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So funktioniert der Einkaufsservice für alte und kranke Leute

Freiwilliges Soziales Jahr : So funktioniert der Einkaufsservice für alte und kranke Leute in der Coronakrise

Antonia Ressel kauft für ältere Menschen ein, sie nimmt sich auch immer ein paar Minuten Zeit für ein kleines Schwätzchen.

In vielen Bereichen gibt es Einschränkungen im täglichen Leben, verbunden mit einem Kontaktverbot. Vor allem ältere Menschen sollen nicht vor die Tür gehen, denn sie gehören zur sogenannten Risikogruppe, bei denen eine Ansteckung mit dem Coronavirus fatale Folgen haben kann. Während jüngere Menschen mit einem starken Immunsystem die täglich anfallenden Besorgungen selbst erledigen können, sollen ältere und kranke Menschen das Haus nicht verlassen, um beim Händler um die Ecke einzukaufen.

Eine Studie des Sozialamtes besagt, dass von den 62 000 Düsseldorfern, die älter als 75 Jahre sind, mehr als die Hälfte allein leben. Das Deutsche Rote Kreuz bietet mit seinen Zentren Plus und der Oberbilker Herzwerkstatt in Kooperation mit der Seniorenhotline der Stadt deshalb schon seit Beginn des Kontaktverbotes eine direkte und unkomplizierte Hilfe an. Die Mitarbeiter in den Stadtteilen bieten einen kostenlosen Einkaufsservice an, organisieren Mahlzeitendienste und stehen beratend zur Seite.

Ein kleines Schwätzchen mit Abstand ist immer drin

In Unterrath ist Antonia Ressel die „Gute Seele“ dieser Menschen. Die 22-Jährige absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Deutschen Roten Kreuz. Zumindest übergangsweise, denn bis zur Coronakrise hat sie in einer Kindertagesstätte gearbeitet, doch als die geschlossen wurde, hat sie vorübergehend gewechselt. Und die Arbeit bedeutet ihr mehr als nur Einkaufstüten von einem Discounter zu den Senioren zu schleppen. Ein kleines Schwätzchen ist immer drin, natürlich mit dem nötigen Abstand. Sie hat ihr Fachabitur im Bereich Gestaltung und Mediendesign gemacht. Doch das hat ihr nicht gefallen. „Ich möchte lieber im sozialen Bereich arbeiten, deshalb werde ich ab August meine Ausbildung als Erzieherin zu Ende bringen, die ich unterbrochen habe, um mein soziales Jahr zu absolvieren.“

Doch bevor es ans Einkaufen geht, gibt es im „zentrum plus“ erst mal ein tägliches morgendliches Briefing. Leiterin Sladjena Batinic verteilt die täglichen Aufgaben und informiert über die neuesten Entwicklungen. So hat das DRK Hygienekits von der Stadt bekommen, die den Einkäufen beigelegt werden, weil für viele keine andere Möglichkeit besteht, an Schutzmasken zu kommen. Außerdem ist Toilettenpapier eingetroffen. „Aber das wird uns nicht wirklich aus der Hand gerissen, weil es nach Kamille riecht“, sagt die Leiterin.

Entweder rufen die Menschen bei der Seniorenhotline der Stadt an und geben ihre Einkaufswünsche durch oder sie rufen direkt im Zentrum an. „Wir legen das Geld vor und die Leute überweisen das Geld oder geben uns beim nächsten Einkauf einen Überweisungsbeleg mit, den wir dann bei der Bank einreichen“, sagt Antonia Ressel. Sonderwünsche werden soweit wie möglich erfüllt, doch in der Regel sollen die Einkäufe bei einem Discounter erledigt werden. Penny und Aldi sind die Favoriten. „Die sind schon am günstigsten. Aber wenn jemand eine Glutenallergie hat, dann gehen wir zu Rewe, weil es dort die größte Auswahl bei solchen Lebensmitteln gibt. Eine Frau wollte jedoch, dass ich nach Derendorf zum Markt fahre. Doch das machen wir natürlich nicht.“ Kurz bevor es in den Supermarkt geht, werden die Empfänger aus Sicherheitsgründen außerdem telefonisch informiert, dass Antonia in etwa einer Stunde die Einkäufe bringt.

Für ihren ersten Einkauf holt sie bei der Auftraggeberin zwei Stoffbeutel ab. „Das mache ich aber nur, weil Aldi direkt gegenüber ist.“ Wieselflink läuft sie durch die Regale. „Anfangs bin ich schon etwas orientierungslos durch die Gänge gelaufen. Aber inzwischen bin ich in 15 bis 20 Minuten durch.“ Ingwer, Tiefkühlware, Obst, Käse und diverse Artikel wandern in den Einkaufswagen. „Bei Frau Prinz muss ich darauf achten, dass ich Bio-Eier kaufe, darauf legt sie großen Wert.“

Auch junge Menschen
gehören zu den Kunden

Die fast 70-jährige Dame benötigt einen Gehstock beim Laufen und ist über den Service sehr dankbar: „Früher habe ich alles selbst gemacht, obwohl ich nur sehr schlecht laufen kann. Aber der Arzt hat gesagt, dass ich zur Risikogruppe gehöre und möglichst nicht rausgehen soll.“ Dabei fehlen ihr die sozialen Kontakte so sehr, denn beim Einkaufen trifft sie sonst Hinz und Kunz. „Schließlich wohne ich schon seit fast 50 Jahren in Unterrath.“

Antonia bleibt noch etwas im Treppenhaus stehen und unterhält sich mit der Frau. „Manchmal dauert das, bis ich hier wieder wegkomme, aber ich sehe, wie sehr ihr das gefällt. Und ich freue mich natürlich auch über ein positives Feedback.“

Ihr nächster Kunde ist ein junger Mann Anfang 30. Der lässt Antonia ziemlich freie Hand beim Einkaufen. „Er stellt gerade seine Ernährung um und er bestellt dann Gemüse und ich kann entscheiden, was auf den Teller kommt.“ Eine Forelle, Kartoffeln und diverse andere Dinge wandern auch noch in den Einkaufswagen. Der junge Mann möchte seinen Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen: „Mir ist das sehr peinlich, dass ich auf diesen Einkaufsservice zurückgreifen muss, aber ich leide an einer Störung des Immunsystems und eine Infektion würde mich wahrscheinlich umbringen.“ Und beim Lieferservice kann der angehende Audio-Designer auch nicht ordern. „Ich bin noch in der Ausbildung, da würde ich mich arm bestellen.“ Hinter jeder Lieferung steckt meist auch ein Schicksal, das bewegt natürlich auch Antonia.