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So hat sich in Düsseldorf die Zahl der Insolvenzen entwickelt​

Wirtschaft in der Krise : Insolvenzen auf niedrigem Niveau

Staatliche Hilfestellungen im Zuge der Pandemie haben seit zwei Jahren weniger Insolvenzen zur Folge. Für die Bilanz des ersten Halbjahres 2022 war eigentlich eine Trendwende prognostiziert worden. Doch die blieb aus.

(ale) Die Wirtschaft in der Stadt zeigt sich stabiler als erwartet. Wie Creditreform Düsseldorf/Neuss mitteilt, liegt die Zahl der Insolvenzen für das erste Halbjahr weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Das hatten die Experten der Wirtschaftsauskunftei und des Inkassodienstleisters zu Beginn des Jahres anders eingeschätzt. Und diese Prognose erfolgte sogar, obwohl der Krieg in der Ukraine zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen hatte, der letztlich noch stärker steigende Energiepreise zur Folge hatte.

Die Schätzung von Creditreform ging im Februar noch von 393 Unternehmen aus, die bis Ende dieses Jahres Insolvenz anmelden müssen. Im Vergleich zum Jahr 2021 wäre das ein Anstieg um 30 Prozent gewesen. Doch in den ersten sechs Monaten blieb es bei 158 Fällen (acht Unternehmen weniger als im Vorjahreshalbjahr), was der nach 2020 niedrigste Wert für ein erstes Halbjahr in den vergangenen zehn Jahren ist. Ähnliche Tendenzen zeigen sich auf Bundes- und Landesebene.

So korrigiert Creditreform seine Prognose für 2022 und erwartet noch 296 zahlungsunfähige Unternehmen. Nach dem ersten Pandemiejahr wäre es erst das zweite Mal, dass die Wirtschaft unter der 300er-Marke bliebe. Zum Vergleich: Im Zuge der Finanzkrise waren es 2010 auch mal mehr als 600 Insolvenzen. Der Durchschnittswert liegt bei 400.

Langfristige Prognose fällt
alles andere als positiv aus

Die niedrigen Zahlen in der Pandemie waren bislang vor allem mit Hilfestellungen des Staates erklärt worden, die die wahre Lage vieler Unternehmen überdecken könnten. Jetzt ist die Frage: Ist das immer noch der Fall oder müsste der Effekt dieser besonderen Rahmenbedingungen nicht bereits spürbar abgenommen haben? Chris Proios von Creditreform tendiert zur ersten Antwort: „Die langzeitige Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die großzügige Ausschüttung von Geldern auf deutscher und europäischer Ebene verbergen, wie es tatsächlich um die Stabilität der Betriebe bestellt ist. Es ist zu befürchten, dass die wahren Folgen von Pandemie und nun auch des Krieges in der Ukraine erst mit Zeitverzug auftreten.“ Aus seiner Sicht sind die relativ wenigen Insolvenzen aktuell „jedenfalls kein Grund zur ungetrübten Freude“. Zu sehr bedrohen gleich mehrere Konjunkturrisiken gleichzeitig die Wirtschaft, sie resultieren vor allem aus anhaltender Pandemie und dem Krieg. Neben hoher Inflation sind Lieferengpässe und Materialmangel zu nennen. Hinzu kommen steigende Leitzinsen und höhere Zinsen für Kredite, die die Investitionsbereitschaft bremsen und Schulden zu einer höheren Belastung werden lassen. Den im Oktober auf zwölf Euro pro Stunde steigenden Mindestlohn müssen die Unternehmen zudem tragen.

Die langfristige Prognose fällt aufgrund all dieser Faktoren alles andere als positiv aus. „Möglicherweise wird 2022 das vorläufig letzte Jahr sein, in dem ein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen gemessen werden kann“, heißt es im Bericht von Creditreform.

Die meisten Insolvenzen von Unternehmen finden sich in Düsseldorf erneut im Dienstleistungssegment. Betroffen sind unter anderem die Bereiche Finanzdienstleistung sowie Information und Kommunikation. Auch der Handel ist besonders betroffen. Dort sind die Fälle allerdings immerhin rückläufig, das gilt auch für den Bau und das verarbeitende Gewerbe. Steigende Zahlen zeigen sich im Dienstleistungsbereich. Etwas mehr Fälle registriert Creditreform bei der Gastronomie. Beispiele sind das Restaurant Rossini und die Konaq Restaurant GmbH.