Düsseldorf: „Rivertime“ erstrahlt bald in Bruchkeramik

Düsseldorf: „Rivertime“ erstrahlt bald in Bruchkeramik

Im September werden die ersten glasierten bunten Tonplatten an der Promenade des Rheinufers angebracht.

Düsseldorf. 1997 war „Rivertime“, das farbenfrohe Werk von Hermann-Josef Kuhna an der Rheinuferpromenade, eingeweiht worden. Der Düsseldorfer Malereiprofessor hatte es mit 20 Kunststudenten in 7400 Arbeitsstunden auf die kahlen Betonwände gemalt. Der Stadt kostete das farbenprächtige Werk nur 120 000 Mark, denn die Altstadtgemeinschaft beteiligte sich mit 10 000 und die Firma Hochtief mit 40 000 Mark. Seitdem wurde alles unzählige Male beschmiert und saniert, bis der Stadt der Aufwand zu teuer wurde. „Rivertime“ verwitterte und wurde bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet. Auf Druck des CDU-Bürgermeisters Friedrich Conzen zog die Stadt die Reißleine. Jetzt wird die Kunst in Keramik ausgeführt. Die WZ sprach mit dem Künstler.

Die Firma Ebinger-Schnaß packt die ersten glasierten Tonscherben in Kartons für den Transport nach Düsseldorf. Foto: Kuhna/ Elbinger-Schnaß

Warum wurde das Kunstwerk auf 320 Quadratmetern als Malerei ausgeführt, wer kam auf diese Idee? Die Antwort des Künstlers Kuhna wirkt cool: „Das war die Idee des Architekten Niklaus Fritschi, eigentlich ein Sichtbetonfanatiker. Er wollte ursprünglich einen hellen Beton. Der sah aber nur für einen Tag schön aus, dann kamen die Sprayer. Fritschi wusste, dass die Vandalen vor der Malerei keinen Halt machen würden. Aber so lange alles repariert wurde, sah es zwischendurch schön aus. Der Malermeister und seine Helfer konnten schließlich schneller als ich malen, denn sie kannten meine Vorlage.“

Der Architekt und mit ihm die Stadt waren also ein volles Risiko eingegangen. Mit der Zeit wurde die Sanierung immer teurer. Das Nachmalen kostete manchmal bis zu 18 000 Euro. Kuhna heute: „Das ist natürlich Irrsinn. Das macht keiner lange mit.“

Die Kehrtwende kam durch den Künstler selbst. Er hatte in der Münchener U-Bahn die „Vier Apostel“ von Dürer in Bruchkeramik gesehen, hochgezogen auf 4,5 Meter. Kuhna war begeistert: „Das sah sensationell gut aus.“ Er brachte die Bruchkeramik für Düsseldorf ins Gespräch. Und musste erfahren: „Seitdem ich die Keramik erwähnte, tat die Stadt überhaupt nichts mehr an den Wänden. Dem Kämmerer waren die Arbeiten zu teuer. Die Wende kam, als sich Bürgermeister Friedrich Conzen und mit ihm die Kulturpolitiker hinter das Projekt stellten.“

Der Auftrag zum Brennen der Bruchkeramik ging vor sechs Wochen an die international bekannte Firma Ebinger-Schnaß. Inzwischen werden die ersten Farbfelder in Kartons verpackt, für den Transport nach Düsseldorf.

Wie aber orientiert sich die Firma an den Farben? Schon vor sieben Jahren ließ Kuhna von jedem Quadratmeter Malfläche Fotos machen. So muss die Firma die Farben nur ablesen. Sie musste allerdings 50 Farbtöne abnehmen und nachmachen. Der Künstler ist begeistert: „Die Fachleute haben meine Töne haargenau getroffen.“

Die Firma erstellt Keramikplatten in Größen von 10 x 10 x 1 Zentimeter und schickt sie durch zwei Stahlwalzen, um sie nach dem Zufallsprinzip zu splittern. So entsteht die Bruchkeramik.

Mit der Produktion wurde begonnen. Das Brennen dauert fünf Monate. Nach Auskunft des Künstlers beginnt die Verlegung an der Kaimauer in Düsseldorf Mitte bis Ende September. Fertigstellung ist etwa Anfang November.

Zu den Kosten sagt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe: „Die Erneuerung des Kunstwerks Rivertime kostet 260 000 Euro. Die Haushaltsmittel stehen unter dem Abschnitt ’Bewirtschaftung Grundstücke und bauliche Anlagen’ bereit.“

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