Rolandschule: Wattestäbchen für Zero-Kunst

Rolandschule: Wattestäbchen für Zero-Kunst

In der Rolandschule werden die berühmten Werke von Piene, Mack und Uecker repariert.

Düsseldorf. Sechs Studenten der Fachhochschule Köln knien oder stehen vor der Zero-Kunst in der Rolandschule und machen die kostbaren Objekte wieder flott. Lange waren die Werke von Otto Piene, Heinz Mack und Günter Uecker verrammelt und verriegelt. Zum 50-jährigen Bestehen der Schule sollen sie wieder funktionieren, im Lichtrhythmus erstrahlen, im Schattenspiel erstaunen und im farbigen Holzspiel den Nachwuchs in Bann schlagen.

Die Beuys-Schülerin und Bezirksvertreterin Ulrike Scheffler-Rother hatte die Werke in den 80er Jahren zufällig hinter Verschalungen wieder entdeckt. Nun endlich wird ihnen ihr alter Glanz zurückgegeben. Gunnar Heydenreich, lange Zeit Vizechef des Restaurierungszentrums und inzwischen Professor in Köln, arbeitet mit jungen Leuten im Auftrag des Kulturamts. Zwei Wochen und 20 000 Euro sind für die Restaurierung veranschlagt. Hinzu kommen Kosten für Elektriker und Maler. Das ist nicht viel angesichts der Werte, die jeweils zwischen 200 000 und 500 00 Euro liegen sollen. Die Zeiten, da die Stadt den namenlosen Künstlern einige wenige Tausendmarkscheine zukommen ließ, sind längst vorüber. Die Künstler sind längst Stars geworden und genießen Weltgeltung.

Das kapitalste Werk ist die Farborgel von Heinz Mack. Die Studentin Jenny Trautwein hockt auf dem Boden, ein Wattestäbchen mit Reinigungslösung in der Hand, und schabt den Dreck eines halben Jahrhunderts von den bunten Hölzern. „Ich werde nicht müde bei der Arbeit, weil die Leuchtkraft so enorm ist“, sagt sie. „Ich kann sogar die Pinselstriche des Künstlers entdecken.“ Und Heydenreich doziert: „Mack hat in dieser Regenbogen-Orgel das Licht in seine Spektralfarben zerlegt. Wenn die Kinder an der Orgel drehen, werden Farbe und Licht zusammengeführt. Eine wunderbare Idee!“

Die „Planeten“ des Günter Uecker sind demontiert oder verhüllt. Nichts brennt mehr, nichts dreht sich. Heydenreich meint mit leicht ironischem Ton: „Bei lichtkinetischen Werken sollten die Elemente funktionieren, sonst sind sie sinnlos.“

Derzeit montieren Elektriker neue Lichtkörper, denn nur so komme das „eindrucksvolle Licht- und Schattenspiel der Lamellen und Scheiben wieder zur Geltung“. Bei diesem Werk wird es auch neue Balustraden aus Glas sowie eine Tür mit Schloss geben. Schon jetzt sieht Heydenreich vor Augen, wie die Lehrer eintreten und den Kindern das Frühwerk des Nagelkünstlers erklären wird.

Noch bevor steht die Sanierung von Otto Pienes Lochplatten. Hier hatten die Lampen 230 Watt, was lebensgefährlich für Kinder sein kann. Die neuen Birnen haben nur 40 Watt.

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