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So soll die Kultur in Düsseldorf auch nach der Pandemie alle Bürger erreichen

Teilhabe in der Landeshauptstadt : Kultur soll für alle Düsseldorfer erreichbar sein

Die SPD hatte zu einer Debatte in Friedrichstadt eingeladen. Dabei war auch Ex-OB Thomas Geisel – und sprach über die Oper.

Die Corona-Pandemie hat die Kultur ausgebremst. Nicht nur Künstler, Musiker, Sänger, Schauspieler, Bühnentechniker und Produzenten, sondern auch jene, die Menschen mit wenig Geld eine Teilhabe an diesen Angeboten ermöglichen. Genau dafür engagiert sich in Düsseldorf seit zehn Jahren die Kulturliste. Mit Hilfe von Spenden und Geld aus Fördertöpfen hat sie in den vergangenen neun Jahren rund 35 000 Tickets an Menschen vermittelt, die knapp bei Kasse sind oder durch andere Hürden davon abgehalten werden, ins Theater oder in ein Kabarett zu gehen. „Corona-bedingt ist die Zahl der bei uns gelisteten Menschen auf unter 1000 gesunken. Und wir haben bemerkt, dass digitale Ersatz-Angebote von denen, die bei uns registriert sind, kaum angenommen werden“, sagte Ellen Loth vom Vorstand des Vereins am Sonntag in der Jazz-Schmiede.

„Neustart Kultur gestalten“ lautete der an einem aktuellen Bundesprogramm orientierte Titel der Diskussion, zu der die SPD Friedrichstadt eingeladen hatte. Ein Thema, das auch dem im Endspurt befindlichen Wahlkämpfer Andreas Rimkus – sein Wahlkreis liegt im Düsseldorfer Süden – am Herzen liegt. „Wer, wenn nicht wir, kann Kultur und Soziales besser aufeinander abstimmen“, sagte der Abgeordnete. Gekommen war auch Düsseldorfs ehemaliger Oberbürgermeister Thomas Geisel. Kultur in ihrer ganzen Bandbreite sei ein veritables Lebensmittel, dass letztlich allen zugänglich sein müsse, betonte er. Aus seiner Sympathie für ein Fortleben des gegenwärtigen Opern-Standorts an der Heinrich-Heine-Allee machte er keinen Hehl: „Am Übergang von Altstadt, Kö und Hofgarten treffen die unterschiedlichsten Menschen zusammen, es ist ein guter Ort für den kulturellen Diskurs einer Stadtgesellschaft.“ Schaffe man dagegen eine Spielstätte, wo am Ende alles stattfinden könne, drohe die Gefahr, „dass wir ein Stück weit die unterschiedlichen Angebote in der Stadt kannibalisieren“.

Diskutiert wurde unter anderem über enorme bürokratische Hürden bei den Corona-Hilfen und bei der Beantragung von Fördergeldern. Lob gab es für Initiativen wie die des Kunstpalastes, der Nachbarschaften und Freundeskreise direkt anspreche und sogar abholen lasse. Die Kulturliste will sich nun unter anderem mit kreativen Postkartenaktionen darum kümmern, die in der Corona-Zeit verloren gegangenen Kontakte neu zu beleben. „Und wir wollen unser Angebot auf die Literatur ausdehnen und Menschen künftig auch Bücher zukommen lassen. Vorbilder aus anderen deutschen Großstädten sind vielversprechend“, sagte Christine Stender, vom Vorstand des Vereins.