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„Silent Disco“: Tanzen, als ob niemand zusieht

„Silent Disco“: Tanzen, als ob niemand zusieht

Mit Kopfhörern im Ohr bewegte sich bei „Silent Disco“ am Samstagabend eine wild tanzende Meute durch die Altstadt.

Düsseldorf. Ein Crazy-Gefühl und pures Glück — ohne Alkohol und sonstige Beschleuniger — geht nicht? Aber klar doch! Das und noch viel mehr erlebten die Teilnehmer der „Silent Disco Walking Tour“. Hierbei zogen Trupps aus Männern und Frauen mit dem Australier Guru Dudu tanzend, lachend und laut singend durch die Altstadt. Die WZ war bei der etwas anderen Stadttour dabei — und wurde ebenfalls total süchtig!

Spaß haben und Party machen geht auch völlig nüchtern. Das beweist der drahtige Typ aus Melbourne seit einigen Jahren mit seinen Events rund um den Globus. Und so war er anlässlich des Düsseldorf Festivals zum zweiten Mal in der Landeshauptstadt. In grellorangfarbenem, hautengem Anzug und bunter Brille stand er da und erteilte über Headset Anweisungen an die etwa 50 Tour-Teilnehmer, die Kopfhörer trugen. Für Umstehende muss, was sich im Laufe der nächsten Stunde abspielte, ziemlich kurios und brüllend komisch ausgesehen haben: Leute, die mit beseeltem Gesichtsausdruck tanzend, mit den Armen fuchtelnd und laut singend umherziehen.

Zum Auftakt gab es ein wenig Happy Yoga: Beim Hüfte kreisen lassen und auf den eigenen Po klatschen, wurden Hemmungen überwunden, um schließlich in vollendeter Travolta-Pose auf dem Burgplatz da zu stehen. Blitzschnell entsteht eine Gruppendynamik. Keinem der Teilnehmer ist mehr irgendetwas peinlich.

Zu fetzigem Disco- und 80er-Sound ging es ab durch die Altstadt. An prägnanten Spots gab es von Guru Dudu lustige bis vielsagende Kommentare: So vor dem Andreasquartier. Dort angekommen, tanzten die Teilnehmer zu sphärischen Klängen im Ohr eine gute Portion „Good Vibes“. „Damit auch was Gutes draus wird“, feixte Dudu.

Ebenso wie die Passanten, guckten auch die vier Karyatiden am Kay-und-Lore-Lorentz-Platz zwischen Kunsthalle und Andreaskirche verdattert bis amüsiert: Dort gaben Leute zu Kraftwerks Hymne 50-fach den Roboter. Ab ging’s dann unter anderem durch die Schneider-Wibbel-Gasse. Altstadtbesucher wurden immer mal mit einbezogen, bekamen einen Kopfhörer aufgesetzt und fetzten ausgelassen mit. Zwischendurch bildete die Truppe mit dem tanzenden Flummi vorneweg eine Gasse, durch die jeweils Zwei hindurch tanzen. Vor dem Uerigen angekommen grölte die gesamte Mannschaft inbrünstig Queen- und Abba-Klassiker und wem es gelungen ist, alle Hemmungen zu überwunden, spielte dazu Luftgitarre.

Irgendwann ging es über das Untere Werft ausgelassen tanzend und singend an den mit Besuchern brechend vollen Kasematten vorbei in Richtung Freitreppe. Dort angekommen, stieg vor der Skyline-Kulisse und versammeltem „Publikum“ das große Finale: eine Schnecken-Polonaise, während der gesungen wird, was die Kehlen hergeben. Zurück am Burgplatz, hatte der Trupp immer noch nicht genug. Und so klang das Ganze in mehreren Zugaben aus. Danach blickte man in hochrote und glückliche Gesichter. Geburtstagskind Olga, die die Teilnahme als Überraschungs-Geschenk von Freunden bekommen hatte: „Das war super toll!“ „Total geil! Und man wird immer lockerer!“, schwärmte jemand anderes. „Das ist das Beste überhaupt. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in aller Öffentlichkeit Luftgitarre spielen werde“, sagte eine Teilnehmerin lachend. „Ist besser als Karneval!“, fand ein Anderer. „Das bringt einen so richtig in gute Stimmung! Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht hab“, schwärmt die Düsseldorferin Babette. Auch die Freundinnen Corinna aus Geldern und Bianca aus Mülheim, die sich den Schweiß von der Stirn wischen, sehen happy aus. „Oh mein Gott, war das gut und mega witzig!“ lautet deren Urteil.