Sie helfen Behinderten und Kranken beim Studium in Düsseldorf

Heinrich-Heine-Universität : Sie helfen Behinderten und Kranken beim Studium

Damit eine Behinderung oder Erkrankung im Studium nicht zum Nachteil wird, können sich Studierende der Heine-Uni an Daniela Langer und ihr Team wenden. Manche entscheiden sich wegen dieses Angebots für ein Studium an der Düsseldorfer Universität.

Ein paar Treppenstufen vor dem Eingang eines Gebäudes sind wohl das offensichtlichste Hindernis, das man sich für jemanden, der im Rollstuhl sitzt, vorstellen kann. Doch es ist nicht das einzige, auf das Studierende mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung im Uni-Alltag stoßen. Damit diese Hindernisse nicht zum Nachteil werden, gibt es an der Heinrich-Heine-Universität eine Beratungsstelle für diese Studierenden. Die Mitarbeiterinnen kümmern sich um die offensichtlichen und weniger offensichtlichen Hürden.

Denn nicht jede Erkrankung oder Behinderung ist so sichtbar wie ein Rollstuhl. An Daniela Langer und ihr Team wenden sich Studierende mit psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Angst-, Essstörungen oder Autismus, die mit einer körperlichen, Seh- oder Hörbehinderung und die mit chronischen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Diabetes, chronischen Darmerkrankungen oder Allergien. Auch Studierende, die an Krebs erkranken, können sich an die Beratungsstelle wenden. Dass es eine beauftragte Person für Behinderte oder chronisch Kranke an der Universität gibt, ist übrigens erst einmal nichts Besonderes. Denn das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Doch die Düsseldorfer Beratungsstelle ist ungewöhnlich gut besetzt. Die Beauftragte Daniela Langer hat noch zwei Sozialarbeiterinnen im Anerkennungsjahr und zwei studentische Hilfskräfte an ihrer Seite. Sie selbst arbeitet ehrenamtlich, hauptamtlich leitet Annette Verbocket die Beratungsstelle. Immer wieder höre sie, dass manche Studierende sich aus diesem Grund für die Düsseldorfer Uni entscheiden. Und dennoch weiß sie: Es gibt mehr Studierende, die Hilfe bräuchten, als sie beraten können. Von den etwa 35 000 Studierenden der HHU sind schätzungsweise elf Prozent von einer Form von Behinderung oder chronischer Krankheit betroffen.

Mal abgesehen von der offensichtlichen Türschwelle und dem Handlungsbedarf, den Daniela Langer bei der Barrierefreiheit sieht – auch eine Erkrankung kann den Uni-Alltag schwieriger und komplizierter machen. „Diabetiker zum Beispiel müssen regelmäßig den Blutzuckerspiegel überprüfen und auch häufiger zur Toilette als gesunde Menschen“, sagt sie. In einer Prüfung sei das ein Nachteil, denn sie verlieren Zeit, Zeit, die ihre Kommilitonen mehr zur Verfügung haben. Für diesen Fall kann Langer und ihr Team helfen, einen Nachteilsausgleich zu erwirken. Mehr Zeit in Prüfungen zum Beispiel.

Es kann aber auch um längerfristige Schwierigkeiten geben. Wenn die Studierenden etwa durch Krankheitsschübe oder Schmerzen öfter ausfallen. Oder wenn sie Schwierigkeiten haben, den Zeitplan, den ihre Krankheit vorschreibt, etwa dadurch, dass sie regelmäßig Medikamente einnehmen, zu bestimmten Zeiten essen oder öfter zum Arzt gehen müssen, mit dem Zeitplan der Uni zu vereinbaren. Dann coachen die Beraterinnen die Studierenden. Helfen ihnen, sich einen Plan zu machen und die verschiedenen Dinge unter einen Hut zu bringen.

Auch die psychologische Betreuung ist wichtig

Das Coaching kann aber auch in eine andere Richtung gehen. Bei Studierenden mit dem Asperger-Syndrom zum Beispiel komme es immer wieder vor, dass sie zwar überdurchschnittlich intelligent sind, dagegen aber ein unterdurchschnittliches Selbstbewusstsein haben. Hier versuchen die Beraterinnen zu stärken, an den Schwächen zu arbeiten und den Betroffenen zu vermitteln: Du kannst das.

Eine wichtige Komponente ihrer Arbeit ist es aber auch, Verständnis und Bewusstsein bei den anderen Studierenden zu schärfen. „Viele Erkrankungen sind sehr mit Scham behaftet“, sagt Daniela Langer. Sei es eine chronische Darmerkrankung oder auch eine Depression. Die Betroffenen zögern dann selbst ihre Probleme und Schwierigkeiten anzusprechen. Bei Infoveranstaltungen übernehmen das dann die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle.

„Es gibt Dozenten, die haben kein Verständnis“, sagt Langer. Auch wenn sie betont, dass das der kleinere Anteil sei. Warum muss einer länger studieren dürfen, nur weil er im Rollstuhl sitzt? Dass bei einer nicht ganz barrierefreien Universität die Wege manchmal wesentlich länger und der Stundenplan daher weniger straff sein darf, muss da manchmal erklärt werden. So mancher Professor habe einen eher linearen Karriereweg hinter sich, sei vielleicht noch wenig in Berührung mit chronisch kranken oder behinderten Menschen gekommen. Aber: „Die, die hier zu studieren anfangen, haben alle eine Befähigung, um an einer Universität zu studieren. Also auch eine Berechtigung, hier zu sein“, sagt Langer. Und sie tue eben alles, um ihnen das Studium zu ermöglichen.