So wächst das Grün im Kö-Bogen

So wächst das Grün im Kö-Bogen

Bald startet die Bepflanzung der Einschnitte in der Gebäudefassade. Das Grün wird mit unglaublichem Aufwand gepäppelt.

Düsseldorf. Diese Einschnitte sind der Clou: Als Daniel Libeskind 2008 seine Ideen für die Neubauten auf dem Jan-Wellem-Platz vorstellte, bekam er auch deshalb den Zuschlag, weil sein Entwurf auf den benachbarten Hofgarten reagiert: Seine Gebäude holen gleichsam ein Stück Park ins Haus. Denn die Einschnitte in der Fassade sollen begrünt werden und so einen ungewöhnlichen Übergang zwischen Natur und künstlich geschaffener Lebenswelt herstellen.

Klingt ambitioniert — und ist es auch. Das zeigte sich am Freitag bei der Vorstellung des konkreten Pflanzkonzeptes. Dabei zeigte sich: Es bedarf eines geradezu fantastischen Aufwandes, um die Natur ins Haus zu zwingen. Denn die Fassadeneinschnitte bieten denkbar ungünstige Bedingungen: Es gibt dort keine Sonne (weil Nordseite) und kein Regen (weil unterm Dach).

Damit es trotzdem grünt und blüht, fährt der Düsseldorfer Landschaftsplaner Sebastian Fürst jede Menge Technik auf. Für die Bewässerung der Pflanzenkübel etwa sind Steuergeräte, Kompressoren und viele Schläuche notwendig. „Heizelemente sorgen dafür, dass die Pflanzen im Winter nicht erfrieren“, erklärt Fürst. Und: „Es gibt Verankerungen, damit der Wind nichts runter weht.“ Damit noch nicht genug: Es wird auch eine künstliche Beleuchtung geben, um das fehlende Sonnenlicht zu ersetzen.

Gesteuert werden die Systeme durch elektronische Fühler — und für die Wartung müssen tatsächlich Fassadenkletterer anrücken: Da man die Fenster zu den Einschnitten nicht wird öffnen können, muss das Personal von außen kommen. Um die Wartungsbühnen zu erreichen, auf denen die Pflanzkübel stehen, sind professionelle Kletterkünste vonnöten. „Die bewegen sich am Seil wie Bergsteiger“, erklärt Bauherr Stefan Mühling.

Er ist davon überzeugt, dass es sich trotz des Aufwandes um ein „nachhaltiges“ Projekt handelt. Die Kosten für den Einbau der gesamten Anlage liegen immerhin „knapp im siebenstelligen Bereich“. Über die laufenden Kosten sagt Mühling nur so viel: „Das sind keine Zahlen, die uns Kopfschmerzen machen werden.“ Der Aufwand falle im Verhältnis zu den gesamten Betriebskosten nicht weiter ins Gewicht.

Insgesamt gibt es in den Gebäuden fünf Einschnitte, drei an der Hofgarten-Seite und zwei zur Kö — nachts sollen sie illuminiert werden. Die Pflanzen hat Sebastian Fürst so ausgewählt, dass zu jeder Jahreszeit etwas zu sehen ist: Es wird einige immergrüne Arten geben, dazu spezielle Sorten, die zu unterschiedlichen Zeiten Farbtupfer ins Grün bringen.

Im Winter etwa Winter-Jasmin, im Frühjahr Schneeglöckchen und Flieder, im Herbst Wildrosen und im Herbst Haselnuss oder Feldrosen. „Es wird richtig Leben in der Fassade sein“, schwärmt Fürst. Und Mühling meint: „Das ist schon alles aufwändig, aber das muss man eben machen, wenn man ein gutes Ergebnis will.“

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