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Schunkeln, bis es warm wird

Schunkeln, bis es warm wird

Altweiberparty in der Altstadt: Vom Carlsplatz bis zur Ratinger Straße feierten die Jecken ausgelassen den Start in den Straßenkarneval.

„Ich hab’ gute Laune“, schallt es aus der Lautsprecherbox, und die Bolkerstraße singt mit: „Draußen scheint die Sonne.“ Es ist 11.11 Uhr, im Rathaus haben gerade die Weiber die Macht übernommen, und in der Altstadt schunkeln und feiern sich die Jecken so langsam warm. Im tatsächlich strahlenden Sonnenschein. Und kalt ist es auch gar nicht, behaupten zumindest Mario aus Frankfurt und Sebastian aus der Nähe von Mannheim. Die Zwei haben sich in rosa-flauschige Häschen-Kostüme geschmissen und zeigen ordentlich Haut an den Beinen. „Mit Bier und Schunkeln geht das schon“, ist Sebastian optimistisch. Seit 14 Jahren kommen die Freunde immer wieder am Altweiberdonnerstag nach Düsseldorf. „Weil die Stimmung einfach super ist“, wie Mario sagt.

Schunkeln, bis es warm wird
Foto: Judith Michaelis

Kathrin Enkel hat es sich gemeinsam mit ihren Freundinnen Miriam Kauhanen und Daniela Perleth sowie Mama Uschi Strübing währenddessen lieber im Goldenen Kessel im Warmen gemütlich gemacht. Kühles Alt für drei der Frauen, Kathrin bleibt bei Wasser, denn sie ist schwanger. „Stimmung geht trotzdem“, sagt die Düsseldorferin, reiht sich wieder ein und schunkelt weiter.

Schunkeln, bis es warm wird

Aus Anholt sind Volker Schepers, Stefan Schweers und Xander Wensing nach Düsseldorf gekommen. Die Maschinenbauer haben alle vor mehr als 20 Jahren die Meisterschule absolviert und treffen ihre Kollegen von damals einmal im Jahr wieder: an Altweiber in der Altstadt.

Nordlichter sind zurückhaltender als Rheinländer? Olli, André und ihre Freunde möchten das Gegenteil beweisen. Aus Bremen sind sie mit einer ganzen Truppe angereist, alle als alte Damen verkleidet. Blusen, Perlenketten und Karoröcke wurden entweder im Secondhand-Laden gekauft oder von der eigenen Oma ausgeliehen. Das Rezept gegen die Kälte: „Da setzen wir auf das Zwiebelprinzip und Glühwein“, erklärt André.

Werner Schmitz aus Gerresheim feiert seit 40 Jahren in der Altstadt. Heute ist er 81 Jahre alt und erfreut sich immer noch an dem bunten Treiben. „Bei dem guten Wetter reisen viele junge Leute von außerhalb an, das finde ich gut“, sagt er. Dann geht er zusammen mit seiner Frau in Richtung einer der Brauerei-Gaststätten. Das Motto des Paares aus Gerresheim: „Gaudi und Spaß haben“.

Das hat sich auch der 16-köpfige Kegelclub „Don Promillos“ aus Solingen vorgenommen. Im Engel an der Bolkerstraße wird zu Rockmusik Luftgitarre gespielt. Der Plan der Gruppe ist einfach: „Altbier, gleich raus und abends wieder in die Kneipe“.

Dass Kostüme auch durchaus eine politische Dimension haben können, zeigen Emma (17) und Annika (18). „Wir möchten den Karneval nutzen, um etwas Cooles zu machen, was etwas bedeutet“, erklärt Emma. Auf ihrem Kopf trägt sie ein Mini-Kreuzfahrtschiff. In einem blauen Netz-Rock sind Fische und leere Kaffeekapseln aus Plastik zu sehen. Auf ihrem Pullover steht eine deutliche Nachricht: „Rettet die Meere“, heißt es da.