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Schwippert und van der Rohe: Zwei Bauhausfreunde fürs Leben

Bauhaus-Serie : Schwippert und van der Rohe: Zwei Bauhausfreunde fürs Leben

In unserem letzten Teil der Bauhaus-Serie geht es um die besondere Freundschaft von Ludwig Mies van der Rohe und Hans Schwippert.

Hans Schwippert (1899-1973) konnte als Architekt des ersten Deutschen Bundestages (1948-1949) und als Direktor der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie auch nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine wunderbare und kollegiale Freundschaft zu Ludwig Mies van der Rohe (1886-1963) bauen. Diese Freundschaft begann bereits im Oktober des Jahres 1927 in Berlin im Atelier von Erich Mendelsohn und wurde nach dem Krieg, insbesondere nach dem gewonnenen Wettbewerb der Berliner Nationalgalerie durch Ludwig Mies van der Rohe, Chicago, wiederbelebt. Hans Schwippert baute zu dieser Zeit die kriegszerstörte St. Hedwigs-Kathedrale als „Mahnmal für den Frieden“ aus.

Ein Student der Baukunst aus damaliger Zeit erinnert sich: „Wenn die Sekretärin lautstark durch die Kunstakademie rief: ‚Herr Professor, bitte schnell, Chicago ist da am Apparat’, dann rannte Schwippert ins Sekretariat im ersten Stock und wusste, da ist ‚Frönt Mies‘ am anderen Ende.“ Es soll bei den Gesprächen von alten Tagen in Berlin die Rede gewesen sein und von seinen Besuchen im Atelier von Mies van der Rohe am Karlsbad in Berlin.

 Die Bauhäusler Mies van der Rohe und Hans Schwippert
Die Bauhäusler Mies van der Rohe und Hans Schwippert Foto: Bauhaus Archiv Berlin

Hans Schwippert war kurzzeitig auch Bürgermeister von Aachen

Ludwig Mies van der Rohe wurde 1886 in Aachen geboren, emigrierte 1938 endgültig in die USA, wurde 1944 amerikanischer Staatsbürger und verstarb 1969 in Chicago. Hans Schwippert unterrichtete während des Krieges als Lehrbeauftragter an der heutigen TH Aachen und hielt sich, gezeichnet durch die Kriegserlebnisse des Ersten Weltkrieges, mit kleinen Aufträgen über Wasser. Nach dem Krieg wurde er kurzzeitig Bürgermeister von Aachen.

Schwippert pflegte während des Krieges auch einen wertvollen Kontakt zu Mies‘ Schwester Maria Mies. Maria Mies betrieb ein kleines Kolonialwarengeschäft in Aachen.

„Dienstags bei Mies“ hatte es in Berliner Tagen geheißen. So traf man sich im Krieg dienstags bei Maria Mies in dem kleinen Laden. Der Glaskünstler Anton Wendling, der Bildhauer Ewald Mataré und natürlich Hans Schwippert gehörten zum festen Kreis. Zeitzeugen berichten von dichtem Rauch, angelaufenen Fensterscheiben, und erregten Diskussionen, die da dienstags noch am späten Abend aus dem kleinen Laden drangen. Die Freunde um Mies versammelten sich hier regelmäßig. Alle waren leidenschaftliche Raucher. ‚Frönt Mies‘ versorgte sie so gut es ging mit Rauchwaren und noblem Whisky aus dem fernen Amerika.

1959 kam Mies zu Schwipperts 60. Geburtstag nach Düsseldorf. Hans Schwippert und seine engsten Mitarbeiter holten ihn am Düsseldorfer Flughafen ab, der noch von den Spuren des Krieges gezeichnet war.  Anschließend fuhren beide nach Aachen trafen auf Anton Wendling im Quellenhof und dann ging es weiter nach Berlin. Mies begann gerade mit dem Bau der Nationalgalerie und Schwippert baute den Innenraum der kriegszerstörten St. Hedwigs-Kathedrale wieder auf.

Der gelernte Maurer im Betrieb des Vaters in Aachen, Mies van der Rohe, erhielt seine prägende Haltung schon früh, wie erwähnt, im Atelier von Peter Behrens in Berlin. Ab dem Jahr 1910 arbeitete er mit an dem Gestaltungsimperium der AEG, wonach die „Einheit und Würde der Form“ sein weiteres Leben als Architekt bestimmen sollte. Mit dieser Haltung traf er den Nerv seines zwölf Jahre jüngeren Freundes Hans Schwippert, den hochgebildeten Lehrersohn, ebenfalls im Rheinland beheimatet.

Das Form- und Materialgefühl, die einfache Gesetzmäßigkeit, die Schule von Friedrich Schinkel, die universale Form, Kreis und Quadrat. Sie verstanden sich letztlich als klassische Erneuerer, jeder auf seine Weise, eben wie Bauhäusler.

Die Freundschaft zeigt sich auch in den Werken der Bauhäusler

Daran erinnern auch die Elemente der leichten schwebenden Decke der Berliner Nationalgalerie. Beide beherrschten die Grammatik der Architektur und die einfache Gesetzmäßigkeit der Werkstoffe. Das Profil der markanten Stützen der Nationalgalerie verwendete Schwippert modellhaft in einem Entwurf für die Leuchter für St. Hedwig. Allein schon dieses Detail dürfte als Hommage einer wunderbaren Freundschaft gewertet werden. Auch die Entwürfe der Türgriffe in ihrer klaren Formensprache wirken wie Miniaturen einer Mies-Architektur, die der Freund aus Berliner Tagen dann in den USA in einem ganz großen Maßstab baute.