„Rock in Rio“: Die Politik winkt ab — jedenfalls für 2019

„Rock in Rio“: Die Politik winkt ab — jedenfalls für 2019

Schnelle Zusagen gibt keine Partei dem Veranstalter des Festivals. Denn die Planung des Open-Air-Parks benötige Zeit.

Düsseldorf. Über das Ed-Sheeran-Konzert wurde in Düsseldorfer Rathaus monatelang debattiert. Das wird sich bei „Rock in Rio“ nicht wiederholen. Das Festival scheint gleichsam mit seiner Geburt beerdigt zu werden — zumindest für 2019. Denn die von OB Thomas Geisel am Montag eiligst an die Ratsfraktionen weitergeleitete Anfrage des Veranstalters, ob das Festival prinzipiell im August 2019 auf dem Messeparkplatz stattfinden könne, wurde gestern politisch hart abgeschmettert.

Diesmal ist auch die SPD skeptisch: „Wir wollen jetzt ein geordnetes Bebauungsplan-Änderungsverfahren für die neue Fläche — und das benötigt Zeit“, sagt Fraktionschef Markus Raub. Für die SPD sei aber klar: „Ja, wir wollen diesen Open-Air-Park dort. Aber wir wollen jetzt nicht kurzfristig bestimmte Events.“ Prinzipiell hätte Raub jedoch schon gerne solche Groß-Festivals in der Stadt. Und er will verhindern, dass diese Chance für Düsseldorf jetzt aus formalen Gründen gleich mitbeerdigt wird.

Wie berichtet, hat der Veranstalter sein Interesse angemeldet, „Rock in Rio“, das zunächst in Rio de Janeiro, dann regelmäßig in Lissabon Stars wie Bon Jovi, Guns N’ Roses, Sting, Peter Gabriel oder Elton John präsentierte, in Düsseldorf zu etablieren.

CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt, der Oppositionschef im Rathaus, reagiert auf die kurzfristige Anfrage schroff ablehnend: „Als die Mail vom OB kam, haben wir nur mit dem Kopf geschüttelt. Denn es ist völlig illusorisch, noch in diesem Monat irgendetwas zuzusagen.“ Nein, 2019 werde kein großes Festival auf dem Messeparkplatz stattfinden, „weil es 2019 diesen Open-Air-Park noch gar nicht geben wird“, so Gutt. Dafür benötige ein geordnetes Genehmigungsverfahren mit vernünftiger Bürgerbeteiligung nun mal zu viel Zeit.

Gutt äußerte aber auch erneut grundsätzliche Skepsis: „Viele wichtige Umwelt-, Verkehrs- und Lärmfragen sind nicht mal ansatzweise geklärt, zudem wollen wir nicht, dass ein Open-Air-Park der Arena nebenan weiter das Wasser abgräbt.“ Zumal die ersten — auch visuellen — Eindrücke von „Rock in Rio“ zeigten, dass diese Spektakel noch viel größer als das Sheeran-Konzert sei. Gutt: „Da reden wir von 100 000 Besuchern an mehreren Tagen. Und wohl auch von mindestens 300 zu fällenden Bäumen.“

Manfred Neuenhaus (FDP) will nach wie vor die Open-Air-Fläche, aber erst müsse die Verwaltung eine niet- und nagelfeste Grundlage schaffen, verlangt er: „Eine Ausnahmegenehmigung kommt nicht noch einmal in Frage.“

Auch die Grünen reagieren ungehalten auf die Anfrage: „Ich weiß nicht, was Geisel geritten hat, zu versuchen, den Konzertmanager zu geben“, schimpft Fraktionssprecher Norbert Czerwinski. Allen Beteiligten müsse doch klar sein, dass ein geordnetes Bauleitverfahren notwendig sei, wenn man eine Open-Air-Eventfläche entwickeln wolle. Insofern gebe es keine Grundlage für „Rock in Rio“ 2019 in Düsseldorf. „Was also soll nun diese Blitzanfrage, bei der man als Ratspolitiker natürlich nicht Zusagen machen kann?“, fragt Czerwinski — und mutmaßt sogleich, der OB wolle damit womöglich von noch ungeklärten Fragen zum Ed-Sheeran-Fiasko ablenken.

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