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Schweingrippe - Testzentrum in Benrath ist vom Tisch

Schweingrippe - Testzentrum in Benrath ist vom Tisch

Die Kassenärztliche Vereinigung sagt Nein: Es gebe zu wenig Ärzte. Doch jetzt drohen viele Schließungen von Arztpraxen.

Düsseldorf. Das geplante Test-Zentrum für die Schweinegrippe in Benrath wird nicht eröffnen. Das Urteil der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) lautete am Donnerstagabend: nicht machbar.

Grund seien nicht die Kosten des Testbetriebes, sondern fehlende Ärzte: Diese könnten nicht ihre Praxen regelmäßig und für einen längeren Zeitraum schließen, um die Abstriche in Benrath vorzunehmen.

Dann würde die Versorgung an anderen Stellen dünn, sagt Klaus Enderer, stellvertretender Vorsitzender der KV Nordrhein.

Die Ärzte selbst sahen das offenbar anders. Denn schon wenige Tage, nachdem das Gesundheitsamt die Pläne veröffentlicht hatte, meldeten sich laut Amtsleiter Prof. Heiko Schneitler ausreichend niedergelassene Ärzte, die in Benrath mitarbeiten wollten. "Nach dieser Entscheidung wird es jetzt für alle Beteiligten nur schwieriger", sagt er.

Er befürchtet, dass Verdachtspersonen einfach in die Arztpraxen gehen, um sich testen zu lassen. Sind sie infiziert, müsste die jeweilige Praxis sofort geschlossen werden, um eine Ausbreitung zu verhindern. "Wir haben im Ernstfall keine andere Wahl", sagt Schneitler. Auch auf diese Weise drohte eine Versorgungslücke für die Patienten.

Karin Hamacher, Sprecherin der KV Nordrhein, hält dagegen: "Wir warnen Menschen seit Wochen, sie sollen bei einem Verdacht nicht einfach in die Praxis kommen, sondern vorher anrufen."

Dann könnten Vorkehrungen getroffen werden oder der Arzt sogar zum Patienten nach Hause kommen. Dennoch wurden in den vergangenen Wochen bereits mehrere Praxen in Düsseldorf aufgrund von Schweinegrippe-Fällen geschlossen.

Auch Uni-Infektiologe Prof. Dieter Häussinger befürchtet, dass die Verbreitung der Grippe nun noch schwieriger einzudämmen ist. Das Urteil der KV nennt er "eine ausgesprochene Fehlentscheidung, die höchst bedauerlich ist". Er glaubt, dass die KV auf lange Sicht nachgeben wird, wenn die Folgen der Entscheidung offenbar werden. "Aber im Moment haben wir eine echte Chance vertan."