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So hat die Polizei in Düsseldorf eine SUV-Diebesbande dingfest gemacht

Bandenkriminalität : Polizei zerschlägt Autoklauer-Ring

Ende 2018 wurden 20 Geländewagen in Düsseldorf gestohlen. Nun gab es die ersten Verhaftungen.

Zwischen September und Dezember 2018 wurden in Oberkassel und Stockum 20 hochwertige Geländewagen gestohlen, bevorzugt Modelle von Range Rover. Der Polizei ist nun ein großer Ermittlungserfolg gelungen. Auf einer Pressekonferenz am Freitag berichteten die Beamten, wie der Coup geglückt ist. Die Autos hatten einen Gesamtwert von geschätzten 1,5 Millionen Euro. Alle gestohlenen Fahrzeuge hatten eins gemein: Sie verfügen über ein Keyless Go System. Mit dieser Technik kann der Nutzer sein Auto „schlüssellos“ öffnen und lediglich durch das Drücken des Startknopfes starten. Die Tür öffnet sich durch einen Keyless Go Schlüssel, in dem sich ein Chip befindet. Dieser sendet permanent Funkwellen. Ist das Auto in der Nähe des Schlüssels, lässt sich die Tür öffnen und das Auto starten. Ein herkömmlicher Schlüssel ist nicht mehr notwendig.

Diebesbanden haben sich diese Technik zunutze gemacht, um gezielt Geländewagen mit diesem System zu klauen. Dafür werden die Funkwellen, die der Schlüssel permanent aussendet, von den Tätern abgefangen.

Wie gehen die Täter vor?

Pressesprecher Marcel Fiebig, Kriminalpolizistin Martina Sandfort und Staatsanwältin Laura Hollmann erklären das Vorgehen der Bande. Foto: Joachim Hennig

Die Autodiebe suchen die Wagen auf der Straße. Wenn der Autobesitzer sich mit dem Schlüssel in der Nähe befindet, zum Beispiel in seiner Wohnung oder in einem Restaurant, haben die Täter leichtes Spiel. Mithilfe eines Keyscanners werden die Funkwellen des Schlüssels verlängert. Ein sogenannter Carscanner öffnet anschließend das Auto. Die Geräte sind nicht größer als ein kleiner Laptop und können von den Tätern problemlos in einem Rucksack oder einer Jackentasche mitgenommen werden. Die Diebe können den Wagen nun einmal starten und wegfahren. Sollte der Wagen stehenbleiben kann er ohne Schlüssel nicht wieder gestartet werden. Keyscanner und Carscanner sind „hoch spezialisiertes Täterequipment und nicht im normalen Fachhandel zu bekommen“, klärt Martina Sandfort von der Kriminalpolizei auf. Sandfort aus dem KFZ-Kommissariat hat die Ermittlungen geleitet.

Die Kriminellen fahren das Auto meist nur wenige Kilometer weit weg. Bevorzugt an einen unbeobachteten, ruhigen Ort. Dort bleibt der Wagen zunächst stehen. Nun wird das „Keyless Modul“ ausgebaut und auf einen neuen Schlüssel umprogrammiert. Anschließend wird das neue Modul wieder in den Wagen eingebaut. Um ein „Keyless-Modul“ umzuprogrammieren, braucht man schon „eine kriminelle Fachwerkstatt und technisches Know-how“, erklärt Sandfort, „das kann nicht der typische Junkie-Täter.“ Der Vorgang dauert in der Regel mehrere Tage.

Wie wurden die Täter geschnappt?

Als am 17. Dezember erneut ein SUV in Oberkassel als geklaut gemeldet wird, legt sich die Polizei auf die Lauer. Der Geländewagen verfügt über ein eingebautes Ortungssystem und kann schnell von den Beamten entdeckt werden. Er steht unter der Rheinkniebrücke am Apolloplatz. Die Beamten observieren das geparkte Auto. Am Mittag des 20. Dezembers parkt ein Auto aus Bulgarien neben dem Geländewagen. Ein Mann steigt aus, will in das gestohlene Fahrzeug einsteigen. Die Polizei schlägt zu. Der Mann und drei Komplizen, zwei Männer und eine Frau, werden festgenommen. Hinweise führen in eine Wohnung auf der Elisabethstraße in Unterbilk. Ein weiterer Bulgare wird hier festgenommen und „Täterequipment“ aus der Wohnung sichergestellt. Zwei Männer sitzen weiterhin in Untersuchungshaft. Beide sind 34 Jahre alt und haben in Deutschland keine Vorstrafen, berichtet Staatsanwältin Laura Hollmann. Es werde noch geprüft, ob Vorstrafen im Ausland vorliegen. Es wird gegen die Männer wegen erwerbsmäßigem Bandendiebstahl ermittelt. Den Tätern drohen ein bis zehn Jahre Haft.

Zehn der 20 Geländewagendiebstähle gehen mindestens auf das Konto der Bulgaren. Die Ermittlungen laufen noch. Auch neun der übrigen zehn vermissten Geländewagen konnten bereits gefunden werden. Einer war in Spanien, einer in Antwerpen. Ein dritter Wagen war in Burkina Faso. Das sei nicht unüblich. „Besonders in Asien und Afrika werden die geklauten Autos oft teurer weiterverkauft“, sagt Sandfort.

Wie schütze ich mein Auto?

Um sein Auto mit Keyless Go Technologie zu schützen, rät die Polizei dazu, den Schlüssel in einer geschlossenen Metallbox aufzubewahren. Dann können die Funkwellen nicht von Kriminellen abgefangen werden.