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Skaterpark als Bühne für Graffiti-Szene

Skaterpark als Bühne für Graffiti-Szene

Riesen-Anlage in Eller soll keine graue Betonwüste bleiben. Politiker und Jugendamt wollen die Szene mitwirken lassen.

Düsseldorf. Etwa zehn Jahre lässt der große Skate-Park in Eller mittlerweile auf sich warten. Im Mai soll jetzt endlich die Eröffnung an der Heidelberger Straße stattfinden. Und damit die gewaltige Anlage dann nicht wie eine triste Betonwüste wirkt, soll sie möglichst bald bunt gestaltet werden. Stefan Wiedon, Sport- und Kulturpolitiker der CDU-Ratsfraktion macht sich stark dafür, dass Graffiti-Künstler im Skate-Park zeigen können, was sie drauf haben: „Ich halte das an einer solchen Stelle für einen guten Ausdruck von Jugendkultur — wenn man das Ganze wirklich gemeinsam mit den Nutzern der Anlage angeht“, sagt Wiedon. Denn denen müsse die Anlage in erster Linie gefallen — nicht Politikern oder Funktionären.

Dass ausgerechnet ein CDU-Mann das Thema Graffiti befördert, mag manchen erstaunen. Wiedon hat da keine Berührungsängste, nennt die „Wienerwand“ als gelungenes Vorbild (bei dem die Stadt Wien jungen Graffitikünstlern in etlichen Bezirken legale Flächen anbietet) und hält auch die Skater-Anlage in Eller prädestiniert für ein Crossover von Sport und Kunst. Möglichst bald nach der Eröffnung solle daher ein Workshop mit Vertretern der Skater- und der Graffiti-Szene sowie Experten der Stadt stattfinden. Die Flächen sind so groß, dass sie auch mehreren Sprayern eine reizvolle Bühne bieten können.

Die Graffiti-Szene ist interessiert: „Viel einladender können Betonflächen kaum sein“, sagt der Düsseldorfer Graffiti-Künstler Ben Mathis, „ich kann mich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, dort etwas zur Gestaltung beizutragen.“ Noch wichtiger jedoch ist, was die Skater von dem Plan halten — und da gibt es ein ambivalentes Stimmungsbild, sagt Bianca Malchin, die Vorsitzende des Düsseldorfer Vereins „GörlsRocknRoll Skateboarding“: „Manche Skater sind begeistert von Graffiti auf der Anlage, andere sagen: Bleib mir weg damit, ich will auf Beton fahren und den auch sehen.“ Sie selbst ist eher skeptisch, fände es schöner, wenn die Skate-Parcours frei blieben und nur das Drumherum auf der Anlage für Graffiti-Künstler freigegeben wird. Am schlimmsten sei es, „wenn nur einzelne Tags wild gesprüht werden, denn was daraus wird, kann man im Ulenbergpark sehen“, sagt Malchin.

Jugendamtsleiter Johannes Horn steht dem Thema Graffiti in Eller aufgeschlossen gegenüber: „Ein gutes Thema, das wir auch schon auf dem Schirm haben. Wir wollen die junge Szene bei der Gestaltung partizipieren lassen.“ Allerdings habe das nicht höchste Priorität: „Das wichtigste ist, dass die Anlage jetzt schnell fertig wird.“ Denn nicht einmal der Mai ist als Eröffnungstermin sicher, gibt Horn zu, zumal noch für acht bis zehn Tage Betonarbeiten anstehen. Der aktuelle Wetterumschwung in Richtung Frühling dürfte ihn beruhigen.

Verzögerungen und Verspätungen begleiten das Zwei-Millionen-Euro-Projekt von Anfang an. Diskutiert seit 2008, wurden vor fünf Jahren erste konkrete Pläne im Rathaus vorgelegt. Doch erst 2017 begann der Bau.