Schafft sich der Malkasten selber ab?

Schafft sich der Malkasten selber ab?

Dem Verein fehlt Geld, um die Orangerie im Jacobipark zu sanieren. Die Henkel-Stiftung will helfen. Ein gefährlicher Pakt, findet Kunstförderer Walter Rudolph.

Seit gut 160 Jahren sitzt der Künstlerverein Malkasten am östlichen Ende des Hofgartens in Pempelfort. In den Gebäuden und dem historischen Jacobipark trafen sich immer wieder hochrangige Musiker, Dichter und Künstler, darunter Robert Schumann, Goethe, die Maler-Brüder Andreas und Oswald Achenbach oder Thomas Mann. Nun kämpft die 2012 ins Leben gerufene Malkasten-Stiftung mit einem Problem: Die marode Orangerie im Park muss renoviert werden, doch es fehlt an Geld. Jetzt will die benachbarte Gerda Henkel-Stiftung helfen. Sie plant, das renovierungsbedürftige Gebäude im Rahmen eines 50-jährigen Erbpachtvertrages zu übernehmen. Walter Rudolph (69), Kunstförderer und Mitglied des Künstlervereins, sieht dadurch die Zukunft des Malkastens bedroht.

Herr Rudolph, dem Malkasten geht es finanziell nicht gut, die Gerda Henkel-Stiftung bietet Unterstützung an. Was gefällt Ihnen daran nicht?

Walter Rudolph: Schließt die Malkasten-Stiftung den Erbpachtvertrag mit der Henkel-Stiftung ab, würde Henkel die Pflege und Renovierung des Hauses übernehmen. Doch das heißt, dass der Geist des Malkastens zumindest in wesentlichen Teilen übergeht in den Geist von Henkel.

Inwiefern?

Rudolph: Das zur Disposition stehende Gebäude im Park der Malkastenstiftung liegt an der Grundstücksgrenze zur Henkel-Stiftung. Und wenn ich eins und eins zusammenzähle, dann weiß ich: Das ist eine wunderschöne Fläche zum Arrondieren, die hätte jeder gerne. Den Park kriege ich gratis dazu und dann ist die Aura des Malkastens Vergangenheit.

Sie vermuten unlautere Absichten seitens der Henkel-Stiftung?

Rudolph: Bevor der Malkasten dieses Grundstück 1861 erwarb, drohte es Spekulanten in die Hände zu fallen. Und nun scheint die Geschichte des Malkastens in einer Grundstückspekulation zu enden. Ich kann doch als Malkasten nicht Teile des Geländes herausrausreißen lassen und sagen: Das interessiert uns alles nicht, kriegen wir ja in 50 Jahren wieder. So retten wir die Kunst nicht.

Aber trotz aller Aktivitäten wie Ausstellungen, Performances oder Sommerfesten sind die Ausstellungsräume des Malkastens nicht zeitgemäß und repräsentativ. Könnte die Kooperation mit der Henkel-Stiftung nicht neue Impulse bringen?

Rudolph: Ja, der ganze Betrieb ist ein bisschen eingefahren. Es gibt wenige Veränderungen an der Spitze. Da ist seit 20 Jahren derselbe Geschäftsführer, es herrscht Überalterung im Verein, das Durchschnittsalter liegt oberhalb von 60. Aber bei allem Respekt vor der Henkel-Stiftung, sie hat im Malkasten nichts verloren. Der Malkasten ist für die Düsseldorfer Künstler gestiftet geworden. Der Park ist für die Mitglieder und für sonst überhaupt keinen. Und selbst wenn der Park nicht exzessiv genutzt wird, dient er als kreativer Kraftraum.

Aber wie kann der Malkasten sonst gerettet werden?

Rudolph: Eine Alternative bestünde darin, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, der von kunstinteressierten Düsseldorfer Bürgern, Kunstvereinen der Stadt, aber auch von der Henkel-Stiftung getragen wird. Dieser Verein könnte dann die Sanierung des Gebäudes finanzieren.

Aber stoßen Sie damit nicht auf taube Ohren? Bei der Mitgliederversammlung im Malkasten haben nur fünf Leute gegen den Erbpachtvertrag mit Henkel gestimmt.

Rudolph: Ich möchte dafür werben, dass diese Angelegenheit in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Es findet ja keine Mitgliedereinbindung statt, genauso wenig werden die Bürger eingebunden. In Finanzierungsfragen scheinen die Düsseldorfer auch kein Selbstbewusstsein zu haben. Glaubt man denn im Ernst, dass in Düsseldorf nicht 100 Leute da wären, die hier unter die Arme greifen würden, wenn man sie mal fragen würde? Warum geht man zum ersten Anrainer und lässt sich das aus der Hand nehmen?

Mehr von Westdeutsche Zeitung