Sich einmal wie ein Politiker fühlen

Sich einmal wie ein Politiker fühlen

Beim Programm „Landtag macht Schule“ nahmen Jugendliche die Plätze der Abgeordneten ein und debattierten über einen fiktiven Gesetzentwurf: die Pflicht, an Karneval kostümiert zur Schule zu kommen.

Der voll besetzte Plenarsaal des Landtags, Abgeordnete und Minister, die miteinander diskutieren und sich lautstark für ihre Ideen stark machen - all das kennen Christopher, Jan, Luca und Tobias aus dem Fernsehen. Gestern aber hatten die Neuntklässler aus Halver einmal einen ganz anderen Blick auf eine solche Szene, denn plötzlich waren sie mittendrin und saßen selbst auf den Plätzen, die sonst die Abgeordneten einnehmen. „Landtag macht Schule“ heißt das Programm der Landesregierung, bei dem Kinder und Jugendliche einmal hautnah erleben können, wie Abgeordnete arbeiten.

„Natürlich wäre es vermessen zu glauben, man könne innerhalb einer Stunde parlamentarische Arbeit komplett erklären“, sagte Thomas Schneider vom Besucherdienst des Landtags, der die Schüler begleitete. Vielmehr gehe es darum, den Mädchen und Jungen einen Eindruck zu vermitteln. Einen, der lebendiger und näher dran ist als die Theorie im Klassenzimmer.

In zwei Gruppen von je 200 Schülern simulierten Neuntklässler von Schulen aus Düsseldorf und Umgebung eine Plenarsitzung und diskutierten dabei mit verteilten Rollen über einen Gesetzentwurf. Das Mädchen, das sich nichtsahnend auf den Platz von Norbert Römer gesetzt hatte, muste kurzerhand in die Rolle des SPD-Fraktionsvorsitzenden schlüpfen. Ebenso erging es den Mädchen und Jungen, die sich auf die Plätze der weiteren Fraktionsvorsitzenden gesetzt hatten. Die übrigen Schüler wurden zu Fraktionsmitgliedern von CDU, SPD, FDP, den Grünen und der AfD, andere mimten Schulministerin Yvonne Gebauer, fraktionslose Abgeordnete, die der AfD den Rücken gekehrt hatten, Ministerpräsident Armin Laschet oder den Landtagspräsidenten André Kuper.

Im Gegensatz zu früheren Programmen des Besucherdienstes hatten die Schüler das Thema ihrer fiktiven Sitzung diesmal nicht vorher schon im Unterricht vorbereitet, sondern wurden von Thomas Schneider überrascht. Vom fiktiven Gesetzentwurf, eine Kostümpflicht zu Karneval in Schulen einzuführen, genauer gesagt. Eigene Meinungen vortragen mussten die Nachwuchspolitiker zwar nicht, in verteilten Rollen konnten sie vorgefertigte Statements der verschiedenen Parteien vortragen. Es meldeten sich aber trotzdem noch weitere „Abgeordnete“, die auch einmal ans Rednerpult des Landtags treten und ihre Ansicht kundtun wollten.

Jan, Luca, Tobias und Christopher hielten sich lieber im Hintergrund und beobachteten nur. Doch die Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums in Halver fanden die Politikstunde der etwas anderen Art trotzdem klasse. „Wir sind alle vier sowieso an Politik interessiert“, sagte Tobias (16). „Und mal im echten Landtag zu sitzen und hautnah zu erleben, wie so eine Diskussion abläuft, das war eine tolle Erfahrung.“ Er könne sich sogar vorstellen, sich später einmal selbst als Abgeordneter zu engagieren, fügte Christopher (15) hinzu. „Es ist doch großartig, wenn man selbst mitbestimmen und für seine Stadt oder Region einstehen kann.“

Thomas Schneider freute sich über die positive Resonanz der Schüler, zumal es für ihn persönlich das erste Mal war, dass er die Jugendlichen mit einem Thema überraschte. Wie die Jugendlichen reagieren und ob sie sich auf das Thema einlassen würden, wusste er nicht. „Aber es haben alle super mitgemacht und waren aufmerksam.“ Der Besucherdienst möchte nun intern darüber beraten, ob dieses Schülerprogramm fortgeführt wird.