Seit 60 Jahren Camper: „Komfort war damals Fehlanzeige“

Seit 60 Jahren Camper: „Komfort war damals Fehlanzeige“

Annemarie und Karl-Heinz Paumen haben ihre Urlaub am liebsten auf Campingplätzen verbracht. An ihrem Oldtimer-Wohnwagen hängen die beiden 86-Jährigen.

Düsseldorf. Auf den ersten Blick wirkt der Wohnwagen von Annemarie und Karl-Heinz Paumen etwas altbacken. Kein Wunder, der Dethleffs „Globetrotter“ ist immerhin schon aus dem Jahr 1972. Sein Alter sieht man ihm von innen aber nicht an, denn die beiden pflegen und hegen ihr altes Schätzchen. „Die Einrichtung ist komplett aus Holz, das findet man heutzutage gar nicht mehr. In all den Jahren sind der Wagen und wir zusammen Oldtimer geworden“, sagt der 86-Jährige.

Wie viele Kilometer der Wohnwagen auf dem Buckel hat, kann er nur schätzen. „Einige hunderttausend bestimmt. Wir sind durch Skandinavien und die Costa Brava rauf und runter gefahren. Auch durch die Berge hat er uns geführt und uns in all den Jahren noch nie im Stich gelassen.“ 1972 haben sie sich den Wagen im Werk in Isny/Allgäu abgeholt. 12 900 Mark haben sie damals bezahlt. Für damalige Verhältnisse war der Wagen recht modern. Er hat zwei Kochstellen, die mit Gas betrieben werden und eine Toilette. Allerdings fehlt das Badezimmer. „Das ist mit den Wagen von heute überhaupt nicht zu vergleichen“, sagt Annemarie Paumen, ebenfalls schon stolze 86 Jahre alt.

16 Jahre waren beide, als sie sich 1948 kennengelernt haben. Drei Jahre später wurde geheiratet. Mit einem Motorrad mit Seitenwagen sind sie in ihren ersten gemeinsamen Urlaub gestartet. Geschlafen haben sie in einem Zelt. „Damals konnte man noch neben der Autobahn picknicken und so ziemlich auf jeder Wiese sein Zelt aufbauen, wenn man vorher den Bauern gefragt hatte“, erinnern sie sich. Mit den Kindern ging die erste Camping-Fahrt mit dem Globetrotter zum Lago Maggiore. Die besten Erfahrungen haben sie in Großbritannien gemacht. „Dort waren die Menschen am freundlichsten. Und dort gibt es auch die schönsten Campingplätze in der Natur.“

Danach haben sie alles ausprobiert. Hotel, Ferienwohnung und geflogen sind sie auch. „Aber das war nichts für uns. Wir lieben unsere Freiheit. Außerdem können wir schnell weg, wenn es mal ständig regnet“. Zumal Karl-Heinz auch überzeugter Frühaufsteher ist. „Ich bin spätestens um sechs Uhr wach. Und wenn ich dann bis um acht mit dem Frühstück warten muss, dann bekomme ich schlechte Laune.“ Im heimischen Dormagen geht der gebürtige Düsseldorfer jeden Morgen um sechs Uhr ins Schwimmbad.

Auch die Camping-Plätze haben sich verändert. „Früher war das meistens gar nicht in Parzellen eingeteilt. Da konnte man sich hinstellen, wo Platz war.“ Strom gab es auch nicht immer. „Aber dafür war der Zusammenhalt viel stärker. Kaum jemand hatte einen Fernseher dabei und so haben alle abends draußen gesessen, sich unterhalten und gemeinsam gegrillt.“

Auch wenn die beiden irgendwann nicht mehr mit dem Wohnwagen in den Urlaub fahren können, der Dethleffs „Globetrotter“ wird nicht verschrottet. „Einer unserer Söhne wird ihn übernehmen.“

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