Aussagen bei „Anne Will“ Schulöffnung: Düsseldorfs Schuldezernent Hintzsche kontert Laschet

Düsseldorf · Der NRW-Ministerpräsident hatte die Städte bei „Anne Will“ angegriffen, sie hätten die Schulöffnung nicht vorbereitet. Stadtdirektor Hintzsche: Das Gegenteil ist richtig, für Chaos hat leider nur das Land gesorgt.

 Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hat sich über die Kritik von Armin Laschet bei „Anne Will“ geärgert.

Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hat sich über die Kritik von Armin Laschet bei „Anne Will“ geärgert.

Foto: Melanie Zanin

Als Armin Laschet am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will in die Defensive geriet, schaltete er auf Angriff um – gegen die Kommunen in Nordrhein-Westfalen. „Ich hab mich auch gewundert, dass man nach Ostern sagt, wir werden nächste Woche die Abiturienten wieder in die Schule kommen lassen, und dann alle sagen: Aber da sind wir gar nicht drauf vorbereitet“, so der NRW-Ministerpräsident in der ARD-Sendung. Eine schallende Ohrfeige war das für die Städte, die als Schulträger verantwortlich sind für die Vorbereitungen in den Schulgebäuden in Zeiten der Corona-Pandemie. Der Düsseldorfer Schuldezernent und Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hatte die Sendung nicht gesehen, wurde aber am Montag von Kollegen aus andern Städten auf die Laschet-Äußerungen aufmerksam gemacht. Hintzsche schaute sich die Passagen in der Mediathek an und war fassungslos: „Ich muss ganz ehrlich sagen, dazu fällt mir nicht einmal der Satz: ,Das ist ja ein Witz’ ein“, sagte Hintzsche gegenüber der WZ.

Dabei hat der Schuldezernent der Stadt einen Grundsatz: „In akuten Krisenlagen sollten sich die verschiedenen staatlichen Ebenen keine Vorwürfe machen.“ Jetzt aber sagt Hintzsche, eines habe sich in den Krisen, die er hautnah in den letzten Jahren miterlebt hat, stets erwiesen: „Dass kommunale Selbstverwaltung gerade bei operativen Fragen gut funktioniert.“ Während es auf höherer Ebene oft gehakt habe, Hintzsche erinnert da besonders an die Flüchtlingskrise 2015. Leider gebe das Land auch jetzt bei Corona keine gute Figur ab, sondern sorge eher für Chaos, wenn teilweise alle paar Stunden Rundmails mit neuen Anweisungen herausgingen. Und nennt ein Beispiel: „Wir haben als Stadt alle Schulgebäude vor der Wiederöffnung komplett nach dem Standard des Robert-Koch-Institutes durchgereinigt und vorbereitet. Und einen Tag vor Schulstart heißt es vom Land plötzlich, nun habe man neue Vorgaben mit der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene erstellt.“ Das aber habe nur eines bewirkt: Eine große Verunsicherung bei allen Beteligten am Schulbetrieb.

Auch die laut Laschet von Schulministerin Gebauer besorgten Desinfektionsmittel seien kein Ruhmesblatt für die Landesregierung, mengenmäßig reichten sie gerade einmal für zwei Tage. Hintzsche: „Auf die Materialbeschaffung des Landes sollte man sich lieber nicht verlassen. Ich kenne jedenfalls keinen Fall, wo das Land da eine kommunale Lücke geschlossen hat.“

Auf der anderen Seite hatten die Düsseldorfer Schulen im Großen und Ganzen die Zusammenarbeit mit der Stadt ausdrücklich gelobt, das ergaben Recherchen der WZ. Auch Hintzsche lobt die Beteiligten, seien es Lehrer oder Reinigungskräfte: „Ich finde, da haben in Düsseldorf alle einen guten Job gemacht.“

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