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Schätzchen schätzen im Dorotheum in Düsseldorf

Schmuck : Schätzchen schätzen im Dorotheum

Juwelen und Uhren aus Familienbesitz sind oft viel wert, wie ein Besuch beim Schätzmeister in der Südstraße zeigt.

Das Schätzen von Schätzchen kann eine spannende Sache sein. Kennt der Fernsehzuschauer ja inzwischen aus dem Überraschungsquotenbringer „Bares für Rares“. Doch wenn es um besondere Kostbarkeiten geht, Juwelen und Uhren aus Privatbesitz, zieht nicht einfach ein Händler ein paar Scheine aus der Gesäßtasche. Da ist dann sorgfältige Prüfung und exklusives Expertenwissen gefragt. Dessen kann man sich sicher sein bei den Beratungstagen, die das renommierte Wiener Auktionshaus Dorotheum regelmäßig anbietet. Auch in Düsseldorf. Sogar kostenlos.

 „Davon haben wir erst einmal nichts“, erklärt Petra Schäpers, die Leiterin der Dependance am Rhein. Aber es gibt immer wieder Entdeckungen, Überraschungen, sowohl für die Experten des Hauses als auch für die Anbieter.

Der Ablauf einer solchen Beratung ist natürlich viel diskreter als bei der beliebten ZDF-Sendung, wo jeder sein Stehrümmchen oder den von Oma einst auf ihrer Fernreise erstandenen Modeschmuck mitbringen kann. Doch egal ob Trödelkram oder Kronjuwelen: Die Anbieter kommen mit klopfendem Herzen und mehr oder weniger großen Erwartungen.

Die Ergebnisliste der Düsseldorfer Einlieferungen, die Schäpers stolz präsentiert, kann sich sehen lassen: Da brachte eine Platin-Brosche in Form einer Blüte mit Diamanten und blauen Saphiren stolze 112 500 Euro. Vielleicht, weil sie das Titelbild des Katalogs schmückte? In dem war sie taxiert zwischen 40 000 und 70 000 Euro.

Bei den Beratungstagen in der Düsseldorfer Dependance des Dorotheums schaffen es nur auserlesene Stücke nach sorgfältiger Prüfung und Schätzung in den Hochglanzkatalog und in die Auktion in Wien. Dann geht es dort in der Regel um sehr viel Bares, oft für sehr Rares. In dieser Woche war Beratung angesagt für Schmuck und Uhren, die womöglich einmal Weihnachtsgeschenke waren und es vielleicht auch bald wieder werden.

Was bei vielen Stücken zählt,
ist die Geschichte dahinter

Günter Eichberger, der Schätzmeister der Uhren- und Juwelenabteilung des Auktionshauses, ist extra eingeflogen. Der sportlich-elegante Juwelier und Uhrmachermeister sprintet in Sneakers treppauf an den Beratungstisch, lässt sich die mitgebrachten Schätzchen in sein Kästchen legen. Eine Dame, die eine Rolex aus den 40er Jahren anbietet, muss er enttäuschen. „Die Uhr ist leider modifiziert und damit für Sammler uninteressant. Besonders, wenn das Zifferblatt, die Visitenkarte der Uhr, nachgearbeitet wurde.“ Dagegen war eine Patek Philippe von 1910, die aus Düsseldorf eingeliefert wurde, einem Liebhaber schlussendlich Hunderttausende wert.

Da wartet schon die nächste Interessentin. Marianne Gavelli hat einen Weißgoldring mit Brillanten mitgebracht. Er gehört ihrer Tochter. Gekauft hatte ihn einst ihr inzwischen verstorbener Mann. Der Italiener muss ein großer Schmuckliebhaber gewesen sein. Seine Witwe: „Bei Spaziergängen blieb er vor jedem Juwelier-Fenster stehen. Ich hab immer gesagt, wenn du eine Frau wärest, würdest du dein Geld sicher nur für Schmuck ausgeben.“

Dabei habe ihr Mann, mit dem sie 55 Jahre verheiratet war, immer ihren Geschmack getroffen: „Aber heute trage ich kaum noch Schmuck. Zu gefährlich.“ Neulich war sie Zeugin, als einer Frau am Rhein die Handtasche entrissen wurde „am helllichten Tag“. Von Halsketten-Räubern hat sie auch gehört: „Das kann einem schon Angst machen.“

Der Ring ihrer Tochter könnte 5000 Euro bringen, aber auch 15 000. „Kommt auf die Laboruntersuchung an. Es muss ausgeschlossen werden, dass die Steine behandelt wurden. Der einfache Blick durch die Lupe reicht da heute längst nicht mehr“, erklärt Experte Eichberger nüchtern.

Keine Auktion mehr bis Weihnachten, dafür Freiverkauf

Es ist die Seriosität, die geschätzt wird an dem renommierten Auktionshaus. Und die Diskretion. Deshalb will die Dame, die mit Edelsteinen besetzte Manschettenknöpfe dabei hat, ihren Namen auch nicht nennen. Sie vertraut dem Wiener Haus: „Das ist doch etwas anderes, als wenn man zum Juwelier um die Ecke geht. Und es ist auch schön zu wissen, dass das Stück wahrscheinlich einen echten Liebhaber findet.“ Sie selbst trage so gut wie keinen Schmuck mehr. Sie sagt: „Heute zählen doch andere Statussymbole.“

Nicht jedes Stück, das im Dorotheum ersteigert wird, kommt zum Tragen. Liebhaber kaufen nicht selten für den Tresor. Was Eichberger bedauert. Ist denn Schmuck als Kapitalanlage eine gute Idee? „Ich rate nicht dazu. Umso erfreulicher kann es natürlich sein, wenn ein Stück eine Wertsteigerung erfährt.“

Eine solche ist bei den beiden Teilen, die die Berichterstatterin mitgebracht hat, um eigene Erfahrungen zu sammeln, nicht zu erwarten: Eine Platinnadel mit einer Goldfeder und einem Brillanten und ein ausgefallener Ohrring in Gold und Silber, der mehrere Tragevariationen zulässt, finden keinen Gefallen. Uninteressant für Eichberger und damit fürs Dorotheum.

Design zählt nicht. Die klassische Auktion ist ein konservativer Markt. Dagegen zählt bei einem guten Stück, so Eichberger, „die Geschichte dahinter“. Zum Beispiel bei einem Diadem, Gold mit unzähligen Altschliffdiamanten, das aus dem Haus Savoyen stammt. Mehr darf der Experte nicht verraten. Datenschutz.

16 000 bis 24 000 Euro soll der brillante Kopfputz bringen. Wahrscheinlich werden es sogar noch mehr werden. „Diademe sind sehr gefragt. Besonders bei jungen Frauen“, weiß Charlotte Behr vom Düsseldorfer Dorotheum. Einmal Prinzessin sein. Das gilt nicht nur bei der Ball-Tradition in Wien, sondern bei immer mehr Hochzeiten weltweit.

Behr beobachtet auch in ihrer Freizeit die Schmuck-Szene, was Altersgenossinnen so tragen, junge Männer am Arm haben: „Alte Schmuckstücke wie ein Ring in Schlangenform von Bulgari sind wieder gefragt. Das passt gut zur Vintage-Mode.“ Die eingelieferte Schlange, die Laien leicht für Modeschmuck halten könnten, hat denn auch ihren Preis erbracht: 102 500 Euro.

Bis Weihnachten findet zwar keine Auktion mehr statt, bei der so ein ausgefallenes Stück zu ersteigern wäre. Doch, so Günter Eichberger: „Wir haben ja auch einen Freiverkauf.“