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Rheinufertunnel Düsseldorf wird 25

Stadtentwicklung : Der Rheinufertunnel: Düsseldorfs Jahrhundertbauwerk wird 25

Wo bis 1993 noch 55 000 Autos am Tag fuhren, blüht seitdem das Lebensgefühl der Stadt ganz besonders. Die Rückkehr der Stadt an den Rhein wird im Mai 2019 groß gefeiert.

Von seinen realen Vorzügen für Düsseldorf abgesehen, hat der vor 25 Jahren eröffnete Rheinufertunnel vor allem einen Vorzug: Er taugt wie kein anderes Bauwerk in der Stadt als Vorbild für mutige Entscheidungen. Also für den von Stadtplanern so oft beschworenen (und so selten eingelösten) „großen Wurf“. Diesen Aspekt ließ sich auch Oberbürgermeister Thomas Geisel nicht entgehen, als er gestern oben im Schloßturm über das Jubiläum dieses  „Jahrhundertbauwerks“ sprach und daran erinnerte, dass der Bau des Autotunnels Ende der 80er-Jahre keineswegs unumstritten war. „Es war eine mutige, wegweisende Entscheidung der damals Verantwortlichen im Rathaus, die am Schluss nur noch Befürworter kannte.“

Die ingenieurstechnische Ehre ging vor allem an das Team um „Tunnelbaumeister“ Erich Waaser. In seiner befreienden Wirkung auf das Stadtbild und für das Lebensgefühl von Düsseldorfern und Gästen noch viel wichtiger war natürlich die Gestaltung der Oberfläche mit dem hellblauen Wellen-Pflaster durch den Architekten Niklaus Fritschi.

Im Vergleich zu den wahnwitzigen Kosten(steigerungen) heutiger Großprojekte, war der Rheinufertunnel mit seinen 550 Millionen D-Mark geradezu ein Schnäppchen. Zumal auch noch 80 Prozent davon das Land übernahm – und das natürlich nicht, weil sich der damalige Landesvater Johannes Rau mal scherzhaft beschwerte, dass ihm die Autofahrer von der Hochstraße aus so leicht auf seinen Schreibtisch in der Staatskanzlei schauen könnten. Dennoch waren die hohen Kosten damals der Haupteinwand gegen den Bau. Benedikt Mauer, der Leiter des Stadtarchivs, erinnert daran, dass es bis zuletzt Stimmen gab, die den Autoverkehr nur auf den Unteren Rheinwerft verlegen wollten, weil das bei weitem preiswerter als ein Tunnel gewesen wäre. Allerdings machte die Gefahr eines Rheinhochwassers solchen Ideen rasch den Garaus.

Die Rückkehr der Stadt an ihren Fluss ist seitdem ebenso oft wie berechtigt gefeiert worden. Rückkehr insofern, als es schon ab 1902 so etwas wie eine Uferpromenade rund um den Schlossturm gab, damals hatte die Stadt das Ufer einfach 37 Meter in den Rhein hinein verschoben. Den Vorrang des Autos setzte dann der legendär-berüchtigte Stadtplaner Friedrich Tamms brutal durch, indem er die Rheinuferpromenade einfach zu einem Teil der B8 machte, wie Mauer rekapituliert. Unter anderem mit der lapidar-grotesken Rechtfertigung, am Rhein sei es „zu windig und frisch zum Flanieren“.

In den folgenden Jahrzehnten war die Stadt vom Rhein getrennt durch eine vierspurige Straße, auf der bis zu 55 000 Autos am Tag fuhren. Den Ausschlag für den Tunnelbau gab schließlich die Eröffnung des neuen Landtages 1988, der nicht von der Stadt abgeschnitten sein wollte. In der Tat: Der 1,9 Kilometer lange Tunnel hat dann nicht nur das Parlament oberirdisch angebunden, sondern gleich auch den Grundstein gelegt für die enorme Entwicklung des Medienhafens in den 90ern: „Die wäre ohne den Rheinufertunnel nicht denkbar gewesen“, sagt Dieter Schmoll, der Vorsitzende des „Architekten- und Ingenieurvereins“, dessen Mitglieder den Rheinufertunnel jetzt zum „Bauwerk des Jahrhunderts“ gewählt haben. Die Auszeichnung wird am 6. Dezember im Rathaus verleihen, am 12. Mai 2019 steigt dann in und auf dem Tunnel ein großes Bürgerfest.