RRX in Düsseldorf Die Bahn wehrt sich gegen die Kritik von der Stadt

Interview | Düsseldorf · Die RRX-Projektleiterin der Bahn äußert sich zur Sicherheit der Finanzierung und der Baustellenplanung.

Katharina Neumann ist Projektleiterin bei der Bahn für das RRX-Projekt.

Katharina Neumann ist Projektleiterin bei der Bahn für das RRX-Projekt.

Foto: Endermann, Andreas (end)

An den Verkehrsplänen der Bahn für die Zeit der Bauarbeiten an den zentralen Gleisabschnitten zwischen Reisholz und Wehrhahn für das Projekt Rhein-Ruhr-Express hatte die Stadt zuletzt massive Kritik geäußert. Die Rheinbahn könne nicht bewältigen, was sie an zusätzlichen Fahrgästen auffangen soll. Für den Ausbau der Infrastruktur sollen von Süden kommend die S-Bahnen 6 und 68 hinter Eller Süd nur noch den von der Bahn noch zu bauenden Ersatzhalt Fichtenstraße vor dem Hauptbahnhof erreichen und dann umkehren. Die S1 soll nicht weiter als Eller-Mitte fahren. Von Norden kommend enden S1 und S6 im Hauptbahnhof. Zweieinhalb Jahre soll die Sperrung der S-Bahn-Strecke wohl ab 2028 dauern. Jetzt nimmt die Projektleiterin der Bahn, Katharina Neumann, zur Kritik der Stadt ausführlich Stellung. Entscheiden über das Baurecht wird übrigens am Ende das Eisenbahnbundesamt.

Frau Neumann, eine Frage vorweg: Nach den Kürzungen im Bundeshaushalt mit wegbrechenden Milliarden für die Bahn – wie sicher ist das Projekt RRX in Düsseldorf überhaupt noch?

Katharina Neumann: Die Finanzierung für die drei zentralen Düsseldorfer Abschnitte zwischen Eller Süd und Kalkum steht. Für die anderen Düsseldorfer Abschnitte haben wir noch gar kein Baurecht.

Mit den derzeitigen Verkehrsplänen für die Zeit der Bauarbeiten zeigte sich die Stadt zuletzt sehr unzufrieden. Vor allem kritisierte sie, dass die starken Einschränkungen bei S-Bahnen und auch Regional-Express-Linien von der Rheinbahn aufgefangen werden sollen, obwohl es dafür keine Kapazitäten gibt.

Neumann: Wir alle wollen während der Ausbauarbeiten für den RRX ein möglichst gutes Verkehrskonzept für die Fahrgäste entwickeln. Wir haben frühzeitig erkannt, dass das Standardverfahren für Ersatzverkehre bei der Dimension der Baustelle nicht ausreicht und deshalb zusätzliche Maßnahmen entwickelt. Wir bauen für zusätzlich zehn Millionen Euro die Infrastruktur aus, damit die Menschen auf der Schiene möglichst nahe an den Hauptbahnhof gebracht werden können. Wir bauen einen komplett neuen Ersatzhalt an der Fichtenstraße, sowie einen zusätzlichen Bahnsteig am Derendorfer Bahnhof und mehrere für REs verlängerte S-Bahnsteige im Hauptbahnhof. Damit geben wir den Verkehrsplanern mehr Möglichkeiten für Ersatzkonzepte auf der Schiene. Zusätzlich entwickeln dann Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen Konzepte für den Schienenersatzverkehr. Gesamthaft werden dann Umsteigebeziehungen zwischen Zug, Bahn und Bus besprochen und diese werden kommen. Die Kritik ist deshalb für uns nur bedingt nachvollziehbar. Rheinbahn und Stadt waren eng in die Planung eingebunden. Der Ersatzhalt an der Fichtenstraße ist also nur ein Baustein des Konzeptes. Der Hauptbahnhof kann ja etwa auch über einen Umstieg in den Regional-Express in Benrath erreicht werden. Die Erfahrung zeigt, dass Pendler sich anpassen und die für sich beste Verbindung wählen. Manche Fahrgäste werden ihr Ziel rund um die Eller- und die Kettwiger Straße sogar besser erreichen, weil sie nicht mehr über den Hauptbahnhof fahren müssen. Andere werden an der Fichtenstraße in mehrere mögliche U-Bahnen umsteigen. Aber auch Busse im Schienenersatzverkehr werden zur Verfügung stehen.

Die Stadt fordert eine Sonderarbeitsgruppe, mit RRX-Projektleitung, dem VRR, den betroffenen Verkehrsunternehmen sowie Rheinbahn und Stadt. So soll ein Konzept zum Auffangen der wegbrechenden Verkehrsbeziehungen entwickelt werden.

Neumann: Eine solche Arbeitsgruppe mit der Stadt, der Rheinbahn und dem VRR gibt es bereits seit August 2022. Hier arbeiten wir eng und kollegial zusammen. Damit haben wir beispielsweise auch den Ersatzhalt an der Fichtenstraße entwickelt. Für die Planung der klassischen Schienenersatzverkehre ist es noch sehr früh, da der Fahrplan erst 2028 oder 2029 für die Baustellenzeit geändert wird. Aber diese Arbeitsgruppe ist genau das Gremium, um Verkehrskonzepte zu besprechen.

Die Stadt fordert zudem, dass der Halt Fichtenstraße näher an die Straßenbrücke herangeführt wird, um einen direkten Treppenzugang vom Mittelbahnsteig an die Werdener Straße zu bauen. Geht das?

Neumann: Das war ursprünglich sogar unser Plan. Doch die Stadt gab uns für die Planung vor, die Ortsumgehung Oberbilk zu berücksichtigen. Die dafür benötigten Flächen haben wir bei der Planung freigehalten. Wir sind mit der Planung fertig. Leider ist es zu spät für Änderungen, weil wir die Zeit bis zum Baubeginn für Genehmigungsverfahren und Ausschreibungen benötigen. Der Ersatzhalt muss ja fertig sein, bevor wir mit dem RRX-Ausbau beginnen.

Auch eine ergänzende Fußwegeführung unterhalb der Straßenbrücke zur Anbindung der U-Bahnstation Handelszentrum ist gewünscht. Eine gute Idee?

Neumann: Wir geben bereits viel Geld für den Ersatzhalt und Bahnsteige aus. Wir können diesen zusätzlichen Wunsch nachvollziehen, aber es muss eine Finanzierung dafür geben. Hier ist auch die Stadt mit in der Pflicht.

Die Stadt fordert auch eine Mobilitätsstation mit Leih-Rädern, E-Scootern und Car-Sharing.

Neumann: Alles, was während der Bauzeit hilft, ein gutes Verkehrskonzept anzubieten, sollte man sich anschauen. Wir unterstützen die Stadt sehr gerne dabei, etwa mit der Vermittlung an Fördergeber oder auch dem Bereitstellen von Flächen.

Aus der Politik kommt der Vorschlag für ein zusätzliches Gleis zur Fichtenstraße, damit auch die S1 dorthin gelangt.

Neumann: Wir kennen die Idee. Leider funktioniert sie aber betrieblich nicht. Wir bräuchten erst einmal eine Weiche, um in Eller Mitte auf andere Gleise zu kommen. Aber selbst wenn wir die Weiche bauen würden, reichen die Kapazitäten an der Fichtenstraße nicht aus, um eine zusätzliche Linie dort fahren zu lassen. Die S-Bahnen fahren auf einem Gleis hin und wieder zurück. Zusätzlich verkehren hier auch Güterzüge.

Ein weiterer Vorschlag ist, in Derendorf eine Möglichkeit zum Einfädeln zu schaffen, sodass die S-Bahnen durchfahren können.

Neumann: Auch das haben wir geprüft, auch das funktioniert leider nicht. Wir kommen von der Strecke nicht an die Bahnsteige. Die Anbindung der Gleise an den Bahnsteig würde zusätzliche Bauarbeiten über viele Monate hinweg, Kosten in einem hohen zweistelligen Millionenbetrag und weniger Kapazität auf der ohnehin stark ausgelasteten Strecke bedeuten.

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