Seltene Exemplare: Sammlerstücke Sneaker: Schuhe so selten wie ein Lottogewinn

Seltene Exemplare : Sammlerstücke Sneaker: Schuhe so selten wie ein Lottogewinn

Sneaker sind begehrte Sammlerstücke. Wenn seltene Exemplare erscheinen, muss auch mal die Polizei anrücken — wie jetzt in Düsseldorf.

Düsseldorf. Ausnahmezustand auf der Oststraße in Düsseldorf. Am Donnerstagabend musste die Polizei die Straße sperren. Der Grund: Eine Ansammlung von 600 Menschen, die alle anstanden — für ein Paar Turnschuhe. Der Sneaker-Laden „Afew“ hatte eine Verlosung veranstaltet. Es ging um die Chance, eines von 50 Paaren limitierter Adidas—Schuhe zu kaufen — designt von US-Rapper Kanye West (39).

Sneaker, wie man die Treter neudeutsch nennt, sind mehr als reine Gebrauchsgegenstände. Sie sind Sammlerobjekte. Und die Szene derer, die mitmachen, wächst. Marco Biergen, der den Sneaker-Shop „Afew“ an der Oststraße betreibt, sagt, Sneaker seien mittlerweile in fast jeder Altersgruppe und Schicht zu Hause. „Unsere Kundschaft reicht von Schülern, die ihren Idolen folgen, bis hin zu Mitte-Vierzigjährigen, die die Neuauflagen der Schuhe ihrer Jugend kaufen.“ Normale Kunden und Sammler zu unterscheiden sei aber schwer. Die Unterschiede seien fließend.

Noah Rachid Mascri (31) hat etwa 60 Paar Schuhe zu Hause in Düsseldorf. „Sammeln würde ich das nicht nennen“, meint er aber. Er kaufe nur die Schuhe, die ihm gefallen. Wie der „Adidas Yeezy Boost 350 Pirate Black“, um den es bei der Verlosung ging. Rachid Mascri hat gewonnen. Er durfte 199,95 Euro für den Schuh ausgeben und mit nach Hause nehmen. „Dann habe ich eben weniger Essen im Kühlschrank“, scherzt er. 200 Euro seien gar nicht so viel für ihn. Er habe schon 400 Euro für ein Paar Sneaker bezahlt.

Sammeln ist Definitionssache. Die Wertsteigerung von Sneakern ist aber ziemlich eindeutig. 436 Prozent Gewinn konnte man zuletzt mit einem Schuh machen. Die amerikanische Sneaker-Daten-Seiten Campless hat jetzt eine Liste der wertvollsten Sneaker 2015 herausgegeben. Gemessen am durchschnittlichen Wert, den die Schuhe ungetragen auf Ebay erzielt haben. Der teuerste von ihnen war der „Adidas Yeezy 750 Boost Triple Black“. Der von Rapper West designte Schuh ging laut der Liste für 1876 Dollar (1668 Euro) über die digitale Theke. Dabei ist er ursprünglich für 350 Dollar verkauft worden.

Der „Adidas Yeezy Boost 350 Pirate Black“, über den sich den Mascri freuen durfte, steht auf der Campless—Liste auf Platz zehn für 738 Dollar. Aber an einem Verkauf ist Mascri nicht interessiert. „Auf gar keinen Fall!“ Mascri will die Schuhe behalten und vor allem tragen. „Aber eher ab April oder Mai, wenn das Wetter besser ist.“ Dreckig sollen sie tunlichst nicht werden, die guten Stücke. Sneaker-Fans wie er legen Wert darauf, dass die Schuhe aussehen, wie gerade erst gekauft. „Fresh out the box“, nennt sich das. Bei Mascri kein Problem: „Ich habe so viele Schuhe, ich habe gar nicht genug Zeit, die alle anzuziehen und schmutzig zu machen.“

Trotz der hohen Preise und der Möglichkeit, gutes Geld zu machen, tragen die meisten Sammler ihre Schuhe, glaubt Biergen. „Dafür sind sie ja gemacht.“ Aber je nach Preis vielleicht nur sonntags und bei gutem Wetter. Teure Sneaker sind heute die neuen Sonntagsschuhe.

Eigentlich ist der Hersteller Nike der Marktführer bei den Sammlerstücken. „Nike ist innovativ und hat ein gutes Marketing“, sagt Ladenbetreiber Biergen. Die Experten bei Campless gehen davon aus, dass gut 96 Prozent der weiterverkauften Schuhe ein „Swoosh“-Logo oder das Jordan-Emblem tragen. Biergen meint aber, dass Adidas seit zwei Jahren bei den Sammlern aufhole.

Das hat auch mit Kanye West zu tun. Der Rapper war schon bei Nike für den letzten großen Hype verantwortlich — den „Nike Air Yeezy 2“, der 2012 für ähnliche Szenen vor den Sneakerläden sorgte. Jetzt ist er zu Adidas gewechselt — und die Aufmerksamkeit mit ihm.

Mascri sagt, ihm sei die Marke egal. Er kaufe querbeet, alles, was ihm gefalle. „Hauptsache, der Sneaker ist cool.“ So wie der Yeezy. Der hat übrigens einen perfekten Tag für Mascri abgerundet. Vorher hatte er erst die Zusage für einen neuen Job bekommen und im Lotto gewonnen. Aber dass er auch noch an den Schuh kommt, hätte er nie gedacht, sagt er. „Das ist die Story meines Lebens.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung