Wir Düsseldorfer: So ist das Leben als Barmann in der Squarebar in Düsseldorf

Wir Düsseldorfer : So ist das Leben als Barmann in der Squarebar in Düsseldorf

Seit sechs Jahren betreibt David Rippen die Bar in Derendorf. Er versteht sich weniger auf Glitzer-Cocktails denn auf anspruchsvolle Drinks mit selbst hergestellten Zutaten.

Mojito, Daiquiri, Pina Colada oder Sex on the beach. David Rippen kennt jeden Cocktail samt Rezept. Der 35-Jährige ist Barmann, strahlend, freundlich, zuvorkommend und begleitet viele Menschen durch die Nacht.

Seit sechs Jahren betreibt der gelernte Hotelfachmann Rippen die Squarebar in Derendorf und hantiert hinter dem Tresen mit Hochprozentigem. Er versteht sich weniger auf Glitzer-Cocktails denn auf anspruchsvolle Drinks mit selbst hergestellten Zutaten.

Als Barkeeper muss Rippen diskret und nachts fit sein

Die kleine, urige Bar mit Patina in allen Ecken und unterschiedlichen Hockern ist nur 30 Quadratmeter groß. „Wenn hier mehr als 40 Gäste drin sind, wird es zu eng“, sagt Rippen. Schütteln, Rühren, Seelen trösten - als Barkeeper muss er diskret und vor allem nachts fit sein, möglichst selbst keinen Alkohol trinken und Menschen mögen, sagt Rippen.

 „Wir wollen eine Bar mit Emotion und Dialog sein. Das Wichtigste ist, dass die Gäste am Ende mit einem zufriedenen Gefühl gehen, die Drinks sind da eher sekundär.“  Wenn die Gäste kommen, nimmt Rippen sie kurz in Augenschein: „Ich versuche dann einzuschätzen, ob der Gast in Ruhe seinen Drink zu sich nehmen möchte, ob er Ansprache wünscht oder möglicherweise sogar gerne mit anderen Gästen ins Gespräch kommen will“, erklärt Rippen.

 „Ein Barmann sollte viel Fingerspitzengefühl haben, rhetorisch fit sein und mit entsprechender Mimik und Gestik agieren.“ Zu seinem Publikum zählen hauptsächlich Männer und Frauen in den Vierzigern. Während der Messen sei das Publikum oft auch international. „Wir haben hier überwiegend nette Leute, aber es gibt auch schwierige Gäste, denen man es einfach nicht recht machen kann“, erzählt Rippen. Für ausgewiesene Stinkstiefel gebe es indes wenig Raum: „Wenn in der kleinen Bar jemand ausfallend und laut wird, ist es um ihn herum sofort mucksmäuschenstill und der Randalierer steht dann alleine auf verlorenem Posten und ist ganz schnell durch die Türe.“

Und dann gebe es noch die Uneinsichtigen, die nicht verstehen, dass eine Cocktail-Bar nicht die richtige Umgebung für Babys, Kinder und auch Hunde sei. Doch er fügt verständnisvoll hinzu: „Wir werden oft falsch eingeschätzt, weil wir wohl einen gewissen Bistro-Charme haben.“

In der Squarebar reden sich die Gäste am Tresen ihren Frust von der Seele und es entstehen bei Lounge-Musik, Jazz-Klängen und schummrigem Licht viele Freundschaften und mancher finde hier auch den Partner fürs Leben, berichtet Rippen. „Hier haben sich schon Pärchen kennengelernt, die mittlerweile verheiratet sind.“ Rippen glaubt manche Gäste auch aufgrund ihrer Getränkewahl einschätzen zu können: „Eine Frau, die einen rauchigen Whiskey bestellt, steht meist mit beiden Beinen fest im Leben“, sagt er und ein Mann, der einen Manhattan oder Martini-Cocktail trinke, sei in der Regel weltgewandt.

Beliebt seien Moscow-Mule und Whiskey sour. „Die Gin-Blase ist geplatzt und einen neuen Trend kann ich noch nicht erkennen“, so Rippen. Whiskey und Rum seien dunkle und zu harte Spirituosen und daher nicht so zugänglich. „Der Vermouth ist allerdings im Kommen!“.

Ein Leben lang will Rippen kein Barkeeper bleiben

Fünf Tage die Woche mixt und serviert David Rippen Getränke, unterstützt wird er dabei von einem rein weiblichen Trio. „Das war aber keine Absicht, sondern hat sich so ergeben“, fügt er hinzu.

Ein Leben lang will er sich die Nächte nicht um die Ohren schlagen: „Vielleicht arbeite ich später mal in der Spirituosen-Industrie mit geregelter Arbeitszeit, wer weiß.“ Doch noch locke ihn die Nacht und das Abenteuer.

Squarebar, Collenbachstraße 57. Geöffnet Di bis Do und So von 18 bis 1.30 Uhr, Fr und Sa von 19 bis 3 Uhr.

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