So grün sind die Düsseldorfer bei Autos, Flugreisen oder Abfall

Analyse : So (un-)grün sind die Düsseldorfer bei Autos, Flugreisen oder Abfall

Trotz Wahlrekord für die Grünen in der Stadt: Die Zahl der Autos und Flugpassagiere steigt. In mancher Hinsicht verhalten sich die Düsseldorfer jedoch auch tatsächlich grüner.

76 394 Düsseldorfer haben bei der Europawahl die Grünen gewählt. Das reichte für eine deutliche Mehrheit in der Stadt mit 29,2 Prozent. Das heißt, so viele Düsseldorfer wie nie haben diese Partei gewählt und stimmen für eine grünere Politik. Doch sind die Düsseldorfer eigentlich auch in ihrem Verhalten grüner geworden? Wir haben uns einige messbare Faktoren angeschaut, vor allem im Hinblick auf Mobilität in der Stadt, aber auch auf Energieverbrauch und Müllaufkommen.

Auto Klar, die Grünen stehen für einen raschen Abschied vom Verbrennungsmotor, den Umstieg auf Elektromobilität und alternative Mobilitätskonzepte, in denen das eigene Auto eine geringere Rolle spielt. Gelebt wird das von den Düsseldorfern allerdings kaum. Die Zahl der zugelassenen Autos steigt und steigt. Waren 2017 erstmals mehr als 300 000 Autos in Düsseldorf zugelassen (304 410), waren es Ende 2018 schon 307 571. Und sogar die Quote Auto pro Einwohner entwickelte sich nicht in Richtung Verkehrswende. Wir greifen hier auf die Zahlen von IT.NRW und die Fortschreibung des Zensus 2011 zurück (da die Stadt ihre Zählweise geändert hat, und so Bevölkerungszahlen im langjährigen Vergleich verzerren). Demnach kamen 2011 in Düsseldorf 274 934 Pkw auf 586 291 Einwohner, 2018 waren es 307 571 Pkw und 618 128 Einwohner. Die Quote sank also von 2,13 auf 2,01, was heißt, der Verbreitungsgrad des Autos stieg sogar leicht. Greenpeace kam in einer Studie sogar zum Schluss, dass das die höchste Pkw-Dichte im Vergleich der Großstädte Deutschlands ist. Und Check24 machte in Düsseldorf zudem noch höchste SUV-Dichte aus.

Bei der Elektromobilität tut sich übrigens nicht viel, 404 Elektrofahrzeuge sind laut Statistikamt in der Landeshauptstadt angemeldet.

Fazit: Selbst wenn die Zahlen streng genommen nichts über die tatsächlich zurückgelegten Kilometer in der Stadt aussagen: Der Autofaktor könnte kaum ungrüner sein.

Öpnv Die Rheinbahn verkauft die steigenden Fahrgastzahlen Jahr für Jahr mehr oder weniger als Erfolg, auch wenn sie zum Teil zugibt, hinter gesteckten Zielen zurückzubleiben.

Wer jedoch das Bevölkerungswachstum zu diesem Aufwärtstrend ins Verhältnis setzt, kommt auf einen überraschenden Wert. 215,7 Millionen Passagiere im Jahr 2011 stehen Ende 2018 224,8 Millionen gegenüber, ein Wachstum von 4,2 Prozent. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Düsseldorfer allerdings um 5,4 Prozent. Der einzelne Düsseldorfer fährt demnach also statistisch gesehen heute weniger Bahn.

Fazit: Der Grünenfaktor hat hier wie beim Auto eher abgenommen.

Fahrrad Einerseits baut die Stadt das Radwegenetz aus, auch auf Hauptverkehrsachsen, andererseits kam Düsseldorf zuletzt im Fahrradklima-Index des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs nicht gut weg. Im Vergleich der Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern landete Düsseldorf auf Platz 28 von 39. Dennoch: Die Düsseldorfer fahren mehr Rad, das zeigen die zahlreichen Zählstellen deutlich. 2018 registrierten sie 4,8 Prozent mehr Radler als im Vorjahr, und auch im ersten Drittel dieses Jahres stiegen die Zahlen weiter, um 3,8 Prozent. So schnell wächst die Bevölkerung freilich nicht.

Fazit: Endlich ein richtiger, grüner Faktor für die Düsseldorfer. Vielleicht werden die vielen Autos in der Stadt ja doch ein wenig häufiger stehen gelassen.

Flugzeug Vom Düsseldorfer Flughafen fliegen selbstverständlich nicht nur Düsseldorfer ab. Trotzdem, an der Jahr für Jahr steigenden Passagierzahl haben sie sicher ihren Anteil. Die Zahl der Fluggäste wuchs von 2009 bis 2018 von 17,79 auf 24,28 Millionen. Immerhin gibt es kaum mehr Flugbewegungen und im Vergleich zum Vorjahr sogar weniger. Und, grüner Nebeneffekt: Mit 2,8 Millionen Passagieren reisten im vergangenen Jahr doppelt so viele mit dem Zug an wie vor zehn Jahren.

Fazit: Einen grünen Faktor beim Fliegen und dem damit verbundenen, unerhört hohen CO2-Verbrauch pro Kopf auszumachen, fällt schwer, zumal die Düsseldorfer offenbar eher mehr als weniger fliegen dürften. Von der schwedischen „Flugscham“ ist man hier noch weit entfernt.

Müll Die Düsseldorfer produzieren zwar einen Jahr für Jahr höheren Müllberg, allerdings sinkt das Müllaufkommen pro Kopf, wie das Umweltamt kürzlich in einer Bilanz darstellte. Und: In den Restmülltonnen landet sogar absolut gesehen weniger Abfall, die Zahl sank von 119 051 Tonnen auf 117 749, trotz wachsender Stadt.

Fazit: Die Düsseldorfer verstehen mehr und mehr etwas von Abfallvermeidung und leben in dieser Beziehung tatsächlich ein bisschen grüner. Beispielhaft dafür stehen etwa die drei neuen Unverpackt-Supermärkte in Düsseldorf, aber auch zunehmend alternative Verpackungsmodelle in herkömmlichen Märkten.

Energieverbauch: Die Stadtwerke messen einen im Durchschnitt sinkenden Stromverbrauch pro Kunde, und zwar um etwa zwei Prozent pro Jahr. Der Grund ist laut Sprecher René Schleucher vor allem: Energieeffizienz, etwa von elektronischen Geräten im Haushalt.

Fazit: Immerhin!

Unterm Strich muss man sagen, so richtig grün sind die Düsseldorfer noch lange nicht, schon mathematisch ist ja klar: von 414 525 wahlberechtigten Düsseldorfern haben eben 338 131 nicht die Grünen gewählt. Abgesehen davon, dass es in der Wahl um politische Richtungsentscheidungen geht, und nicht um das eigene (möglicherweise auch widersprüchliche) Verhalten. Deutlich wird auch: Wenn die Düsseldorfer grüner Leben wollen, müssen sie sich vor allem das Thema Mobilität vorknöpfen.

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