bei einer rein musikalischen Darbietung. Die erwies sie aber als schlichte Aneinanderreihung der sieben Stationen der Reise einer Protagonistin, deren gespaltene Persönlichkeit (Anna I und Anna II) aus Lempers Interpretation nie ganz klar herauszulesen war. Sicher ist es interessant, ein so selten aufgeführtes Stück wie Weills „Die sieben Todsünden“ wieder auf die Bühne zu bringen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Rahmen eines Liederabends für die Aufführung eines eher sperrigen Stücks so passend gewählt war.