Schüsse auf Hells Angels: Ermittler gehen von Notwehr aus

Schüsse auf Hells Angels: Ermittler gehen von Notwehr aus

Düsseldorf. Nach den Schüssen auf der Bolkerstraße vom Neujahrsmorgen ist der mutmaßliche Schütze weiter untergetaucht. Der den Bandidos nahestehende 40-Jährige hat nach den Worten seines Anwalts Angst vor einem Vergeltungsschlag der Hells Angels — von den Ermittlungsbehörden hat der Mann mit Wohnsitz in Haan aber nicht zu viel befürchten: Seine Schüsse werden nach momentanem Stand als Notwehr bewertet.

Wie die WZ am Mittwoch berichtete, hatte eine Gruppe von Hells Angels am 1. Januar gegen 6.20 Uhr mit Gewalt versucht, in den Lion Club zu kommen, dessen Türsteher — der 40-Jährige aus Haan — von innen zwei Schüsse abgab. Ein Schuss traf einen Hells Angel im Oberschenkel, ein Querschläger verletzte einen Unbeteiligten, der Glück im Unglück hatte.

Die Tür des Lion Club zeigt die Spuren der Zerstörung. Der Besitzer wollte sich nicht zu den Vorfällen äußern. Foto: Melanie Zanin

Staatsanwalt Christoph Kumpa betonte am Mittwoch, dass nach bisherigen Erkenntnissen der Türsteher allen Grund hatte, sich bedroht zu fühlen. Insofern wird wohl auch kein Haftbefehl ergehen. Die Notwehr decke auch die sicher nicht beabsichtigte Verletzung des unbeteiligten Zuschauers ab. Insofern ist nicht unwahrscheinlich, dass von den aktuellen Vorwürfen „versuchter Totschlag“, „gefährliche Körperverletzung“ und „unerlaubter Waffenbesitz“ am Ende nur letzterer bestehen bleibt.

Seinen Job im Lion Club kann er aber wohl kaum fortsetzen, er werde sich auf sehr lange Sicht von Düsseldorf fernhalten müssen, so die Einschätzung eines Insiders. Unterdessen ist nicht auszuschließen, dass die Polizei weitere Großaktionen durchführt wie am Wochenende, als sie mit bis zu 150 Beamten gleichzeitig die Altstadt wegen befürchteter Probleme mit Rockern kontrollierte. „Wir haben dadurch mit Sicherheit Schlimmeres verhindert“, so das Fazit eines Polizeisprechers, „und werden das — falls notwendig — wieder tun.“

Die Bilanz vom Wochenende: 124 Personen wurden überprüft, gegen 47 wurden Platzverweise ausgesprochen, davon zwei gegen Bandidos. Die restlichen 45 waren Hells Angels. Außerdem wurden neun Strafanzeigen erstattet, gegen einen Angel wegen Körperverletzung, acht weitere hatten unerlaubt Waffen bei sich. Im Rathaus macht das Rockerthema den Politikern Sorge. „Da geht es nicht um Motorradromantik, sondern um knallharte organisierte Kriminalität“, sagt Martin Volkenrath (SPD), der Vorsitzende des Ordnungsausschusses.

Deshalb müsse die Polizei hart reagieren und eine Eskalation im Keim ersticken. Sein CDU-Kollege Andreas Hartnigk befürchtet freilich, dass es der Polizei dafür an Personal mangelt: „In der Altstadt haben sich offenbar neue Strukturen eingenistet, die ein neues Gewaltpotenzial haben“, sagt er. Das Land müsse einfach mehr Polizisten einstellen, damit Recht und Ordnung durchgesetzt werden könnten, denn, so Hartnigk: „Die Bürger sollen das Gefühl haben, sicher durch die Altstadt gehen zu können.“