Rheinbahn: Stadt muss mehr tun für Mobilität im Alter

Rheinbahn: Stadt muss mehr tun für Mobilität im Alter

Nur an 14,5 Prozent der Stationen sind die Fahrzeuge stufenlos zu erreichen. Das Ausbauprogramm reiche nicht aus.

Düsseldorf. Der demographische Wandel ist längst da. Die Zahl der Düsseldorfer, die älter als 60 Jahre alt sind, hat sich seit Mitte der 80er Jahre um gut 20000 erhöht. Ab 2025 werde diese Gruppe deutlich größer, glauben die Experten der Stadt. Diese Entwicklung ist für die Rheinbahn von Bedeutung: Schon heute ist jeder fünfte Fahrgast über 60. Für Rheinbahn-Chef Dirk Biesenbach ist klar: Wie erfolgreich sein Unternehmen sein wird, hängt davon ab, wie attraktiv es für Ältere ist.

Dazu braucht er die Hilfe der Stadt. Da aber hapert es aus Sicht der Rheinbahn. Thematisiert wurde das erstmals vor einigen Wochen im Aufsichtsrat, nun hat Biesenbach mit einem internen Papier nachgelegt. Vor allem bei zwei Themen hake es. So hinke die Stadt beim mobilitätsgerechten Ausbau der Haltestellen hinterher. Nur an 14,5 Prozent aller Straßenbahn-Stationen sei ein stufenloser Einstieg möglich - was übrigens auch für Eltern mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer wichtig ist. Andere Städte sind weiter: Laut Rheinbahn liegen etwa Bremen, Köln oder Stuttgart schon bei über 80 Prozent. Immerhin: In Düsseldorf sind fast die Hälfte der Bahnsteige mobilitätsgerecht, bei den Busstationen sind es aber wieder nur knapp ein Viertel.

Zwar gibt’s ein Ausbaukonzept (so sollen von 2010 bis 2013 die Linien U74/U77, 709 und 737 barrierefrei umgebaut werden), doch das ist der Rheinbahn nicht genug: "Aus unserer Sicht ergibt sich ein darüber hinausgehender Handlungsbedarf" - so die Botschaft an die Stadt, die den Umbau finanzieren muss.

Aus Sicht der Rheinbahn zählen bei den Senioren ansonsten vor allem Sauberkeit, Sicherheit und Pünktlichkeit. Bei letzterem hapere es auch. Tendenziell würden die Linien immer öfter ausgebremst. Vor allem fehle es an intelligenten Ampelschaltungen. Als Beispiel wird die Linie 708 genannt: Durch bessere Steuerung seien je Fahrtrichtung fünf Minuten rauszuholen. Zeitverlust bedeute höhere Kosten und weniger Attraktivität.

Die Botschaft wird bei der Stadt wohl gehört, allerdings nicht gern. Man wirft der Rheinbahn vor, nicht sauber zu argumentieren. So sei etwa der Vergleich der Durchschnittsgeschwindigkeiten unzulässig. Um zu belegen, dass Busse und Bahnen in Düsseldorf mehr ausgebremst werden als anderswo, hatte die Rheinbahn Vergleichszahlen geliefert: Demnach liegt die Durchschnitts-Geschwindigkeit der Fahrzeuge hier bei 17,3km/h, in anderen Städten bei deutlich über 20 km/h. "Dabei wurden zum Teil Ist-Zahlen der Rheinbahn mit Soll-Zahlen anderer Unternehmen verglichen. Das ist nicht in Ordnung", bemängelt Bernd Thomas vom Verkehrsdezernat.

Das Amt für Verkehrsmanagement werde deshalb prüfen, wie belastbar die Datenbasis sei - und welche Schlüsse daraus gezogen werden könnten. Im Übrigen sei die Stadt auf gutem Wege. "Dass riesiger Nachholbedarf im Vergleich zu anderen Städten besteht, sehen wir nicht."

Die Belastbarkeit einzelner Zahlen interessiert Seniorenbeirat Horst Grass weniger. Beim mobilitätsgerechten Ausbau der Haltestellen gebe es "noch viel Bedarf, zum Beispiel in Garath und Gerresheim". Er moniert, dass Busse und Bahnen oft nicht pünktlich seien. Und: "Wir haben immer noch zu wenige Wartehäuschen." Abgesehen von allen Problemen, gibt’s aber auch ein Lob für die Rheinbahn - sie habe stets ein offenes Ohr für die Belange der Senioren. In Kürze wird es sogar ein Treffen in großer Runde geben: Für den 17.September hat das Unternehmen den gesamten Seniorenbeirat zu Gesprächen eingeladen.