Senior fährt gern mal ohne Führerschein

Senior fährt gern mal ohne Führerschein

70-Jähriger mit langer Vorstrafenliste zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Düsseldorf. Es gibt Leute, die können das Autofahren einfach nicht lassen. So wie Rentner Hans M. (Name geändert). Immer wieder setzt sich der 70-Jährige hinters Steuer, obwohl er seinen Führerschein längst abgeben musste. Die Liste seiner Vorstrafen ist entsprechend lang: Seit 15 Jahren fällt er immer wieder wegen Fahrens ohne Führerschein oder Trunkenheit im Verkehr auf.

Im vergangenen Jahr musste er sogar sechs Monate ins Gefängnis, weil er ohne Lappen erwischt worden war. Gestern dann saß der ehemalige kaufmännische Angestellte erneut auf der Anklagebank. Er hatte gegen ein Urteil des Amtsgerichts Berufung eingelegt, das ihn zu zehn Monaten Haft verurteilt hatte.

Hans M. war im April vergangenen Jahres mit dem Wagen seiner Schwester von Kaarst nach Düsseldorf gefahren. Hier hatte ihn wohl der Großstadtverkehr überfordert. Auf der Kavalleriestraße in Bilk blieb er mit seinem Fuß am Gaspedal hängen, kam von der Fahrbahn ab und landete auf dem Bürgersteig.

Zeugen, die den Vorfall beobachtet hatten, sagten aus, dass der 70-Jährige dabei noch über zwei rote Ampeln gefahren sei. "Ich musste dringend zum Arzt", erklärte der Mann gestern. Seine Schwester hätte keine Zeit gehabt, ihn zu fahren und mit dem Bus sei es von Kaarst einfach zu umständlich. "Da habe ich dann ihren Wagen genommen."

Wochen zuvor hätten die Ärzte ihm einen Zeh am linken Fuß amputiert, deshalb hätte er auch nicht zur S-Bahn laufen können. "Inzwischen ist mein Fuß ganz taub." Der Staatsanwalt zeigte sich empört: "Mit einem tauben Fuß kann man erst recht kein Auto fahren."

Detailliert berichtete Hans M., wie schrecklich er die letzte Haftstrafe gefunden habe. "Da war ich mit Mördern, Betrügern und Dieben zusammen", sagte er. Die Berufungskammer zeigte sich deshalb gnädig und machte aus dem Urteil des Amtsgerichts eine achtmonatige Bewährungsstrafe. "Die Haft hat ihn damals sehr beeindruckt", sagte der Vorsitzende Richter.

Außerdem sei der Mann in seinem Alter besonders haftempfindlich. Aber: "Wir hoffen sehr, dass er sich künftig nicht mehr hinters Steuer setzt." Seinen Führerschein bekommt der Senior frühestens in fünf Jahren zurück.

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