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Schlecker: Am Ende bleibt nur die Wut

Schlecker: Am Ende bleibt nur die Wut

Während die Mitarbeiterinnen vor dem Existenzverlust stehen, lauern schon die Schnäppchenjäger.

Düsseldorf. Kaum ist das Schicksal der Schlecker-Mitarbeiterinnen besiegelt, jagen Kunden nach Schnäppchen in den letzten Geschäften der insolventen Drogerie-Kette. „Wie hoch sind die Prozente bei Ihnen?“, will eine Frau gegen 13 Uhr von Svetlana Hebeler wissen. Die Leiterin der Filiale an der Stockkampstraße bleibt gelassen. „Jetzt gibt es noch keinen Rabatt, vielleicht in drei Tagen“, sagt sie.

Svetlana Hebeler bangt um ihre Existenz. Am Freitag wurde der 43-Jährigen mitgeteilt, dass sie Ende Juni ohne Job ist. Dann steht die alleinerziehende Mutter eines kranken Kindes ohne Arbeit da. „Wir haben in den vergangenen Wochen richtig gekämpft, damit die Zahlen stimmen. Und sie waren viel besser als vorher“, sagt sie voller Groll. Noch sind die Regale in dem Laden gut gefüllt. „Aber wir bekommen ab dieser Woche keine neue Ware mehr.“ Fünf Jahre lang war sie Filialleiterin bei Schlecker, davor vier Jahre bei einer anderen Firma. Jetzt steht sie vor dem Aus. Oder vor einem Billigjob.

Dieser wurde Susanne Böddeling bei der Arbeitsagentur angeboten, erklärte sie gestern bei einer Demonstration mit Kolleginnen in der Altstadt. Auch Antje Hirr (39), die seit 15 Jahren in einer Düsseldorfer Filiale arbeitet, kennt ihren weiteren Weg nicht. „Die Ungewissheit ist schrecklich frustrierend. Ich bin einfach nur wütend.“

Nach einer ersten Welle im März mit 2600 Kündigungen in NRW sind es nun weitere 2300 — rund 100 davon in Düsseldorf. Perspektiven haben die Frauen kaum. „80 Prozent der früher Entlassenen sind weiter ohne Job“, so Verdi-Gewerkschaftssekretärin Silke Zimmer. Sie setzt auf die Politik: „Wo ein politischer Wille ist, gibt es vielleicht einen wirtschaftlichen Weg.“