Sensation auf dem Glashüttengelände

Sensation auf dem Glashüttengelände

Das historische Flaschenlager wurde in einem Luftschutzkeller gefunden. Jetzt gilt es, alles zu sichern.

Düsseldorf. Am Samstag herrschte Aufregung auf dem alten Gerresheimer Glashüttengelände. Mitglieder des Fördervereins Industriepfad und ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger drängelten sich in einen alten, punktuell beleuchteten Luftschutzkeller und beförderten leere, angestaubte Flaschen ans Tageslicht. Das historische Lager der Glashütte war entdeckt und sollte aus Angst vor Vandalismus schnellstens aus dem Areal an der Heyestraße abtransportiert werden.

Foto: David Young

Gaby und Peter Schulenberg, die von der Projektleiterin Gudrun Piesczek als erste informiert waren, hatten ihre Freunde zusammengetrommelt. Bernhard Kamps und Lutz Fichtner gehörten dazu. Sie sind ehrenamtliche Denkmalpfleger und zogen sich vorsichtshalber Spezialhandschuhe an. „Wir Bodendenkmalpfleger finden in Düsseldorf allenfalls einige wenige zerbrochene Stücke. Hier aber sind wir völlig überrascht von der Unmenge an Flaschen. Wir wussten anfangs nicht, wo wir anfangen sollten.“

Leonie Hoffmann holte mit ihren Helfern bauchige und runde, geschwungene und kerzengerade Exemplare aus dem Kellergewölbe. Darunter befanden sich Behälter für Cola, Puschkin-Wodka und Sinalco, Maggi und Underberg, klassische Bier- und Bügelflaschen, Labor- und Arzneimittelflaschen sowie traditionelle Einmachgläser. Sie alle trugen eine Nummer. Die dazugehörenden Listen fehlen noch. Der Entwickler Patrizia geht von 6000 bis 8000 Flaschen aus. So genau könne man das nicht sagen. Ihnen sei sehr daran gelegen, dass die Dinge schnellstens verschwinden, damit die Bodensanierung zügig abgeschlossen werden kann. Das Zählen komme später.

Projektleiterin Piesczek berichtete, wie es überhaupt zu dem Fund kam. Bei Aufräumarbeiten auf dem Gelände habe man Probebohrungen durchgeführt. Dabei stießen Bauarbeiter zwischen Wildwuchs und Teerschichten auf eine Zementplatte. Ehemalige Mitarbeiter hatten von einem Luftschutzkeller als Flaschenlager erzählt. Aber als all die alten Gebäude abgerissen waren, hatten sie keine Orientierung mehr und konnten den Standort nicht nennen.

Besonders stolz sind Historiker Peter Henkel, Architekt Niklaus Fritschi und die ehrenamtlichen Bodenarchäologen Gaby und Peter Schulenberg. Für sie ist es selbstverständlich, dass die wichtige Rolle die Glashütte als größter Flaschenproduzent der Welt an die Nachwelt überliefert wird. Ihnen gelang es, die Nachfahren der Familie Heye auf Gut Bruchhausen in Hubbelrath davon zu überzeugen, die Musterflaschen zu lagern, bis die Familien- und Wirtschaftsgeschichte auf dem Glashüttengelände aufgearbeitet wird. „Mein Traum ist ein Industriemuseum“, erklärte Fritschi.

Diesen Traum machte allerdings Projektleiterin Piesczek sofort zunichte: „Eine öffentliche Nutzung bedarf eines öffentlichen Trägers. Das wollen wir nicht haben. Deshalb ist dieser Wunsch unrealistisch. Wir bauen 1400 Wohnungen. Und wir werden auch die drei Denkmäler ins Stadtquartier integrieren.“ Mehr werde man nicht tun.