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Seismologe: „In jedem Jahr kommt es zu mehreren leichten Erdbeben“

Seismologe: „In jedem Jahr kommt es zu mehreren leichten Erdbeben“

In Düsseldorf sind laut Martin Hiß bislang immer bloß ein Wackeln und Vibrieren zu spüren gewesen.

Düsseldorf. Die niederrheinische Bucht, von Holland bis Bonn, zählt unter Forschern zu den aktivsten Erdbeben—Regionen in Mitteleuropa. Dr. Martin Hiß vom Geologischen Dienst verfolgt die Messdaten von 14 Stationen. Er erklärt die Gefahren für Düsseldorf und was auf die Stadt zukommen kann.

Warum liegt Düsseldorf in einer Erdbeben-Region?

Martin Hiß: Unter der Erde sind unzählige kleinere Risse und Aufwerfungen, die in steter Bewegung sind. Ausgelöst durch ein komplexes Wechselspiel aus Druck, Temperaturwechsel und Spannungen kommt es jedes Jahr immer wieder zu Beben. Allerdings sind sie so leicht, dass die meisten nur von Messgeräten erfasst werden. In der Stadt Düsseldorf sind diese nicht so häufig und stark, da es hier nicht viele Risse gibt.

Welche Gefahren bestehen für die Düsseldorfer?

Hiß: Die Beben hier sind harmlos. Auswirkungen können ein Wackeln oder Vibrieren sein. Eindeutige Vorhersagen gibt es aber nicht.

Kann es zu einer größeren Erschütterung kommen? Wie schlimm könnte sie werden?

Hiß: Aufgrund der Messungen theoretisch möglich ist ein Beben bis zu einer Stärke von 7. Das würde einstürzende Gebäude und Tote bedeuten. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings gering. Uns ist nicht bekannt, dass es in der Region jemals ein Eben dieser Stärke gegeben hat. Rund alle 100 Jahre gibt es im Westen, an der Grenze zu Holland ein größeres Beben. Das letzte war 1992 bei Roermond mit 5,9 auf der Richterskala.

Wie ist das aktuelle Beben einzuschätzen?

Hiß: Für uns war es eine Überraschung. Bislang war uns der Standort bei Erkrath als mögliches Epizentrum unbekannt. Wir können aber auch nicht jeden Riss kennen. In der Forschung bis in 20 Kilometer Tiefe, wo die Beben ihren Ausgangspunkt nehmen können bleiben zwangsläufig viele Fragen offen. Es kommen immer noch Messergebnisse herein, Geräte bis nach Rheinland-Pfalz haben Erschütterungs-Wellen aufgezeichnet.