So arbeiten die Düsseldorfer Schulen mit Smartboards - und ohne Kreide

Schule : Die Kreidetafel hat in Düsseldorfer Schulen ausgedient

Die klassische Tafel wird vom analogen Whiteboard verdrängt. An einigen Schulen sind sogar digitale Smartboards im Einsatz. Lehrer schätzen die Möglichkeiten, kritisieren aber auch das instabile Internet.

Sie quietscht und verteilt ihre Spuren großzügig auf dunkler Kleidung. Sehr viel Gutes kann Schulleiter Berthold Pütz der Kreide nicht abgewinnen. Zunehmend erleiden auch seine Kollegen eine „Kreideallergie“ und wenden sich den Whiteboards zu, die mittlerweile in den meisten Klassenräumen stehen. Sie werden wie die klassische grüne Tafel genutzt, nur eben mit einem Stift statt mit Kreide. Und sind, wie der Name schon sagt, weiß. Deshalb dienen sie auch als Projektionsfläche für ein weiteres Medium, das mittlerweile in der Schullandschaft zur digitalen Standardausstattung gehört: dem Beamer.

Rund 500 digitale Smartboards sind in Düsseldorf im Einsatz

Darüber hinaus verfügt die Derendorfer Realschule über drei digitale Tafeln. Insgesamt sind rund 500 solcher sogenannter Smart- oder Activeboards in ganz Düsseldorf im Einsatz. Etwa 5000 Euro kostet die interaktive Schultafel in der Anschaffung und soll mindestens fünf bis acht Jahre lang halten.

Lehrerin Lucia Krohn erläutert, wie die interaktive Tafel im Erdkundeunterricht genutzt wird: „Die Kinder haben ein Lieblingsspiel. Es heißt „Wo ist was?“ Die Kinder müssen Fragen beantworten und eine Landkarte nach und nach aufdecken.“ Die Motivation der Schüler ist hoch, sie arbeiten konzentriert mit, jeder möchte nach vorne an das Smartboard gehen und einmal „wischen“. Sogar der Pausengong wird überhört. Schülerin Eliana ist begeistert: „Die Arbeit mit dem Smartboard ist toll. Noch schöner ist es, dass wir so viel Neues von der Welt erfahren können.“

Vor allem für die Lehrer ist die Umstellung von Kreidetafel auf Smartboard, der Einsatz von iPads, Lernplattformen oder Dokumentenkameras (die moderne Version von Overheadprojektoren) eine Herausforderung. Die Bezirksregierung unterstützt mit Fortbildungen, setzt Medienberater ein, die die Schulen besuchen.

Regenbogenschule wird erste kreidefreie Grundschule

Anke Schäfer, Schulleiterin der Regenbogenschule, ist von den Vorteilen der interaktiven Tafel überzeugt und wird den konservativen Vorgänger schon bald komplett los sein: Die Grundschule zieht zum kommenden Schuljahr in einen modernen Neubau. „Und dann wird die Regenbogenschule Düsseldorfs erste komplett kreidefreie Grundschule“, sagt die Schulleiterin stolz.

Warum sie das so freut, macht sie an einem Beispiel aus dem Unterricht deutlich. „Ich fragte die Kinder vor kurzem, wie denn wohl die Spannweite eines Distelfalters sei. Ich schaute in ratlose Gesichter“, erzählt sie. „Mit einem Smartboard hätte ich sofort ein Bild online abrufen, sogar ein Video abspielen können.“ Mit der grünen Kreidetafel im Rücken musste sie so aber erst einmal das entsprechende Buch heraussuchen. Ein anderes Beispiel: „Zuletzt sprachen wir im Unterricht über Ameisen, ein russisch sprechendes Kind verstand mich nicht. So stand ich da mit meinem privaten Handy und versuchte die Übersetzung herauszufinden. Mit Smartboard wäre die Frage schnell beantwortet gewesen, sogar mit Audiodatei mit der korrekten Aussprache der russischen Vokabel.“

In diesem „optimierten Classroom-Management“ sieht auch Uta Bonmann, Schulleiterin der Anne-Frank-Realschule, die Chance der digitalen Medien. Dort sind mittlerweile drei interaktive Tafeln im Einsatz, weitere sollen bald folgen. „Die Lehrkraft braucht keine CDs, keinen CD-Player, keinen Projektor, keine Folien und keine Filme mehr. Alles ist in einem Medium integriert.  Dies erleichtert ungemein die Unterrichtsarbeit“, sagt sie. Durch den Einsatz von Tablets können die Kinder ihre Ergebnisse per Airdrop an die Lehrkraft schicken. Diese kann die Ergebnisse direkt auf dem Smartboard präsentieren.

Wenn die Internetverbindung es zulässt. Denn die vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten der digitalen Medien sind abhängig von einer schnellen, stabilen Internetverbindung. Und daran hakt  es zurzeit noch an vielen Düsseldorfer Schulen, so auch an der Justus-von-Liebig-Realschule. „Wir waren schon mal wochenlang vom Internet abgeschnitten“, sagt Leiter Berthold Pütz. Erst vor einigen Tagen sei wieder einmal mehrere Stunden kein W-Lan verfügbar gewesen. Deshalb wird der Schulleiter auch weiterhin parallel auf analoge Tafel, Buch, Stift und Papier setzen. „In der digitalen Welt kann immer etwas kaputt gehen, ein Virus sich einschleichen oder das Internet ausfallen“, sagt er.

Anke Schäfer, Leiterin der zukünftigen kreidefreien Grundschule, ist auch darauf vorbereitet: „Die Tafel, egal welche, bleibt nur ein Medium von vielen anderen in der Grundschule. Wenn das Smartboard ausfällt, haben wir genügend andere Möglichkeiten, um Unterricht spannend zu gestalten. Zur Not spiele ich den Distelfalter einfach vor“, sagt sie und lacht.