Interview So hilft die Tafel, Essen vor der Mülltonne zu retten

Düsseldorf · Heike Vongehr, Vorsitzende in Düsseldorf, erklärt, welche Waren die Einrichtung verteilt und wo sie herkommen.

Heike Vongehr führt aus, wie die Düsseldorfer Tafel Lebensmittel verteilt.

Heike Vongehr führt aus, wie die Düsseldorfer Tafel Lebensmittel verteilt.

Foto: Michaelis, Judith (JM)

Seit über 25 Jahren verteilen die Tafeln übrig gebliebene Lebensmittel an Bedürftige. Der Düsseldorfer Verein gehört seit vielen Jahren dazu. Vorsitzende Heike Vongehr spricht darüber, welches Obst und Gemüse Betriebe wie Supermärkte überhaupt aussieben und wie sich die Mitarbeiter organisieren.

Von welchen Betrieben erhält die Tafeln ihre Lebensmittel und was genau wird dort gespendet?

Heike Vongehr: Derzeit fahren unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter jeden Morgen etwa 60 bis 80 Anlaufstellen in Düsseldorf ab, darunter die bekannten Supermarkt-Ketten und mehrere Bäckereien. Wir erhalten

vor allem Obst und Gemüse sowie Brotwaren vom Vortag, teils aber auch gekühlte Ware wie Milch, Käse, Joghurt. Nur selten ist auch Tiefgekühltes dabei, das bringen wir dann direkt weiter zu Tagesstätten, die auch die entsprechenden Gefriergeräte haben.

Wie ist der genaue Ablauf? Spenden die Betriebe alle täglich?

Vongehr: Nein, nicht jede Anlaufstelle hat täglich etwas abzugeben, daher rufen wir morgens ab 8 Uhr zunächst überall an. Wir wissen nie, was wir bekommen. Danach machen sich die Fahrer je nachdem mit vier bis sechs Autos auf den Weg, sammeln die Waren ein und bringen sie zu unseren Ausgabestandorten. Die Lebensmittel werden uns gespendet, wir geben sie kostenlos weiter an Menschen, die ihre Bedürftigkeit nachweisen.

Unter welchen Voraussetzungen nimmt die Tafel die Lebensmittel an?

Vongehr: Im Grundsatz alles, was wir selbst auch verzehren würden, also keinen Müll. Das Mindesthaltbarkeitsdatum darf noch nicht abgelaufen sein, solche Produkte dürfen wir nicht weitergeben. Obst und Gemüse sollte noch in Ordnung sein – angefaulte Tomaten beispielsweise würden wir ablehnen. Aber das wird uns auch gar nicht erst angeboten. Manchmal fragen wir uns sogar, warum einige Lebensmittel überhaupt bei der Tafel landen, warum die Supermärkte sie loswerden wollen. Sie könnten ohne Weiteres noch in den Regalen stehen.

Profitiert die Tafel von der Überproduktion? Ist sie wichtig, um Bedürftige zu versorgen?

Vongehr: Der Grundgedanke der Tafel ist genau andersherum. Wir sehen uns als Lebensmittelretter. Es ist einfach schrecklich, wie viel am Ende des Tages einfach weggeworfen wird. Das wollten wir ändern – und dabei zugleich Menschen helfen, die finanziell am Limit sind und die Lebensmittel gut gebrauchen können.