Düsseldorf: „Rheinfabrik“: Der schnelle Aufstieg eines Start-ups

Düsseldorf: „Rheinfabrik“: Der schnelle Aufstieg eines Start-ups

Die App-Entwickler von „Rheinfabrik“ haben eine beachtliche Erfolgsstory geschrieben. Die Gründer sagen aber beide, dass sie das Abenteuer alleine nicht gewagt hätten.

Düsseldorf. Die Start-up-Szene in Düsseldorf wächst kontinuierlich. Neben Unternehmen wie Emmas Enkel oder Secusmart haben auch die Gründer der Rheinfabrik, Andreas Kwiatkowski (30) und Tim Brückmann (31), in beachtlich kurzer Zeit viel erreicht. Dabei beginnt ihre Geschichte 2012 ganz unspektakulär: Bei einem Bier auf der Couch.

„Wir hatten gerade ein Zeitmanagement-Seminar besucht und die Idee, eine eigene App zu entwickeln“, erinnert sich Andreas Kwiatkowski. Mit „Eisenhower“ programmieren sie ein Angebot, das auf der bekannten Eisenhower-Matrix basiert und dem Nutzer bei der Organisation des Alltags hilft. Die Smartphone-Anwendung wird zum Volltreffer und ist sogar der New York Times eine Erwähnung wert. „Da haben wir natürlich Lust bekommen, darauf aufzubauen.“

Den Erlös aus der App investieren die beiden in ihr Start-up „Rheinfabrik“. Schnell werden namhafte Auftraggeber wie Mercedes, Telekom, Borussia Dortmund oder der Hamburger SV aufmerksam und zu Kunden der Rheinfabrik. „So konnten wir den Umsatz jedes Jahr verdoppeln“, sagt Tim Brückmann.

Der schnelle Aufstieg spiegelt sich auch in den Räumlichkeiten wieder. „Angefangen haben wir in einem kleinen Zimmer, das wir in einer Physiotherapiepraxis angemietet haben“, erinnert sich Andreas Kwiatkowski. Schon nach sechs Monaten ging es in neue, 120 Quadratmeter große Räume in der Jahnstraße. Und seit vergangenen Herbst arbeiten die mittlerweile 20 Rheinfabrik-Mitarbeiter an der Hüttenstraße - auf großzügigen 400 Quadratmetern, inklusive topmoderner, hochwertiger Einrichtung.

Andreas Kwiatkowski, Rheinfabrik

Ende 2014 wird „Rheinfabrik“ Exklusivpartner von Trivago. Der Reisedienstleister, selbst 2005 als Start-up in Düsseldorf gestartet, ist seither alleiniger Auftraggeber. „Natürlich hat sich dadurch vieles verändert. Wir haben jetzt wieder Vorgesetzte“, sagt Tim Brückmann. „Andererseits mussten wir uns vorher als Dienstleister ja auch an den Wünschen unserer Kunden, den Unternehmen, orientieren.“ In ihrer Entscheidungsfreiheit fühlen sich die beiden nicht eingeschränkt.

Rückblickend sind sich beide einig: Alleine hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit nicht gewagt. „Du bekommst ehrliches Feedback, kannst dich austauschen und gegenseitig aufbauen, wenn es mal nicht so läuft“, erklärt Tim Brückmann die Vorteile der Teamarbeit. Das habe gerade in der Anfangszeit immens geholfen. „Da machst du als Gründer 100 000 Sachen auf einmal, die du alle nicht kannst.“

Personalführung zum Beispiel. „Wir haben dann viele Bücher gelesen und uns mit Menschen ausgetauscht, die das schon können“, sagt Andreas Kwiatkowski. „Man muss von dem Gedanken wegkommen, alles selbst machen zu wollen. Hilfe von außen ist unverzichtbar.“ Immerhin: Den Bürokratie-Aufwand haben sich beide schlimmer vorgestellt.

Wichtig sei es, den Blick aufs Wesentliche zu richten. „Viele glauben, mit Visitenkarten drucken und Büro anmieten sei das Wichtigste getan“, sagt Andreas Kwiatkowski. „Man muss aber von Anfang an wissen, welche Zielgruppe man erreichen will“, ergänzt Tim Brückmann und führt das soziale Netzwerk Pinterest als Beispiel an. „Die haben zu Beginn die komplette Branche ignoriert und lieber sofort Werbung in Frauenzeitschriften geschaltet.“ Fünf Jahre nach dem Start zählt das Netzwerk über 100 Millionen Nutzer weltweit.

Austausch und Networking, zum Beispiel bei Gründer-Events, sei wichtig, um sich neue Inspiration zu holen. Aber Kwiatkowski warnt: „Man muss aufpassen, sich vor lauter Häppchen essen nicht zu sehr ablenken zu lassen.“

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