Schallplatten-Liebhaber: Düsseldorfer planen Vinyl-Fabrik

Schallplatten-Liebhaber: Düsseldorfer planen Vinyl-Fabrik

Zwei Schallplatten-Liebhaber wollen ein Presswerk errichten. Und setzen dabei alles auf eine Karte.

Düsseldorf. Ein Traum für Düsseldorfer Musiker und Vinyl-Fans könnte bald wahr werden: Axel Ganz und Michael Heiber wollen Schallplatten in ihrer Heimatstadt herstellen und dafür ein Presswerk errichten. Die Planung: Im Sommer soll das Unternehmen gegründet werden. Danach der Aufbau der Maschinen folgen. Anfang 2019 könnten die ersten Platten aus Düsseldorf ausgeliefert werden.

Die Idee dazu kommt Michael Heiber Anfang letzten Jahres. Er liest, dass die Pressen zur Produktion der schwarzen Scheiben in Aalsdorf bei Aachen wieder neu hergestellt werden. Seit 1983 seien diese nur gebraucht gehandelt worden.

Für den Traum wollen er und sein Partner alles auf eine Karte setzen. Eine halbe Million Euro sind laut Businessplan nötig, um eine „Mini-Fabrik“ zur Schallplattenherstellung einzurichten. „Sehnsucht nach nicht entfremdeter Arbeit“, beschreibt der 52 Jahre alte Axel Ganz eine Motivation der beiden. Sie wollen in Zukunft ihre eigenen Chefs sein. Heiber, der seit 20 Jahren in der IT-Branche arbeitet, treibe der Wunsch an, an etwas handfestem, eben „analogem“ zu arbeiten. Daneben verbindet sie die Leidenschaft für Vinyl und Musik.

Sie kommen ins Schwärmen, wenn sie farbige, einseitig besprenkelte Platten oder aufwendig gefertigte Hüllen in die Hände nehmen. Das ist, was auch sie erschaffen wollen. „Wir wollen kleine Kunstwerke herstellen“, sagt der 42 Jahre alte Michael Heiber. Beide haben in der Düsseldorfer Musikszene ihre Spuren hinterlassen. Heibach betreibt mit „Krachladen Records“ sein eigenes kleines Label. Ganz steht unter dem Namen „Greyship“ an den Synthesizern.

Mit Musikern, Labels und ihrem Presswerk könne ein Szene-Kreislauf entstehen, in dem von der Komposition bis zur Produktion alles vor Ort passiert. Bis der mit Leben gefüllt werden kann, bleibt noch viel zu tun. „Die ersten Gespräche mit Investoren laufen schon, wir suchen aber noch stille Teilhaber“, sagt Heiber.

Ein Standort mit einer Fläche von 200 bis 300 Quadratmetern sei noch nicht gefunden. Ein Objekt sei durchgefallen, weil der Boden die über 700 Kilogramm schweren Pressmaschinen nicht hätte tragen können. In den ersten beiden Jahren wollen Heiber und Ganz ihre kleine Platten-Fabrik zu zweit betreiben. Bis weiteres Personal eingestellt werden kann, stellen sie sich auf lange Tage und Nächte ein. Im Monat könnten sie 20 000 Schallplatten pressen. Potenzielle Kunden seien „Künstler, die sich selbst vermarkten“, erklärt Heiber. Für die soll das Presswerk Kleinstauflagen ab 100 Schallplatten und möglichst individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bieten — von der Farbe der Platte bis zur Gestaltung der Plattenhülle. Vom Erfolg ihres Unternehmens sind sie überzeugt.

„Die ersten fünf Jahre werden der Knaller“, sagt Heiber. Wie es in 20 Jahren aussieht, sei hingegen ungewiss. Der Platten-Boom ist derzeit noch ungebrochen. Laut Bundesverband der Musikindustrie hat sich der Umsatz zwischen 2007 und 2016 ungefähr verachtfacht — von 8 auf rund 70 Millionen Euro. Mit CDs werde hingegen immer weniger Geld gemacht. Vergleichbare Presswerke in Deutschland seien daher nur Monate nach der Gründung ausgelastet gewesen. Abseits des Digitalen, „möchten die Leute etwas in der Hand haben“, ist eine Erklärung von Heiber. Ein weiteres positives Vorzeichen: Der erste Auftrag ist schon eingegangen. „Kiesgroup aus Düsseldorf möchten ihr neues Album bei uns pressen lassen“, sagt der 42-Jährige.

Am Freitag, 23.2., um 19 Uhr präsentieren Heiber und Ganz ihre Pläne im Super 7000, Ratherstraße 25.

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