Rosenkrieg: Ärzte wollen weitere Zeugen

Rosenkrieg: Ärzte wollen weitere Zeugen

Zwei Mediziner kämpfen um eine Frau. Ehemann soll Nebenbuhler verprügelt haben.

Düsseldorf. Der dunkelblaue Anzug passt, die Frisur sitzt. Mit seiner Körperhaltung gibt der 49-Jährige eindeutig zu erkennen, was er vom Angeklagten hält: Demonstrativ wendet er sich von ihm ab, vermeidet jeden Blickkontakt mit seinem Mediziner-Kollegen und Ehemann seiner jetzigen Lebensgefährtin. Ein unsichtbarer Graben scheint durch den Gerichtssaal zu verlaufen: auf der einen Seite der Nebenkläger, der auf sein Fragerecht pocht und die Schuld seines Rivalen beweisen will, auf der anderen der stille Angeklagte, der gelegentlich den Kopf schüttelt.

Am Montag sollte der Rosenkrieg unter den Medizinern in die entscheidende Runde gehen, nach der sechseinhalbstündigen Verhandlung gab es jedoch noch kein Urteil. Die Parteien beharrten darauf, weitere Zeugen zu hören, die ihre Version der Geschichte untermauern. Auch ein einstündiges Rechtsgespräch brachte keine Einigung. Nun soll bis Ende September weiterverhandelt werden.

Der angeklagte Kieferchirurg (40) soll seiner Ehefrau (Zahnärztin, 35), mit dem Mediziner-Kollegen (49) am Rheinufer aufgelauert, dem Kontrahenten mit einem Schlagring ins Gesicht geschlagen und ihm mit Mord gedroht haben. Der Polizist, der die Anzeige des vermeintlichen Opfers aufgenommen hatte, erinnerte sich am Montag an eine Schwellung im Gesicht des Mediziners, beendete seine Zeugenaussage jedoch mit dem Satz: "Ihr Gesicht sieht auch jetzt geschwollen aus."

Der Angeklagte beteuerte, zur Tatzeit in seiner Praxis gewesen zu sein. "Es war rappelvoll", bestätigte die Sprechstundenhilfe. Hätte sich der Arzt für eine Weile hinausschleichen können? "Da wäre das Chaos ausgebrochen", sagte sie. Auch eine Patientin bestätigte "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", dass sie am Tattag behandelt wurde.

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