Sammler um 640 000 Euro betrogen?

Galerist sollte Skulptur für einen Düsseldorfer verkaufen. Beim Wert gelogen? Gerichtsentscheidung steht aus.

Düsseldorf. Ein Düsseldorfer Kunstsammler fühlt sich von einem belgischen Galeristen über den Tisch gezogen: Für eine afrikanische Skulptur aus der Sammlung des Düsseldorfers hatte der Galerist 110 000 Euro gezahlt, fünf Jahre später soll er ihren Wert aber auf 750 000 Euro beziffert haben.

Der Sammler glaubt, der international agierende Galerist habe genau gewusst, dass die Skulptur einen deutlich höheren Wert habe und sie genau deshalb nicht veräußert, sondern für sich behalten.

Er fühlt sich „arglistig getäuscht“. Er verklagt den Belgier und fordert die Skulptur zurück. 2010 hatte der Düsseldorfer die Galerie in Belgien besucht. Er kannte den Inhaber, einen bekannten Händler afrikanischer Kunst. Sechs Jahre zuvor hatte der Belgier bereits ein Kunststück des Sammlers nach New York verkauft, nun sollte er noch einmal versuchen, einen Käufer zu finden. „Wir sprachen über den Preis. Meine Vorstellung lag bei rund 200 000 Euro. Später habe ich mich auf 160 000 Euro eingelassen“, sagt der Düsseldorfer.

Auf einer Kunstmesse in Maastricht sollte der Galerist die Skulptur präsentieren und auf Käufersuche gehen.

„Er rief mich danach an und sagte mir, es gäbe nur einen einzigen Interessenten. Der wolle nur 130 000 Euro zahlen“, erinnert sich der Sammler. Der Galerist habe erklärt, dass die Skulptur nicht den Geschmack des Publikums getroffen habe.

Im Glauben, der Belgier habe mehr Erfahrung als er selbst, willigte der Düsseldorfer ein, das Stück zu verkaufen. Der Galerist überwies 110 000 Euro, den Rest behielt er als Provision. Fünf Jahre später entdeckte der Düsseldorfer auf einer Kunstausstellung in Mailand seine Skulptur wieder: „Sie gehörte immer noch dem Galeristen, er hatte sie nie verkauft“, sagt der Anwalt des Sammlers. Der Düsseldorfer setzte eine befreundete Kunstsammlerin auf ihn an. Sie erkundigte sich beim Galeristen nach dem geschätzten Wert der Skulptur: Der bezifferte ihn mit 750 000 Euro.

Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

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